Über ungezählte Joche, Jöchli und Grate begleitet von der Rosanna durchs Verwall (16.08.-22.08.20)

| 4. Oktober 2020 | Keine Kommentare

Vera, Herbert, Hilde, Marion, Wolfram

Nachdem sich zu der Verwall-Tour von den Mitgliedern unserer Sektion nur Hilde angemeldet hat, habe ich nochmal bei der Bergsteigergruppe geworben und konnte noch Vera und Herbert gewinnen. Zusammen mit Marion waren wir eine 5er Gruppe und sind mit dem Zug, leider 2 h später wie geplant um 17 Uhr in Sankt Anton angekommen. Ein Taxi brachte uns zum Ausgangspunkt unserer Tour nach Sankt Christoph und bei leichtem Nieselregen ging´s los zum Aufstieg auf die Kaltenberghütte. Der Regen hörte bald auf und nach der langen Zugfahrt tat es gut in der frischen, klaren Luft in den Bergen unterwegs zu sein. (Bild_02) Auf der Hütte wurden wir freundlich empfangen und bestens versorgt. Leider war am nächsten Tag der Himmel voller Regenwolken und so mussten wir in Regenbekleidung auf dem Reutlinger Weg starten. Die Wege waren steil und steinig – es ging über den Krachelgrat (Bild_03)  und das Gstansjöchli – und daher musste konzentriert gegangen werden. Die Landschaft mit den zahlreichen Seen hinterließ trotz der Bewölkung einen wunderschönen Eindruck. Beim Abstieg zur Konstanzer Hütte wurde der Regen nochmal heftiger. Der Weg führte durch einen Zirbenwald über einen schmalen, steilen Steig voller Wurzeln. Wir waren froh endlich im Trockenen in der Hütte sitzen zu können. Der Hüttenwirt war mit mir unzufrieden, weil ich im Januar 9 Plätze reserviert und dann im Mai 4 Plätze wieder storniert hatte. Das Essen war aber gut und die Bedienung sehr freundlich, obwohl sie an diesem Tag mehrere Male die Plätze auf der Terrasse trockengewischt hat. Aufgrund der schwierig zu gehenden Bergwege am 2. Tag hat sich Marion leider entschieden die Tour abzubrechen und entlang der Rosanna nach Sankt Anton abzusteigen (Bild_04). Marion hat viel verpasst, denn der Weg zur Friedrichshafener Hütte führte auf breiten Wegen im Fasultal vorbei am Patteriol moderat hinauf zum  Schafbichljoch. Hier machten wir Rast, genossen die Sonne und da es früh am Tag war, beschlossen wir über das Matnaljoch zur Hütte zu wandern. Kurz nach unserem Aufbruch setzte wie aus dem Nichts ein heftiger Regenschauer auf der Hochebene ein, sodass wir doch auf kürzestem Weg zur Friedrichshafener Hütte abstiegen. Es hat sich am Nachmittag dann doch noch die Sonne durchgesetzt und so haben wir noch einen Spaziergang in die Blaubeerfelder gemacht. Die Verpflegung auf der Hütte war sehr gut und wir konnten auf der Terrasse den Blick ins Paznauntal mit dem Ski-Gebiet Ischgl in weiter Ferne genießen. Für die nächsten Tage war durchweg bestes Bergwetter mit viel Sonne angekündigt und daher wagten wir es nochmal über den Ludwig-Dürrweg, Dürrschartli zum Matnaljoch (Bild_05)  zu gehen. Nach einigem Suchen, da die Zeichen vermutlich durch einen Steinrutsch verschwunden waren kamen wir auf dem Joch an, überquerten wieder das Schafbichljoch (Bild_06) und wanderten auf dem Georg Prassserweg über den  Vertineskopf (Bild_07)  weiter. Am Schafbichljoch konnten wir eine größere Junggesellenherde Steinböcke beobachten. Auf abenteuerlichen Wegen ging es hinab zum Brüllsee und auf den Friedrichshafener Weg. Hier waren auf dem Verbindungsweg zwischen den Hütten mehr Wanderer unterwegs. Steil ging es hinauf zum Muttenjoch und gleich wieder hinab auf rutschigem Untergrund zu den letzten Ausläufern des Quellbereichs der Rosanna. Den Bach überquerten wir durch eine Furt und nach einem moderaten Anstieg zum Winterjöchli erreichten wir die Heilbronner Hütte. Hier fielen uns als erstes viele aufgebrezelte Leute auf, die eher in der Schickeria oberbayerischer Städte zu erwarten sind. Aber auch hier war die Bewirtung sehr gut und die zahlreichen Kinder fühlten sich sichtlich wohl und hatten Spaß auf der Alm. Ein Bad im nahe gelegenen See durfte Hilde nicht nehmen, da dieser Bereich ein Wasserschutzgebiet ist. Gestärkt nach einem guten Frühstück ging es hinab zur Rosanna, die wir über den Ochsasteg überquerten. Auf dem Bruckmannweg ging es hinauf zum Wannenjoch. Unterwegs machten wir am Wannensee Rast und diesmal klappte es mit einem Bad (Bild_08)  . Bei gefühlten Minusgraden hielten es Hilde und Wolfram nur kurz aus in dem Wasser. An dem Abzweig zum Aufstieg auf den Patteriol machten wir noch mal ausgiebig Rast und beobachten die Bergsteiger, die hinauf bzw. herunter stiegen. Wir hatten uns nicht für eine Besteigung über unmarkiertes Gelände vorbereitet und waren auch etwas zu spät dran. Aber sollten wir nochmal herkommen, dann kennen wir jetzt den Weg. Die Konstanzer Hütte erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein, die es allerdings nicht schafften den Hüttenwirt aufzuheitern zumal wir mit einer Person weniger erschienen. Ich wurde mit “9, 5, 4, 10 € sofort“ begrüßt. Wir genossen das Fußbad im Kneippbecken und die von der freundlichen Bedienung servierten österreichischen Köstlichkeiten auf der Sonnenterrasse. Nach dem Frühstück am reichhaltigen, vom Hüttenwirt “bewachten“ Buffett gings auf die vorletzte Etappe. Diesmal führte Herbert uns auf dem Apothekerweg steil hinauf zum Kuchajoch. Hier ließen wir unsere Rucksäcke zurück und stiegen auf den Scheibler (Bild_09). Wir hatten freie Sicht auf die umgebenden Berge. Ein anwesender Bergkamerad aus Stuttgart erklärte uns die Berg, die er im westlich gelegenen Montafon, Rätikon kannte. Wolfram erkannte dann auch die Schesaplana, Drusenfluh, Dreitürme, Sulzfluh …. Drahtseilversichert ging es weiter Richtung Darmstädter Hütte. Beim Abzweig zur Faselfadspitze konnte Wolfram Herbert mit der Bemerkung “Morgen um die Zeit sitzen wir im Zug nach Hause“ bewegen mit auf den Gipfel zu steigen. Der Weg war gut markiert und über die Weisskopfplatte ging es im Klettergelände hinauf. Unterwegs scheuchten wir ein große Herde weiblicher Steinböcke mit ihren Kitzen auf. Es war ein sehr bewegender Moment und faszinierend wie die Herde nach wenigen Meter Entfernung mit dem Gelände verschmolzen ist und kaum noch zu erkennen war. Es machte Spaß über seilversicherte Passagen, Leitern auf die Faselfadspitze zu klettern. Oben hatten wir eine schöne Sicht auf das Tagesziel und  unseren morgigen Weg nach Sankt Anton. Nach dem Abstieg nahmen wir noch in einem flachen klaren Bergsee ein Bad, das aber auch kurz ausfiel, da eine Akklimatisierung nicht möglich war. Auf der Darmstädter Hütte wurden wir schon von Hilde und Vera erwartet. Wenn man es mit dem freundlichen, unkomplizierten Hüttenwirt nicht “verderben“ wollte, musste man seine frisch zubereiteten Knödel probierten, die in den verschiedensten Variationen angeboten wurden und wirklich gut schmeckten. Auf einem schönen Weg ging es hinab nach Sankt Anton. Vera machte eine Frau glücklich, indem sie ihr das verlorene Smartphone zurückgeben konnte. Wir überquerten ein letztes Mal in Sankt Anton die Rosanna, die nach Zusammenfluss mit der Trisanna aus dem Paznauntal, südlich vom Verwall zur Sanna wird und dann kurz darauf bei Landeck in den Inn mündet. Es waren schöne Tage im Verwall und wir haben uns gut verstanden. Schade, dass Marion vorher abgestiegen ist.

Wolfram

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Kategorie: Allgemein, Bergsteigergruppe

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