Unterwegs im UNESCO-Weltkulturerbe

| 21. Januar 2013 | Keine Kommentare

Im Schweizer Wallis befindet sich der mit 23 Kilometern längste Gletscher der Alpen – der Aletschgletscher. Mit seiner Länge, seiner Tiefe von mehr als 900 m und seiner Breite von bis zu 1.000 m erreicht er zahlreiche Superlative. Seit Ende 2001 gehört die faszinierende Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn zum UNESCO-Weltnaturerbe. (Quelle: www.alpensicht.com)
Beeindruckende Dimensionen, welche noch beeindruckender werden, wenn man sich auf selbigem bewegt. 2003 sah ich das erste Mal diese Eisautobahn mit den beiden markanten Moränenstreifen auf einer Tour im Wallis.
2012 war es dann soweit. An einem Samstagnachmittag im Juli trafen sich Didi, Bianca, Alex, Frank, Uschi und ich in Fiesch auf dem Parkplatz der Seilbahn. Kurz umgezogen, Rucksäcke überprüft und los ging es mit der Gondel zur Station Fiescheralp. Von dort dann über einen Wanderweg Richtung Gletscherstube. Erste Abwechslung bringt der etwa 1000 Meter lange Tälligrattunnel.
Dieser Tunnel ist ein ehemaliger Stollen, der ursprünglich zur Entwässerung des Märjelensees im Kanton Wallis gebaut wurde. Der Tunnel unterquert den Tälligrat (2615 m), einen Ausläufer des Eggishorns. Der westliche Eingang des Tunnels, an dem ursprünglich der Märjelensee lag, liegt in einer Höhe von 2347 Metern. (Quelle: Wiki)
Ausgangs des Tunnels sieht man schon das Berggasthaus Gletscherstube (2.363 m). Die Gletscherstube ist nicht unbedingt ein Kleinod im eidgenössischen Hüttenportfolio. Man kann dort essen und schlafen. Letzteres ging bei uns allerdings nur bedingt, da 3 lustige Schweizer Junghandwerker nach getaner Arbeit bis morgens um zwei noch feierten und traditionelles Liedgut zum Besten brachten.

Am nächsten Tag brachen wir dann Richtung Konkordiahütte auf. Der UNESCO-Gletscher empfing uns mit Regen. Bei nicht unbedingt optimalem Bergwetter wanderten wir stundenlang bis zur Konkordiahütte. Nach circa 7 Kilometern verlässt man den Gletscher und steigt auf dem „Sommerweg“ hinauf zur Hütte auf 2850 Metern, 150 Meter über dem Konkordiaplatz.

Schöne Lager, gutes Essen. Ein wenig gestunken hat´s. Nein, nicht das Klo. Im Gastraum wurde noch die linke Wand gestrichen. Gut, dass man Urlaub hat. So trinkt man seinen Roten und schaut interessiert der Malercrew zu. Offensichtlich war bei der Logistik bissle was schiefgelaufen, denn die Wände wurden mit 5 cm breiten Flachpinseln bearbeitet. Die Anstreicherklamotten blieben ebenfalls im Tal, die Eiger Nordwand-Hose tat´s aber auch. Was Eis und Schnee abhält, muss auch bei Dispersionsfarbe helfen. Half auch. Weiße Farbtupfer machen die Hosen eindeutig freundlicher.

Tag 3. Erstes „richtig frühes“ Frühstück. Das Gross Grünhorn stand auf dem Plan. Der Hüttenwirt meinte: „Beste Bedingungen“. Ok, die Treppen runter, was im Dunklen, am Anfang einer Tour und abwärts deutlich entspannender und einfacher ist. Nach einer Tour kann dieses an die Wand geschraubte Monstrum einen schon frustrieren.
Wir steigen den Grüneggfirn hoch Richtung Grünhornlücke und erreichen über Terrassen ein Couloir, welches uns auf den Grat, in der Nähe von Punkt 3.475 Meter führt. Von dort geht es über einen breiten Rücken zum Vorgipfel des Grünegghorns. Hier ist Schluss. Der Grat ist tief verschneit, dort wo die Abseilstelle in der Scharte zwischen Gross Grünhorn und Grünegghorn sein soll, ist eine Riesenwechte. Nach einem kurzen Versuch bestätigt sich unser Entschluss, die Tour hier abzubrechen. Gleicher Weg wieder zurück, mit dem Ziel Finsteraarhornhütte. Weiter Weg. Hoch zur Grünhornlücke, runter auf den Fieschergletscher, auch nicht schmal, bis zum Beginn des Hüttenweges. Von dort, „gemütlich“ hoch zur Hütte. Mit zwei Briten teilen wir uns ein schönes Zimmer. Aus dem Bett heraus ein Wahnsinnsblick auf Wannenhorn, Fischer Gabelhorn und Wysnollen. Hinter uns das finstere Aarhorn. Die beiden Briten wollen auch dort hoch.

Der nächste Tag ist Ruhetag. Nicht für unsere englischen Freunde. Um drei Uhr schleichen sie sich ruhig aus dem Zimmer, um 6:00 Uhr schleichen sie wieder ruhig ins Zimmer. Bad conditions. Abwechslung an diesem Tag: Siehe Video

Wir schlafen aus bis sieben, frühstücken und gehen wieder ins Bett. Ruhetag. Kaffe trinken, lesen, essen, Bier trinken, lesen, schlafen, Rotwein trinken, aufs Abendessen warten, die tollen Tretklos ausprobieren….Abendessen. Und dann wird es wieder leise in der Hütte. Der Wetterbericht. Starke Gewitterneigung bereits am Vormittag meint der Wetterfrosch. Was tun?

Auf der Finsteraarhornhütte ist dies einfach: Wir schlafen aus bis sieben, frühstücken und gehen wieder ins Bett. Ruhetag. Kaffe trinken, lesen, essen, Bier trinken, lesen, schlafen, Rotwein trinken, aufs Abendessen warten, die tollen Tretklos (Weitere Infos zu den Tretklos finden Sie hier) ausprobieren….Abendessen.
Moment, unsere Briten. Zweiter Versuch. Wieder leise raus, wieder leise rein.

Für den kommenden Tag nehmen wir uns die Fiescherhörner vor. Der Wetterbericht sprach von sturmartigem Wind. Stimmte. Auf dem Fieschergletscher geht es dann am Morgen Richtung Nordwesten,  flach hoch bis zum Eisbruch. Wir finden einen idealen Weg und biegen auf dem Plateau in Richtung Hinteres Fiescherhorn (4025 m) ab. Beim Abstieg fällt die Entscheidung den ausgesetzten Grat des Grossen Fiescherhorns bei diesen Bedingungen nicht anzugehen.
Wir machen noch eine kurze Pause und geniessen den Ausblick auf Schreckhorn, Lauteraarhorn und aufs Finsteraarhorn. „Da möchte man bei diesem Wind jetzt nicht sein“, sagten wir.
Dachten sich vermutlich auch die Briten bei ihrem dritten Versuch am Finsteraarhorn, wie wir später erfuhren. Am Hugisattel war für sie wieder Schluss.
Der Abstieg durch den Eisbruch wurde noch einmal spannend. Am Ende saßen wir aber früh nachmittags auf der Hüttenterrasse und genossen die Sonne.

Die Woche ging so langsam zu Ende.

Am letzen Tag stand dann die Strecke Finsteraarhornhütte – Fiescheralp an. Gletschertrekking satt. Bei der Gletscherstube gab es nochmal was zu trinken.
Zusammen fuhren wir dann in Didi´s Basecamp, den Zeltplatz in Brigerbad. Das Gefühl, nach einer Woche wieder zu duschen, war großartig. Die Woche beschlossen wir mit einem Essen vom Grill in Brigerbad. Da taten auch die 32 Franken für die Kalbsbratwurst mit Pommes und Salat nicht (ganz so) weh.

Der Aletschgletscher, UNESO-Weltkulturerbe. Man muss ihn einmal gesehen und gefühlt haben. Wäre ich 4000er-Sammler käme ich zurück…

Gruezi, Peter Still

 

Abwechslung auf der Finsteraarhornhütte. Hüttenwirt kommt, Hüttenwirtin geht.

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Kategorie: Hochtourengruppe

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