Zu Hause für die Berge fit machen

| 9. Mai 2001 | Keine Kommentare

Deutscher Alpenverein Sektion Koblenz bietet eine solide Grundausbildung für jedermann an – Klettersteig in Ehrenbreitstein

Schon mal etwas vom Willi-Hörter-Klettersteig gehört? Der liegt versteckt im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein und ist benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt. Angelegt hat den Steig der Deutsche Alpenverein (DAV) zu Schulungszwecken. Und was kaum jemand weiß, wer eine alpine Ausbildung machen will, braucht nicht in die Alpen zu fahren. Auch an Rhein und Mosel kann man sich für die Berge präparieren.

Von Axel Müller

KOBLENZ. Sackstich oder Bandschlingenknoten – das ist hier die Frage. Wie auch immer: „Nur ein schöner Knoten ist ein guter Knoten“, betont Gerd Krischer. Der Ausbilder des DAV Sektion Koblenz will damit deutlich machen, dass das Knüpfen diverser Variationen von Knoten wie sie beim alpinen Klettern verwendet werden, immer wieder geübt werden muss. Von einem ordentlich und richtig geknüpften Knoten hängt oft nicht nur das eigene Leben ab, sondern auch das eines Bergkameraden oder gar einer ganzen Seilschaft.

Drei Gruppen zu je sechs Personen plus Ausbilder verteilen sich auf dem alpenvereinseigenen Gelände am Kolonnenweg in Ehrenbreitstein. Nach vier Theorieabenden, in denen die richtige Vorbereitung für eine Bergfahrt, alpine Gefahren und Wetterkunde, sowie bergbezogene Erste Hilfe und die Orientierung mit Karte und Kompass vermittelt wurden, folgt der praktische Teil. Jetzt sollen die Alpinschüler anwenden, was sie gelernt haben.

Einen kleinen Vorgeschmack aufs Klettern konnten sich die Kursteilnehmer allerdings schon „indoor“ holen: Im Kandi-Turm in Andernach durften sie schon an der Steilwand kraxeln – auch das gehört zum Programm. Doch nun steht ein Steig in freier Natur an, rund 100 Meter lang und über eine sieben Meter hohe Einstiegsleiter zu erreichen. Die Gurte festgezurrt, die Helme auf und die Sicherungsseile eingehakt, so hängen die ersten Kletterer in der Wand.

Regel Nr. 1: Erst den Karabinerhaken ins Führungsseil einklinken, dann losklettern. Die Sicherheit hat oberste Priorität, das machen die DAV-Ausbilder immer wieder deutlich. Leichtsinn hat in alpinen Gefilden nichts zu suchen, zu viele mussten dies schon mit dem Leben bezahlen. Im Hörter-Steig machen fast alle ihre Sache gut. Zwar ist die Technik noch verbesserungsfähig, aber die „Lehrer“ zeigen sich zufrieden. Die Nagelprobe ist bestanden, der Berg ruft!

Das Grüppchen der „Schüler“ ist bunt zusammengewürfelt, die Intention für die Kursteilnahme höchst unterschiedlich. Da ist beispielsweise der 30-jährige Informatiker Jörg Zeppen. Er war schon oft in den Bergen und wollte seine künftigen Touren auf ein solides Fundament stellen. Uwe Neddermeyer (37), Schiffsmaschineningenieur aus Dieblich, war dagegen erst einmal in den Alpen. Ihm war es wichtig, von Anfang an das richtige Verhalten zu lernen. Und Hendrik Hüttner (18) entdeckte beim Sommertrecking im norwegischen Jotunheimen, dass er mehr wissen will über Seil und Haken, Steige und Hochtouren.

Zum Abschluss der DAV-Alpinausbildung steht der Höhepunkt an: ein Wochenende auf der vereinseigenen Teufelsley-Hütte in der Eifel. Hier wird unter (beinahe) realistischen Bedingungen Bergkameradschaft geübt. Das fängt beim gemeinsamen Zubereiten der Speisen an, geht über das kollektive Nächtigen im rustikalen Schlafsaal und endet beim Bergrettungskurs an einem schroffen Felsmassiv.

Drei Themenschwerpunkte stehen auf der Teufelsley an: Orientierung im Gelände, Knotenkunde und Erste Hilfe am Berg. Klettern und Abseilen werden ebenso trainiert wie das Marschieren nach einem selbstausgearbeiteten Plan in unbekanntem Terrain. Darüber hinaus klären die DAV-Ausbilder beim gemütlichen Hüttenabend über Naturschutz im Gebirge auf und stellen den umfangreichen Versicherungsschutz vor, den Vereinsmitglieder genießen.

Wem nach diesem viereinhalbmonatigen Kurs Eifelberge nicht mehr genügen, dem wird ebenfalls geholfen. Anfang September geht’s zu geführten Begehungen von mittelschweren und schweren Klettersteigen in die Dolomiten. Der alpenerfahrene Ausbilder Udo Schmidt von der DAV-Sektion Koblenz leitet die Tour ins Brenta-Gebiet.

Rhein-Zeitung vom 9.05.2001

Kategorie: Presse

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