Tief im Westen – Eine Rad-Runde an Saar und Mosel

| 29. März 2020 | Keine Kommentare

von Peter May, Koblenz

Im äußersten Südwesten von Rheinland-Pfalz liegt im Zwickel zwischen Saar und Mosel der Saargau – ein flachwelliges, rund 400 Meter hohes Plateau aus Luxemburger Sandstein, in welches die beiden großen Flüsse und verschiedene Bäche tiefe Täler eingeschnitten haben. Das Gebiet war ein weißer Fleck auf meiner Tourenkarte, den es zu tilgen galt. Dies insbesondere auch deshalb, weil es an der unteren Saar einige landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten gibt, die schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste standen. Die Attraktionen an der Saar ließen sich mit einer Durchquerung des Saargaus auf ruhigen Landstraßen und einer entspannten Rückfahrt auf dem Mosel-Radweg sinnvoll zu einer großzügigen Rundfahrt verbinden. Für den sportlichen Anspruch war mit einer Strecke von 92 Kilometern und einer Höhendifferenz von 1.100 Metern in drei knackigen Anstiegen ausreichend gesorgt.

Ende Juli 2019 starte ich bei herrlichem Wetter morgens um neun Uhr am Zusammenfluss von Saar und Mosel in Konzerbrück, wo ich mein Auto auf einem Parkplatz direkt am Saar-Radweg abstellen kann. Mit meinem Allround-Rennrad fahre ich auf dem Radweg am linken Saar-Ufer flussaufwärts. In gemütlichem Bummeltempo erreiche ich nach zwölf Kilometern mein erstes Zwischenziel, die Stadt Saarburg. Hier schaue ich mir den Wasserfall der Leuk an, die mitten im alten Stadtkern über eine Steilstufe stürzt und unterhalb der Kaskade mehrere Mühlräder antreibt. Zusammen mit den alten Fachwerkhäusern und der Burg oberhalb des Städtchens ergibt sich ein durchaus idyllisches Bild.

Leuk-Fall in Saarburg

Weiter geht´s. Nur wenige Kilometer flussaufwärts verlasse ich den Radweg Richtung Kastel-Staadt, das hoch über der Saar auf einer Felsklippe liegt. Der Anstieg, zwar nur 200 Meter hoch, erweist sich aber als unerwartet steil und kraftraubend. Dementsprechend groß ist die Enttäuschung, als ich oben feststellen muss, dass die romantische Klause, eigentliches Ziel des Umwegs, heute für Besichtigungen geschlossen ist. Schade. Zudem habe ich mir gleich am ersten Berg die Beine zugefahren, wovon ich mich den ganzen Tag nicht mehr richtig erhole. Gleich, ob es an der starken Steigung, der zu großen Übersetzung, meinem fortgeschrittenen Alter oder dem dürftigen Trainingszustand gelegen hat: das Resultat ist jedenfalls ernüchternd und ich muss ich mir für künftige Touren etwas überlegen, um solche Negativ-Erlebnisse tunlichst zu vermeiden (wobei ein E-Bike – noch – keine denkbare Alternative ist). Also wieder zurück ins Tal. Nach einem Schlenker über Freudenburg und Taben-Rodt überquere ich die Saar, da es nur auf dem rechten (östlichen) Saar-Ufer einen asphaltierten Radweg gibt; auf der linken Seite ist der Uferweg geschottert und ich will hier keinen Reifenschaden riskieren. Das Tal der Saar ist jetzt felsig und tief eingekerbt, die Landschaft hat schon einen besonderen Reiz.

Die Saar bei Taben-Rodt

Flott geht es entlang der B 51 flussaufwärts über die Grenze ins Saarland und nach 40 Kilometern ist Mettlach erreicht. Hier ist mein Ziel die berühmte Saarschleife, die ich mir von oben anschauen will. Also wieder über die Saar und dann steil hinauf auf der stark befahrenen Landstraße nach Orscholz. Am Aussichtspunkt Cloef genieße ich den tollen Talblick auf die spektakulär gewundene Saar.

Saarschleife bei Mettlach

Den überlaufenen Baumwipfelpfad lasse ich links liegen. Der Aufstieg hat sich auch so gelohnt. Weil es inzwischen Mittag ist und ich die aufgebrauchten Energiereserven auffüllen will, genehmige ich mir am Kiosk ein Radler und eine Salzbrezel. Nach der kurzen Pause geht es jetzt quer über die Hochfläche des Saargaus Richtung Mosel. Die heitere Landschaft liegt im hellen Sommerlicht und die Bauern sind allerorts damit beschäftigt, die Getreideernte einzufahren. Es macht Laune, die Natur und das schöne Wetter zu genießen. Die Wegfindung über kleine Dörfer und verwinkelte Landstraßen ist nicht immer einfach, aber die Radwanderkarte und ab und zu ein kundiger Passant helfen immer weiter. Hinter Freudenburg geht es noch mal steil hinab ins Tal der Leuk, was zwangsläufig einen weiteren kräftezehrenden Aufstieg auf der Gegenseite zur Folge hat. Dörfer, deren Namen ich noch nie gehört habe, markieren den Weiterweg: Kollesleuken, Kirf, Dittlingen, Merzkirchen, Bilzingen, Fisch, Obersöst. Die Sonne drückt, ich muss mich wirklich quälen. Das kupierte Gelände saugt mir die letzten Körner aus dem Körper und in den Oberschenkeln machen sich erste Anzeichen von Muskelkrämpfen bemerkbar. Schließlich mache ich auf einer schattigen Bank auf der Höhe am Helenenkreuz Halt für eine Ess- und Trinkpause und vertilge meinen letzten Energieriegel. Das hilft. Die Aussicht in die grenzenlose Weite ist fantastisch, auch wenn der Himmel sich mittlerweile bewölkt hat.

Im Saargau bei Bilzingen

Bei Fisch biege ich von der Höhenstraße, die auf der Trasse einer alten Römerstraße verläuft, nach links ab. Die Straße führt jetzt steil hinab ins Mosel-Tal. Nach wenigen Minuten rasanter Abfahrt erreiche ich nach 70 Kilometern Nittel und die Moseluferstraße. Jetzt heißt es: Durchziehen, die letzten 20 Kilometer sind flach! Auf dem gut ausgebauten und beschilderten Moselradweg geht es über Wellen, Temmels, Oberbillig und Wasserliesch zurück zur Saar-Mündung in Konz. Das Ziel vor Augen und mit spürbarem Rückenwind komme ich überraschend leicht und schnell voran. Nach 6 Stunden und 20 Minuten erreiche ich am frühen Nachmittag das Auto und mache mich hoch zufrieden auf den Heimweg nach Koblenz.

Wenn ich ein Fazit der Tour ziehen soll, dann verbuche ich auf der Haben-Seite die schöne Landschaft mit ihren natürlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten, auf der Soll-Seite aber die ungewohnte Mühe beim Pedalieren und die verpasste Gelegenheit in Kastel-Staadt. Letztere ist ein guter Grund, wieder zu kommen. Neben der Klause gibt es noch den bestimmt lohnenswerten Kasteler Felsenpfad zu erkunden. Dann aber mit Auto und zu Fuß!

Kategorie: Allgemein, Klettergruppe Albatros

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