Stellihorn – einsame Hochtour im Saastal

| 1. Februar 2021 | Keine Kommentare

Direkt nach dem Abzweig ins Saastal sieht man im Talschluss auf die vergletscherte Nordflanke des Stellihorns (3436m)- einsamer stolzer Gipfel, keine Hütten, keine Bergbahn, wenig bekannt- genau das suchten wir in diesem besonderen Sommer 2020…und wir fanden eine abwechslungsreiche Hochtour mit eindrücklichen wunderschönen Erlebnissen…

In diesem gewitterreichen August standen uns zweieinhalb stabile Tage zur Verfügung und so folgten wir nachmittags zunächst dem waagerecht verlaufenden Weg über die Staumauer und entlang des Ostufers des Mattmark-Stausees (2197m), bis wir die  Abzweigung Richtung Ofentalpass erreichten…diesen Weg sollte man auf einer Höhe von etwa 2330m nach NE entlang eines kleinen Pfades Richtung Stellihorn verlassen, doch die alten Führerangaben stimmten nicht mehr so ganz im Zustieg und der Abzweig Richtung Stellihorn endete genussfrei im weglosen Steilgelände, bis wir auf den eigentlichen, viel weiter oben abgezweigten Pfad stießen…nun ging es aussichtsreich Richtung Wysstal weiter, bis wir von weit oberhalb endlich den weit unter uns liegenden Biwakplatz abseits der Aufstiegsroute entdeckten…

…so kletterten wir auf und ab über ausgedehntes Blockgelände mit unzähligen gespannten Spinnennetzen und ihren Bewohnern bis wir schließlich den traumhaft gelegenen Biwakplatz am P.2719m mit grandiosem Blick auf die uns gegenüberliegenden Viertausender des Wallis im Sonnenuntergang erreichten…

…und diese Kulisse bei Mondenschein mit sternenklarem Himmel oder tiefem Rot bei Sonnenaufgang, sowie lilablauem Hintergrund im Sonnenuntergang prägte sich in unser Gedächtnis ein…warum hatten wir die Flasche Wein nicht doch noch mitgenommen?…

Einsam begann unser Aufstieg am nächsten Morgen, den man ohne die Steinmänner in diesem Platten- und Blockwirrwarr kaum gefunden hätte bis zum Gletscherbeginn…nicht ganz einsam, denn wir dienten einer Steinbockfamilie offenbar als eine amüsante Abwechslung im Steinbockalltag…man hatte uns im Blick und verließen wir die vorgegebene Richtung lugten zwei Hörner hinter einem Fels hervor und leiteten uns wieder zurück auf den rechten Weg…

Der Anstieg über den Nollengletscher steilt zur Gipfelflanke ordentlich auf und hier wurde es dann auch nochmal unangenehm, vom Anstieg über den brüchigen NW-Grat wurde im Führer abgeraten, also mussten wir einen Weg durch die Flanke auf den NO- Grat suchen. Hier fanden wir zunächst nur abschüssige Platten und loses Gestein, mit einem darunterliegenden Steilabbruch keine Option…ein weiterer Versuch führte ein kurzes Stück steil über die Eiswand um einen kleinen Felsaufschwung herum und siehe da…da war sie, eine Trittspur durch die Flanke, die uns schließlich erstaunlich einfach auf den NO-Grat führte, wo es über leichtes Blockgelände zum Gipfel mit seinem schönen Gipfelkreuz ging…vom Panorama ganz zu schweigen…

In Begleitung unserer tierischen Freunde führte uns der Weg zurück zu unserem Biwakplatz, wo eine Dusche an einem kleinen Wasserfall auf uns wartete…ob die Steinböcke diskret weggeschaut haben…wir hoffen es…

Wir gönnten uns noch eine Nacht an diesem wundervollen Platz und genossen unser Dasein…auch mit Kräutertee…

Heike Schuster-Hulley & Friedhelm Hulley

 

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Kategorie: Aktuell, Allgemein, Gruppen, Hochtourengruppe

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