Überschreitung der Fünffingerspitze ( 2.996m )

| 21. Oktober 2010

„Das Dreigestirn über dem Sellajoch – Grohmannspitze, Fünffingerspitze und Langkofel – zählt zu den markantesten Felsmassiven der Dolomiten…Als große, klassische Dolomitentour gilt die Überschreitung der Fünffingerspitze, egal, in welcher Richtung…“ schreibt Walter Pause in seinem Kletterführer.
Beginnt man die Überschreitung über den Südwestgrat, ist neben einigen delikaten Kletterstellen schließlich unter dem flachen Gipfeldach der schwierige Schusterriss zu meistern und der Abstieg erfolgt über den Daumenballen, der Daumen wird dadurch ausgelassen.

Gerade die Seillängen über die ausgesetzte Nordkante des Daumens auf dessen Gipfel sind aber besonders reizvoll und so begannen Friedhelm und ich die Tour aus der Langkofelscharte heraus.Am Nachmittag des Vortages stiegen wir etwa eine Stunde vom Sellajoch zur Demetz-Hütte ( 2685m ) in der Langkofelscharte auf. Diese kann man auch per Seilbahn erreichen, so dass die Daumenkante, die schnell erreichbar ist und durch zahlreiche Sanduhren und einige geschlagenen Haken relativ gut abzusichern ist, zur Modetour avanciert. Über den Daumenballen kann dann wieder zur Hütte abgeseilt werden und der Nachmittag kann bei Kaffee und Kuchen auf der Hüttenterrasse ausklingen…

Am nächsten Morgen starteten wir bei Sonnenaufgang, der blaue Himmel über uns und ein Wolkenmeer im Tal…Über 22 Seillängen und 600 Klettermeter bis zum IV. Grad lagen vor uns. Wir kletterten in traumhafter Kulisse zunächst die ersten 8 SL in herrlich festem Fels auf den exponierten Daumengipfel, von dem dann ersteinmal wieder in die Daumenscharte abgeseilt wurde. Von dort ging`s über die Steilwand der Daumenscharten-Führe empor, bis uns die Route durch ein Felsenfenster zum Gipfelplateau führte.Der Fels zeigte sich jetzt auch schon von einer anderen Seite – splittrig, brüchig und nur sehr schlecht abzusichern – so dass das Gelände zwar leichter, aber nicht weniger anspruchsvoll wurde.

Nach 60 m im II. Schwierigkeitsgrad seilten wir über den Schusterriss ab, der nicht wirklich sympathisch wirkte, sollte man ihn von der Gegenrichtung her hinaufklettern müssen.Eigentlich sollte der Ringfinger nun westseitig gequert werden, aber es war nicht ersichtlich, auf welcher Höhe der Einstieg in diese Querung liegen sollte. Aufgrund des brüchigen Gesteins wirkte der Aufstieg zum Gipfel des Ringfingers einladender als in dem ausgesetzten Gelände die richtige Stelle zur Querung zu suchen. Hinzu kam, dass wir vom Gipfel des Mittelfingers eine Abseilstelle auf dem höchsten Punkt des Ringfingers gesehen hatten.Es war wahrscheinlich nicht wirklich leichter, absichern konnte man auch nichts, aber wenigstens war der Weg vorgegeben – immer nach oben …Von der Abseilstelle ging`s dann hinab in die Kleinfingerscharte.

Der Kleinfinger wird ostseitig über eine Platte gequert bis man schließlich das westseitig gestufte Gelände erreicht. Hier hat man nun wieder einen tollen Blick auf die beeindruckenden Türme und Schluchten im „Inneren“ des Langkofelmassivs. Im IIer Gelände wird nun abgeklettert, bis man die wenig einladende Abseilstelle in die tiefe, dunkle, durch Nebelschwaden etwas unheimlich wirkende Fünffingerscharte erreicht.Auch wenn eine aussichtsreiche und abwechslungsreiche Tour hinter uns lag – wie schön, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.Zurück ging`s dann gemütlich zum Sellajochhaus, wo wir uns nach 13 Stunden konzentrierter Kletterei und Abseilerei Schnitzel mit Pommes und ein kühles Radler schmecken ließen.

Heike Schuster-Hulley

Kategorie: Hochtourengruppe

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