Zug um Zug zum Gipfel

| 4. Dezember 2003 | Keine Kommentare

Besuch beim Deutschen Alpenverein Koblenz

Nicht um Schnelligkeit geht es, sondern um Ausdauer. Dazu braucht es Muskelkraft, Geduld und Köpfchen. Klettern – ein Sport für Denker.

ETTRINGEN. Langsam schiebt sich Fritz – Füße und Rücken zwischen den beiden senkrechten Wänden abgestützt – nach oben. Für den Betrachter sieht das letzte Stück, das der 68-Jährige noch vor sich hat, gar nicht so schwierig aus. Der Kletterer hat eine sitzende Haltung eingenommen, seinen Körper zwischen den beiden Wänden in der Ettringer Lay eingeklemmt, um so bis zum „Gipfel“ vorzusteigen.

„Freiklettern bedeutet, dass der Kletterer den Berg aus eigener Kraft erklimmt, also nicht auf künstliche Hilfsmittel wie bereits vorhandene Seile zur Fortbewegung zurückgreift“, erklärt Peter Retterath, Fachübungsleiter für Hochtouren und Klettern in der Sektion Koblenz des Deutschen Alpenvereins. Darin unterscheide sich auch das Klettern in der Halle im Wesentlichen vom dem im Freien. Natürlich steigt dennoch keiner in der Gruppe in die Wand ohne abgesichert zu sein – im Falle eines Sturzes könnte man sonst mit dem Leben bezahlen.

Bei Fritz Rennecke ist es seine Frau Ilona (53), die die nötige Sicherheit gibt. Sie steht unterhalb ihres Mannes und reicht das Seil nach, das Fritz in regelmäßigen Abständen in der Wand einhakt. Im Falle eines Fehltritts fiele er so nur wenige Meter tiefer, statt ganz abzustürzen.

Die Tour, die Rennecke vorsteigt, hat einen Schwierigkeitsgrad von sechs plus. Zur Einordnung: Geklettert wird in Schwierigkeitsgraden von drei bis elf. Der Miesenheimer ist der älteste der Koblenzer Klettergruppe. „Angefangen habe ich mit 66 Jahren“, erzählt der Pensionär, der weiß, dass er fitter ist, als viele andere Menschen in seinem Alter. „Ich habe früher geturnt“, fügt er hinzu. „Das macht es mir leichter, die Wände raufzukommen.“

Mit den ersten Versuchen packte Rennecke der Ehrgeiz. „Etwas zu können, das einer nicht schafft, der 20 Jahre jünger ist als ich, war ein großer Ansporn“, sagt Rennecke. Und schließlich konnte er auch seine Frau zur Kletterei bewegen. „Als ich vor zwei Jahren angefangen habe, war ich noch nicht einmal schwindelfrei“, sagt diese lachend. „Aber solche Ängste kann man überwinden. Das habe ich durchs Klettern erfahren, und das ist ein tolles Erlebnis.“

Hundert Meter weiter links macht sich Detlev Reimann auf einer etwas leichteren Tour auf den Weg nach oben. Im Gegensatz zu Rennecke steigt er eine Tour „nach“, genießt also die Sicherheit des Seiles von oben.

Der 42-Jährige aus Bendorf betreibt den Sport erst seit einigen Wochen. Gurt, Kletterschuhe und Karabinerhaken hat er sich dazu angeschafft. „Die Grundausrüstung halt“, meint Reimann. Gelohnt habe sich die Investition schon jetzt, fügt er hinzu, denn die Bewegung im Freien und innerhalb der Gruppe mache ihm sehr viel Spaß. Und noch etwas anderes ist es, das ihm besonders an der sportlichen Betätigung gefällt: „Auch der Geist ist gefordert. Denn man muss sehr überlegt arbeiten, um möglichst kraftsparend hinaufzukommen.“

Schließlich ist nicht jede Wand so überschaubar wie die in der Ettringer Lay. Aber in der Eifel können sich die Kletterer gut auf ihr eigentliches Ziel vorbereiten – auf Touren in den Alpen nämlich. Inzwischen hat die Koblenzer Klettergruppe ihr Training von der Ettringer Lay in den Andernacher Kanditurm gelegt. In den nächsten Monaten treffen sich die Mitglieder dort jeden Mittwoch um 18 Uhr zum Training, dass sie bis zum Frühjahr fit halten soll. Interessierte sind zum Hereinschnuppern eingeladen. Ulrike Hochgesand

In der nächsten Woche gibt der Mandolinenclub Wanderlust 1920 Mülheim seine Visitenkarte ab. Treffpunkt ist beim Frühstückstreffen für Frauen.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz, Region Nord vom 04.12.2003

Kategorie: Presse

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