Unterwegs auf den höchsten Bergen Europas

| 28. Dezember 2013 | Ein Kommentar

Gedankenverloren blickte ich aus dem Fenster unserer Boing 747 während die Häuser immer kleiner wurden.
Einiges an Vorbereitung lag nun schon hinter uns. Organisation des Camps, Visum beantragen, Tourenplanung und zu guter Letzt die 36 kg Ausrüstung in den Flieger bekommen. Hier vollbrachten wir (wir, das waren Lars Loichen und ich) schon ein kleines Kunststück, denn das Boardinggepäck durfte nur 23 kg betragen. Wir schafften es also unser Handgepäck, welches ein stattlicher, gefüllter 65 l Rucksack war, und unsere mit Müsliriegeln vollgestopften Jacken an den Stewardessen vorbei ins Flugzeug zu bringen.

Nach einem kurzweiligen Flug von Düsseldorf über Moskau nach Mineralny Vody kamen wir schließlich nach einer weiteren 6 stündigen Ladafahrt im Bezengicamp an. Das Camp besteht aus mehreren Häusern mit einfacher aber ausreichender Ausstattung. Auch genügend Essen und Gas lässt sich hier kaufen. Mit dem Camp als Ausgangspunkt auf 2.200 m machten wir uns bereits am nächsten Tag auf zu unserer ersten Tour. Wir stiegen zum Ukju-Kosch-Biwak auf, wovon wir am Tag darauf den Ukju-Tau (4.346 m) über den schönen Südgrat bestiegen. Eine wundervolle Gratkletterei im russischen Grad 2A. Die anschließende Biwaknacht war allerdings alles andere als wundervoll. Anstelle des Zeltes hatten wir für unsere erste Tour eine Biwak-Zeltkombination eingepackt, die sich lt. Hersteller einfach zu einem kleinen Zelt aufbauen lassen sollte. Es war allerdings mehr Sack als Zelt. Der Aufbau gestaltete sich schon als größte Herausforderung und an Schlaf war in dem Ding gar nicht zu denken. Völlig gerädert von der Nacht, machten wir uns am nächsten Morgen auf in die Nordwand des Dumala- Tau (4.680 m). Das Wetter war nicht mehr ganz so gut, die Firnverhältnisse jedoch bestens und so erreichten wir über die 60° Eiswand und einen luftigen, schneebedeckten Grat relativ problemlos den Gipfel.

Nach diesen ersten Touren stand am nächsten Tag ein Ruhetag mit Sportklettern an den nahegelegenen Felsen auf dem Programm, bevor es am tags darauf über den riesigen Mischirgi-Gletscher zu unsrem nächsten Biwak am Kochtantau ging. Der Zustieg ist hier bereits endlos, steigt man doch in ewiger Kletterei über drei Eisbrüche zum Biwakplatz (ca. 4.000 m) auf. Am nächsten Tag stiegen wir bei guten Wetterverhältnissen weiter über den Vorgipfel des Ptiza (4.560 m – rus. 4A) Richtung Biwakplatz am Nord-/ Ost-Grat des Kochtantau (5.145 m) auf. Diesen sollten wir jedoch leider nicht erreichen. Schwierige Schneeverhältnisse, keine Sicherungsmöglichkeiten sowie komplizierte Routenfindung zwangen uns zu einem Biwak in der Wand. Am nächsten Tag entschlossen wir uns aufgrund bevorstehender Schlechtwetter- Aussichten für den Rückzug und seilten wieder vom Gipfel des Ptiza ab. Nach Erreichen des Camps genehmigten wir uns noch einen Ruhetag, der damit endete das wir von einer Militärpatrouille von einer kleinen Akklimatisationstour zurück ins Camp geschickt wurden, weil wir unsere Pässe nicht dabei hatten. Sehr ärgerlich.

Tags darauf wurde wieder der alte Lada beladen und wir fuhren in die Elbrusregion zum Baksan-Tal. Mittags nach fünfstündiger Fahrt in Terskol (2.700 m) angekommen, traf uns erst einmal der Kulturschock. Nichts mehr mit ruhiger Bergsteigeridylle. Im Elbrusgebiet ist ganz der Massen-Seven-Summit-Tourismus angekommen. So verweilten wir nicht lange und stiegen noch zu unserem Biwak am Prijut 11 auf 4.001 Metern auf. Am nächsten Morgen verschliefen wir etwas, und wurden schließlich von den Schneemobilen geweckt, mit denen die meisten Touristen bis auf eine Höhe von 4.600 Metern gefahren wurden. Wir schulterten jedoch unsere Rucksäcke und stiegen im Schein der Stirnlampen die gemächliche Piste hoch, die zum Sattel der Elbrusgipfel führt. Bei gutem Wetter erreichten wir bereits um 11.00 Uhr den Westgipfel (5.642 m) und machten uns nach kurzer Gipfelrast wieder an den Abstieg. Im Gegensatz zu unseren restlichen Sportskameraden am Berg, die mit Sonstige Touren Sonstige Touren dem Schneemobil auch wieder talwärts gefahren wurden, stiegen wir noch 3.000 Höhenmeter ab, bevor wir am Fuße des Elbrus unser Zelt aufschlugen.

Die Abschlusstour führte uns in das wunderschöne Iriktschat-Tal. Abseits der Massen stiegen wir hier völlig ungestört auf, und überschritten am nächsten Tag in anspruchsvoller aber toller Kletterei alle drei Iriktschat-Gipfel (4.050 m) über den Westgrat.

Beim Rückflug stellten sich dann die größten Schwierigkeiten ein. Unser Inlandsflug nach Moskau hatte über 6 Stunden Verspätung, wodurch wir unseren Anschlussflug nach Deutschland verpassten. Nach einer Nacht auf dem Moskauer Flughafen war es ein riesiges Unterfangen, bis die Dame vom Lufthansaschalter endlich unseren Weiterflug umgebucht hatte. Zu allem Übel war mittlerweile mein Visum abgelaufen. Gefangen am Flughafen kam ich mir vor wie Edward Snowden persönlich. Nach viel hin und her, extra Rubel und zig verlorenen Nerven, saßen wir endlich im Flieger. Erschöpft sank ich in den Sitz und machte nach 25 Stunden non-stop unterwegs endlich etwas die Augen zu. Was für anstrengende aber erlebnisreiche Wochen. Ich blickte rüber zu Lars und auch ohne Worte waren wir uns sicher, wir kommen wieder. Es gibt noch einiges zu tun. 😉

Stefan Weichert

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Kategorie: Sonstige Touren

Kommentare (1)

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  1. Martin sagt:

    Stark! Guter Stil!

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