Start um 2 Uhr bei minus 20 Grad

| 10. Juli 2001

Peru-Expedition-2

Norbert Dötsch aus Mülheim-Kärlich bestieg zusammen mit 4 weiteren Mitgliedern des Koblenzer Alpenvereins den 6.768m hohen Andengipfel Huascaran
Zu zehnt brachen sie auf, die Hälfte davon schaffte den Erfolg. Fünf Bergsteiger der von Norbert Dötsch geleiteten Hochtourengruppe des Koblenzer Alpenvereins standen am 8. Juli 2001 um 13:00 Uhr (Ortszeit) auf dem höchsten Berg Perus, dem 6768 Meter hohen Huascaran. Dies war für ihn (42), Wolfgang Krahmer (42) aus Koblenz, Thomas Brog (40) aus Heimbach-Weis, Rolf Müller (51) aus Nickenich und Heribert Müller- Leyh (58) aus Koblenz ein neuer Höhenrekord.
Die Bergwelt der Anden lockte die acht Männer und zwei Frauen der Hochtourengruppe (HTG) nach Peru. Nachdem Norbert Dötsch schon 1995 in Afrika und 1997 in Nepal auf hohen Bergen unterwegs war, wurde in diesem Sommer nach zweijähriger Vorbereitungsphase die Idee in die Tat umgesetzt, den höchsten Berg der peruanischen Anden zu besteigen. Zum harten Trainingsprogramm gehörten mehrtägige Winterwanderungen mit schwerem Gepäck, Übernachtung bei Minusgraden und Schneelage im Zelt sowie das Bergen von Verletzten aus Gletscherspalten in den Alpen.

Am 14. Juni war es dann soweit: mit 500 kg Gepäck (Zelte, Schlafsäcke, Seile, Eisausrüstung etc.) hob das Team ab. Über Madrid ging es nach Lima, der Hauptstadt Perus, und nach einer kurzen Nacht weiter nach Cusco. Nach zwei Akklimatisationstagen mit Besichtigungen von alten Inka-Ruinen startete die Gruppe dann beim so genannten KM 82 den Inkatrail. In vier Tagen wurden mehrere Pässe bis zu 4200 Meter überschritten, bis man dann die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte 500 Jahre alte Inka-Stadt Machu Picchu erreichte. Ein einzigartiger Blick tat sich den Koblenzer Alpinisten auf, als sie durch das Sonnentor schritten.

Nach der Rückkehr in Lima ging es dann in achtstündiger Fahrt mit dem Bus nach Huaraz, dem Zermatt Perus. Nun folgte eine Akklimatisationswoche im Ishincatal. Vom auf 4.400 Meter gelegenen Basislager wurden hier der Nevada Urus (5.420 Meter) und der Nevado-Ishinca (5.530 Meter, Bild rechts) bestiegen. Die Besteigung des Nevada Tocclarachu (6.030 Meter) wurde nach einer Sturmnacht auf 5.300 Meter im Hochlager abgebrochen. Hier kam es beim Abstieg zu einem Sturz von Klaus Dillenberger (46) aus Nochern, wobei er sich den rechten Arm am Schultergelenk auskugelte. Dank Heike Schuster, einer 31-jährigen Ärztin aus Neuwied, konnte der Arm im Basislager wieder eingerenkt werden. Wieder zurück in Huaraz, war die Tour nun für Dillenberger und seine Frau Vera (39), die verständlicherweise bei ihrem Mann blieb, zu Ende.

15 Esel, zwei Köche und zwei Hochträger begleiteten die DAV-Gruppe jetzt von Musho (3.000 Meter) aus zum Basislager des Huascaran auf 4.300 Meter. Hier mussten nun die Ärztin und Friedhelm Hulley (37) aus Ochtendung wegen Magen- und Darmproblemen zurückbleiben. Zu sechst stiegen sie nun zum 1. Hochlager, das auf einem Gletscherplateau in 5200 Meter liegt, auf.

Nach einer kalten Nacht kam jetzt der gefährlichste Abschnitt des Aufstieges. Durch einen bis zu 45 Grad steilen Eisbruch mit vielen Spalten ging es zum 2. Hochlager in 5.900 Meter Höhe.

Am vierten Tag hieß es dann um 2 Uhr früh: Aufstehen bei minus 20 Grad, Gletscherausrüstung anziehen und Schnee schmelzen. Um der Höhenkrankheit vorzubeugen, ist auf diesen Höhen viel Trinken lebensnotwendig. Um 3:30 Uhr stampfte das Team dann bei 20 cm Neuschnee gen Gipfel. Beeindruckt durch die extreme Kälte, die harte Spurarbeit im Schnee und die technischen Schwierigkeiten verließ hier Guido Kaspari (33) aus Brohl-Lützing der Mut. Nach 30 Minuten kehrte er zum Lager zurück. Nach neuneinhalb Stunden standen dann die verbliebenen fünf Alpinisten überglücklich auf dem Dach Perus.

20 Minuten später begann dann der Abstieg. Bis zu 50 Grad steile Blankeispassagen wurden mit Eisschrauben abgesichert. Nach einer weiteren Nacht im Lager 2 stiegen sie dann alle zum Basislager ab. Pünktlich kamen am anderen Morgen die Esel zum Abtransport der vielen Ausrüstung zurück nach Musho.

Kategorie: Hochtourengruppe

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