Unterwegs im Grenzbereich von Ost- und Westalpen zwischen Schweizer Prättigau und österreichischem Montafon

| 1. Dezember 2013 | Keine Kommentare

Bergsteigen auf der „Sonnenseite des Lebens“

Ab und zu kann ein argloser Besucher in so genannten „Szenelokalen“ oder Slow Food „Restaurants“ unfreiwilliger Zeuge eines obskuren Rituals seltsam gekleideter Menschen werden. Häufig mit Jutebeuteln und „Apfel-Produkten“ bewaffnet zücken sie, nach einem kurzen, abschätzenden Blick durch ihre Hornbrillen, ein Smartphone und halten den Anblick des soeben hergebrachten Tellers für eine wenig interessierte Nachwelt fest. Bild 01

Warum gerade dieser Einstieg? Einerseits ist der Anfang eines Artikels häufig schwer und eine derartige Beobachtung relativ „dankbar“ und leicht zu beschreiben, andererseits hätte ich nicht erwartet, dass derartige Riten auch in der, für mich als Jungspund (Teenager) doch als so „heil“ und „unberührt“ verklärten, Bergwelt des Rätikon Anklang finden. Erst recht nicht durch die Mitglieder meiner Gruppe.

Aber alles der Reihe nach. Am Nachmittag des dritten August traf sich ein Teil besagter Gruppe, nach Anreise vom Koblenzer Hauptbahnhof DB-klimaanlagen­gestählt und, einen Kurztrip durch Schruns später, sogar eventkundig, um über den Besuch des dortigen Feuerwehrfestes zu beraten. Natürlich nur, um Informationen über das Wetter einzuholen, versteht sich.

Am Tag darauf begann die geplante 7-tägige Hüttentour im Gebiet um die Lindauer Hütte (mit angrenzender Sulzfluh) im Rätikon. Nachdem Volker, Andrea und Werner erfolgreich eingesammelt waren machte sich die zusätzlich aus Achim, Marion und Wolfram, Jakob und mir, Nils, bestehende Wandergruppe von der Talstation „Golmertalbahn“ aus auf dem Weg zur Tilisunahütte, unsere erste Schlafstatt, in der wir aus Angst vor dem angekündigten Gewitter (das uns aber doch nicht traf) verfrüht ankamen. Abgesehen von einem kurzen Diebstahlverdacht einer Bluse, der Marion gegenüber geäußert wurde (das besagte Kleidungsstück fand sich am nächsten Tag auf der Latschätz-Alm in der Nähe der Lindauer Hütte) und einer kurzen Erläuterung des Begriffs „Halbpension“, den irgendjemand (der natürlich nicht der Autor ist) nicht ganz richtig verstanden hatte, geschah jedoch nichts Bemerkenswertes.

Am Montag dann, nach dem Durchstieg der „Schwarzen Scharte“ (mit beeindruckendem Blick auf die „Drei Türme“ Bild 02) auf der Lindauerhütte angekommen, teilte sich die Gruppe. Während die einen bei der Hütte blieben und eine Wanderung zu besagter Alm unternahmen, ließen es sich Volker, Wolfram und ich nicht nehmen den sehr schönen, jedoch, nur für sich allein, wenig schwierigen Klettersteig „Gauablickhöhle“  Bild 03 zu begehen, der in Kombination mit dem zweieinhalbstündigen Zustieg und einem ähnlich langen, sehr beschwerlichen Abstieg durch den „Rachen“ neben der Sulzfluh doch mühevoll aber lohnend war.

Am sechsten August stand der Weg zur Totalphütte auf dem Programm. Vorbei an Schweizer Tor und Lünersee ging es die letzten 400 Höhenmeter überraschend steil bergauf, jedoch lockten Kaiserschmarrn, eine kleine Werbetafel auf dem Weg und ein wunderbares Panorama. Erwähnenswert waren auf dieser Hütte besonders die recht unkonventionellen Methoden der Sockenbefestigung von Achim und ein nächtlicher Sturm (dem besagte Sockenbefestigung jedoch zum Glück nicht trotzen musste). Bild 04

Infolge des Sturms empfing uns zunächst ein Gewitter, das sich recht bald verzog und uns damit die Möglichkeit gab den vermutlich schwierigsten Teil unserer Tour anzugehen: Die Überquerung der Schesaplana (2965 m Bild 05) und der anschließende Abstieg zur gleichnamigen Hütte auf der Schweizer Seite. Nachdem der richtige Weg gefunden war, verzichtete Achim zugunsten eines vermuteten einfacheren Weges auf den Aufstieg und Andrea und Werner begleiteten ihn, während sich der Rest unter starken Böen weiter in Richtung Gipfel plagte. Der mit 1 3/4 h angegeben Abstieg vom Gipfel zur Hütte war letztendlich ein Witz. Wir kamen nach mehr als drei Stunden völlig erschöpft an, waren froh, dass wir alle heil ankamen und einigten uns darauf, dass dieser Weg kein gutes Beispiel für einen „Mittelschweren Bergweg“ darstellte. Wirklich nicht. Bild 06

Natürlich wurde ich als siebzehnjähriger Frischling prompt mit gewissen Klischees vertraut gemacht. So auch beim Frühstück unserer Wanderung von der Schesaplana Hütte zur Caschina Hütte. Welches Vorurteil der Schweizer Hüttenwirt der ersteren bestätigte, als er beim Frühstück anmerkte: „Diese Brote sind aber nicht zum  Mitnehmen gedacht“ mag sich jeder selber denken. Mit scheinbar zweckentfremdeter Nahrung in der Tasche gingen wir dann den schönsten Teil des Rätikon-Höhenwegs, diesmal an der anderen Seite des Schweizer Tores entlang und erreichten schließlich geföhnt und beregnet die Caschinahütte.

Der neunte August begann mit Regen und Nebel und endete auch so. Infolgedessen verabschiedete sich Wolfram von dem vorgesehenen Plan auf die Sulzfluh auf- und zur Lindauer Hütte hinabzusteigen und führte uns über das Drusentor. Da er an der Lindauer Hütte seine Ausbildung zum Wanderleiter gemacht hatte und die Gegend kannte, konnten sich einige auf die Rettung von unzähligen Alpensalamandern vor den spitzen Stöcken nachfolgender Wanderer konzentrieren. Ansonsten verlief der Tag ereignislos auf der Lindauer Hütte, deren Essen das Auge so sehr erfreute, dass die Photos davon für meinen Einstieg herhalten mussten.

Am vorletzten Tag fuhren Andrea und Werner, die bereits vorher eine Woche wandern waren, verfrüht nach Hause, Achim und Marion unternahmen eine Tour in Richtung der Golmertalbahn und der Rest wanderte beim strahlendem Sonnenschein zurück durch das Drusentor und erklomm den Sulzfluh-Klettersteig Bild 07. Dieser empfehlenswerte Klettersteig ist 750 m lang, über 450 Hm mit der Schwierigkeit C/D. Bild 08

Am letzten Tag folgte schließlich ein rasender Abstieg nach Tschagguns und die Heimfahrt.

Ich persönlich hatte sehr großen Spaß an der Tour und meinen Mitwanderern und denke, dass es diesen ganz ähnlich geht.

Text: Nils; Bilder: Wolfram

 

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Kategorie: Bergsteigergruppe

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