Start um 2 Uhr bei minus 20 Grad

| 9. August 2001 | Keine Kommentare

Fünf Mitglieder des Koblenzer Alpenvereins bezwingen den Andengipfel Huascaran und stellen Höhenrekord für Sektion auf

Zu zehnt brachen sie auf, die Hälfte davon schaffte den Erfolg. Fünf Bergsteiger des Koblenzer Alpenvereins standen am 8. Juli, um 13 Uhr (Ortszeit), auf dem höchsten Berg Perus, dem 6.768 Meter hohen Huascaran. Damit halten Norbert Dötsch (42), Wolfgang Krahmer (42), Thomas Brog (40), Rolf Müller (51) und Heribert Müller-Leyh (58) den DAV-Sektionsrekord – keiner war bisher höher.

Von Axel Müller

KOBLENZ. Die Bergwelt der Anden lockte acht Männer und zwei Frauen des Deutschen Alpenvereins, Sektion Koblenz. Was zunächst nur eine fixe Idee war, wurde nach zweijähriger Vorbereitungs- und Trainingsphase in diesem Sommer in die Tat umgesetzt. Während einer fünfwöchigen Tour nach Südamerika wollten die Alpinisten vier Gipfel Perus erobern – zwei Fünf- und zwei Sechstausender.

Für Norbert Dötsch (42) und Friedhelm Hulley (36), die beiden Leiter der DAV-Hochtourengruppe, war es schon seit Langem ein Herzenswunsch, in den Anden zu kraxeln. Schnell fanden sie acht weitere Interessenten, und ein hartes Trainingsprogramm wurde zusammengestellt. Mehrtägige Wanderungen mit schwerem Gepäck, Biwakieren im Schnee und Spaltenrettung am Kletterfelsen nahe der vereinseigenen Eifeler Teufelsley-Hütte sind nur drei Beispiele aus den umfangreichen Vorbereitungen.

Am 14. Juni war es dann soweit: Mit 500 Kilogramm Gepäck (Zelte, Schlafsäcke, Seile, Eisausrüstung, etc.) hob das Team ab. Über Madrid ging es nach Lima, der Hauptstadt Perus und noch am selben Tag weiter nach Cusco zum sogenannten Inka-Trail. Vor 500 Jahren angelegt, führt der 53 Kilometer lange Weg über mehrere Pässe bis zu einer Höhe von 4.200 Meter. „Ideal zum Akklimatisieren und um ein wenig Kultur zu erleben“, so Norbert Dötsch. Kultur, das heißt Machu Picchu, die gewaltige Festungsanlage der Inkas inmitten der Anden. 1911 entdeckt, wurde sie mittlerweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Friedhelm Hulley: „Ein Höhepunkt unserer Reise!“

Zurück in Lima bekamen die Koblenzer Expeditions~teilnehmer die Ausläufer eines schweren Erdbebens zu spüren. Was bei den Angehörigen in Deutschland, ob der Katastrophenbilder im Fernsehen, Angst und Sorge verbreitete, hatte die Bergfreunde vor Ort kaum berührt. Mit dem Bus bewältigten sie die achtstündige Fahrt ins 3.100 Meter hoch gelegene Huaraz, dem Zermatt Perus. Die nächsten Gipfelziele: Nevada Uros (5.420 Meter), Nevada Ishinca (5.530 Meter) und Tocclarachu (6.023 Meter).

Bevor jedoch die größte Herausforderung, der Huascaran, anstand, hatte sich die Zehner-Truppe bereits reduziert. Klaus Dillenberger (47) hatte sind bei einem Sturz den Arm ausgekugelt und musste für den letzten Sechstausender passen. Seine Ehefrau Vera (39) blieb ebenso wie die Teamärztin Heike Schuster (33) mit zurück. Friedhelm Hulley ereilte Montezumas Rache, und Guido Kaspari (33) wurde zu Beginn des Aufstiegs zur Umkehr gezwungen, weil er einen Handschuh verlor.

15 Esel, zwei Köche und zwei Träger begleiteten die DAV-Gruppe bis zum Basislager auf 4.200 Meter Höhe, danach waren die Alpinisten auf sich selbst gestellt. Hochlager 1 (5.200 Meter) erreichte man am zweiten, Hochlager 2 (5.900 Meter) am dritten Tag. Tag vier begann um 2 Uhr früh: Anziehen bei minus 20 Grad. „Eine Tortur“, stöhnt Dötsch. Um 3.30 Uhr stapft das Team gen Gipfel. Wolken ziehen auf. Es schneit. Nach neuneinhalb Stunden ist es trotz allem vollbracht, der Huascaran bezwungen. Am 8. Juli 2001, 13 Uhr, stehen fünf Koblenzer Bergfexe auf dem 6.768-Meter-Gipfel – angestrengt, aber stolz. „Patcha Mama“ (Mutter Erde) opfert man einen Schluck Wasser, bevor nach 20 Minuten der Abstieg beginnt.

Rhein-Zeitung vom 9.8.2001

Kategorie: Presse

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