Über sieben Brücken musst du geh’n (oder fahren): Eine Biketour an Rhein und Mosel

| 27. Mai 2021 | Keine Kommentare

Von Peter May, Koblenz

Koblenz, die Stadt an Rhein und Mosel, ist auch eine Stadt der Brücken: während es im gesamten übrigen Mittelrheintal zwischen Mainz und Bonn keine einzige feste Flussüberquerung gibt, finden sich im Raum Koblenz – Neuwieder Becken gleich zwölf Brücken über die beiden großen Ströme, von denen zehn mit dem Fahrrad befahren werden können. Nach dem Motto des alten Karat-Hits „Über sieben Brücken musst du geh’n“ habe ich aus diesen zahlreichen Möglichkeiten eine kleine Rundfahrt zusammen gestellt, bei der hauptsächlich auf Radwegen vier Mal der Rhein und drei Mal die Mosel überquert werden, und zwar auf folgenden Brücken:

  1. Raiffeisen-Brücke bei Neuwied
  2. Urmitzer Eisenbahnbrücke
  3. Bendorfer Autobahnbrücke
  4. Pfaffendorfer Brücke in Koblenz
  5. Europabrücke in Koblenz.
  6. Kurt-Schumacher-Brücke in Koblenz
  7. Moselgold-Brücke bei Kobern-Gondorf

Die Runde ist auf der gewählten Strecke 76 Kilometer lang und dauert bei zügigem Tempo rund dreieinhalb Stunden, wobei – abgesehen von den kurzen, steilen Brückenrampen – keine nennenswerten Höhenunterschiede zu bewältigen sind. Die Route ist fast durchgängig asphaltiert oder gepflastert und lässt sich auch gut mit dem Rennrad fahren (Stand: 8. Mai 2021).

Los geht es – ökologisch korrekt und klimaneutral – an meiner Haustür in Koblenz-Metternich. Das Arbeitsgerät der Wahl ist meine Allround-Rennmaschine mit der leichtgängigen 2 x 9 (56/38 x 48-12) Übersetzung, die einen alten Mann nicht überfordert und immer noch viel Fahrspaß bietet – auch ohne elektrische Unterstützung. Entlang des IKEA-Kreisels und des Globus-Warenhauses erreiche ich die Unterführung unter der B 9. Ab hier kann man den abgetrennten und markierten Radweg benutzen, der eine ganze Weile lang neben der Landstraße parallel zur B 9 Richtung Nordwesten verläuft. Vor Weißenthurm endet der Radweg und ich verfolge weiter geradeaus die Hauptstraße, bis ich an die nicht zu übersehende Raiffeisenbrücke mit dem markanten Pylon komme.

Die Raiffeisenbrücke zwischen Weißenthurm und Neuwied

Ohne Probleme geht es über breite Rampen und abgetrenntem Radweg über die Brücke. Am orografisch rechten Rheinufer geht es jetzt flussaufwärts. Nach einer kurzen Strecke versperrt der Neuwieder Yachthafen nebst Stadtwerken und Feuerwehr den Uferweg, diese Anlagen müssen in einem großen Bogen auf ausgewiesenem Radweg umfahren werden. Der Weiterweg verläuft durch das Engerser Feld und dann wieder am Rheinufer entlang. Hier gilt es drei Kilometer lang auf einer fein geschotterten Piste behutsam zu steuern, um die schmalen Pneus zu schonen. Alsbald gerät die gewaltige Eisengitterkonstruktion der Urmitzer Eisenbahnbrücke ins Visier, die mit einem kleinen Schlenker auf enger und steiler Asphaltpiste erklommen wird.

Die Urmitzer Eisenbahnbrücke

Der Rad- und Fußgängerweg entlang der Bahngleise ist mit Holzbohlen belegt und sehr schmal: zwei Fahrräder kommen gerade so aneinander vorbei. Hier muss man vorsichtig und langsam fahren (eigentlich ist Absteigen und Schieben vorgeschrieben), vor allem bei Gegenverkehr. Am Ende der Brückenabfahrt geht es nun linkshaltend zur Rheinuferstraße, die am Ortsrand von Kaltenengers und St. Sebastian bis zur Bendorfer Autobahnbrücke führt.

Die Bendorfer Autobahnbrücke

Immer der Radweg-Ausschilderung Richtung Bendorf folgend überquere ich zum dritten Mal den Rheinstrom. Am Ende der Brücke muss das Rad über eine flache Treppe hinabgeschoben oder –getragen werden, was aber dank Rollspur auch für schwere Räder kein Problem ist. Dann geht es linkshaltend – wieder flussaufwärts – via Eisenbahnstraße auf den neuen Radweg entlang der B 42. Bald ist Vallendar erreicht, wo auf einer kurzen Strecke die stark befahrene Autostraße (oder der Gehweg nebenan) benutzt werden muss. Hier ist dringend eine Verbesserung für Radfahrer erforderlich! An der Bahnunterführung Richtung Niederwerth kann die B 42 aber wieder verlassen werden und es geht stressfrei auf dem ausgeschilderten Rad- und Gehweg immer am Wasser entlang bis nach Koblenz. In Ehrenbreitstein biege ich ab auf die Pfaffendorfer Brücke und überquere oberstromseitig zum vierten und letzten Mal den Rhein.

Die Pfaffendorfer Brücke in Koblenz

Vorsichtig rolle ich durch die Rheinanlagen voller Menschen flussabwärts und biege am Deutschen Eck linkerhand ab ins Mosel-Tal. Am Peter-Altmeier-Ufer passiere ich Alte Burg, Balduinbrücke und Eisenbahnbrücke, bis ich über die Straße „Am Saarplatz“ auf die Europabrücke der B 9 hinauffahre.

Die Europabrücke in Koblenz

Auf dem unterstromseitigen Radweg überquere ich die Mosel und biege in die Mayener Straße (B 416) ein. Der von der Stadt Koblenz versprochene Radschutzstreifen lässt hier noch auf sich warten, leider. Nach wenigen hundert Metern gibt es wieder ein Radweg entlang der Trierer Straße, der – nach einer erneuten kurzen Unterbrechung – an der Koblenzer Uni vorbei zurück ans Moselufer und zur Kurt-Schumacher-Brücke leitet. Diese wird mühelos auf breitem Radweg überquert.

Die Kurt-Schumacher-Brücke in Koblenz

Auf der jenseitigen Moselseite geht es im Stadtteil Moselweiß direkt wieder ans Flussufer. Hier kann man entweder den (schlechten) Fußweg am Wasser befahren, den offiziellen Radweg gegenüber (mit vielen Straßenquerungen) oder auch gleich die gut ausgebaute (aber verkehrsreiche) Bundesstraße. Ich nehme die Autostraße, mit dem Rennrad sind der holprige Spazierweg und der umständliche Radweg keine brauchbaren Alternativen. Ab dem Ortsende von Moselweiß verläuft entlang der Moseluferstraße (B 49) flussaufwärts ein breiter Seitenstreifen, der mich in flotter Fahrt über Lay und Dieblich bis zur Moselgold-Brücke bei Kobern-Gondorf bringt.

Die Moselgoldbrücke bei Kobern-Gondorf

Hier überquere ich zum letzten Mal die Mosel und habe damit auch die letzte der „Sieben Brücken“ abgehakt. Das restliche Stück der Rundfahrt verläuft auf dem als Radweg markierten Seitenstreifen der B 416 durch das landschaftlich reizvolle Tal der Terrassenmosel über Winningen und Güls zurück nach Koblenz-Metternich, dem Ausgangspunkt der Tour.

Bei der vorgestellten Brücken-Runde über Rhein und Mosel kann man im Wortsinne „erfahren“, wie bedeutsam die großen Flusstäler als Hauptverkehrsachsen schon immer waren und es heute noch sind. Ebenso wichtig sind die Brücken, ohne die unsere heutige Mobilität so nicht möglich wäre. Die dichte Verkehrserschließung der Täler (wie auch der umgebenden Mittelgebirge) bietet damit auch dem Biker viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Touren und Varianten, wobei freilich an ebenso vielen Stellen noch erheblicher und dringender Bedarf für verkehrliche Verbesserungen und mehr Sicherheit besteht – auch und vor allem für uns Fahrradfahrer.

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Kategorie: Albatros, Allgemein, Klettergruppe, Klettergruppe Albatros, Sonstige Touren

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