Sechs mal quer durchs Elzbachtal

| 25. Juli 2021 | Keine Kommentare

Von Peter May, Koblenz

 

Um mit dem Rad ordentlich viele Höhenmeter zu sammeln, muss man nicht unbedingt auf einen hohen Berg hinauf fahren. Genauso gut kann man auch in ein tiefes Tal hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf fahren. Das Ergebnis, die Anstrengung für Herz, Lunge und Beine, ist jedenfalls dasselbe. Wenn man das gleich mehrere Male hintereinander macht, kommen auch in einem eher flachen Mittelgebirge wie der Eifel schnell über tausend Höhenmeter zusammen. Das einzige, das im Gegensatz zu einer richtigen Berg-Radeltour vielleicht fehlt, ist die Aussicht vom Gipfel.

 

Nach diversen Wanderungen im landschaftlich schönen Elzbachtal, das tief in die flach gewellte Osteifel eingekerbt ist, entstand die Idee, das Tal mal mit dem Rennrad zu durchfahren. Damit die Tour sich lohnt, sollte das Elztal nicht nur einmal durchquert werden, sondern gleich sechs Mal, und zwar an jeweils sechs verschiedenen Stellen bzw. Brücken. Im Durchschnitt liegt der Talboden der Elz etwa 150 Meter, stellenweise aber auch über 200 Meter tiefer als die angrenzenden Anhöhen. Insgesamt sind so auf dem gewählten Kurs auf 60 Kilometern Strecke rund 1.300 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen. Das vielgezackte Höhenprofil der Route verrät die ständig wechselnden Auf- und Abstiege, die einem Profi von der Tour oder vom Giro freilich nur ein müdes Lächeln entlocken würden, die aber für einen Feierabend-Hobbyradler im fortgeschrittenen Alter durchaus eine sportliche Herausforderung sind – zumal der Strom nicht aus dem Akku kommt, sondern ausschließlich aus den eigenen Beinen.

Höhenprofil

 

Mitte Juni 2021 herrscht herrliches Frühsommerwetter und ich habe den Nachmittag für die lange geplante Radtour frei genommen. Spontan sagt mein langjähriger Berg- und Kletterfreund Peter zu, mit zu fahren und so treffen wir uns um halb zwei auf dem Autobahnparkplatz Kaifenheim. Es freut mich, dass wir die Tour zusammen angehen können, zumal mein Partner bereits am Vortag eine Radtour mit 900 Höhenmetern gemacht hat und heute eigentlich einen Ruhetag einlegen wollte. Peter, der noch ein paar Lenze mehr zählt als ich, ist aber durchtrainiert und wir ziehen das Ding bis zum Ende gemeinsam durch.

Peter M. und Peter R.

Zuerst fahren wir, immer mehr oder weniger bergab, nach Süden in Richtung Mosel. Kaifenheim, Roes und Möntenich werden passiert, bis wir zum ersten Mal den Elzbach überqueren. Mit 158 Meter Meereshöhe ist hier der niedrigste Punkt unserer Rundfahrt erreicht. In einem weiten Bogen geht es über Pillig wieder zurück ins Elzbachtal, das wir bei der malerischen Burg Pyrmont wieder in westlicher Richtung überqueren. Der folgende, zwei Kilometer lange Aufstieg nach Roes ist schon etwas steiler und liegt voll in der stechenden Mittagssonne. Dazu kein Windhauch. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen. In Roes geht es rechterhand direkt wieder steil hinab ins Elzbachtal. An der Brückenmühle wird der Bach zum dritten Mal überquert. Jetzt folgt das steilste und anstrengendste Stück der ganzen Runde. Nach Kollig hinauf ist ein Kilometer mit 15 % Steigung zu erklettern. Im kleinsten Gang quälen wir uns den Berg hinauf. Ein Mountainbike oder ein drittes, kleines Kettenblatt wäre hier ein Segen. Immerhin müssen wir nicht schieben, aber der knackige Anstieg hat uns „den Zahn gezogen“. Auf welche Schnapsidee haben wir uns da wohl eingelassen? Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es auf welligem Terrain über Kollig und Gering nach Kehrig, wo wir uns linkerhand erneut hinab ins Elzbachtal wenden. Auf einer schmalen Asphaltstraße geht es unter der Autobahn hindurch und in steilen Serpentinen hinab zur Kehriger Mühle. Die Elz wird zum vierten Mal überquert. Der folgende Aufstieg durch den schattigen Wald ist zum Glück vergleichsweise flach und gut zu fahren. Wir erreichen wieder den Ortsrand von Kaifenheim, wo wir zur Not hätten abbrechen können und schnell an den Autos gewesen wären. Obwohl wir beide schon ziemlich leere Beine haben, beschließen wir aber, auch noch das letzte Stück der geplanten Rundfahrt zu machen. Auf Wirtschaftswegen überqueren wir also erneut die Autobahn und erreichen über die Brohlbach-Senke bei Gamlen und die Höhe mit den vielen Windrädern den Ortsrand von Düngenheim. Vor dem Ort biegen wir aber gleich wieder ab auf die Landstraße, die uns rechterhand steil hinab zum Elzbach führt. Weil die L 52 hier breit und gut ausgebaut ist, überlassen wir uns der Schwerkraft und rasen die 10 % Gefälle in voller Fahrt herunter. Bei 70 Km/h habe ich genug Speed und bremse vorsichtig ab. Mein Radl mit den Felgenbremsen ist schließlich nicht mehr das allerneueste und nach der abschüssigen Geraden folgen enge Kurven. Ich staune nicht schlecht, als plötzlich Peter mit 80 Sachen an mir vorbeischießt. Hier kann er die Vorteile seiner Scheibenbremsen voll ausspielen und ans Limit gehen. Nach der berauschenden Abfahrt folgt hinter der Lohbrücke, der fünften Überquerung, unvermittelt die Ernüchterung in Form einer weiteren, langen, steilen und kräftezehrenden Auffahrt auf die Höhe nach Kehrig. Im Ort ist jetzt eine Ess- und Trinkpause an einem schattigen Platz fällig. Die inzwischen absolvierten Höhenmeter fordern ihren Tribut: Peters Füße und meine Knie schmerzen spürbar. Aber wir können hier keine Wurzeln schlagen, wir müssen weiter. Wir wenden uns nordwärts. Über kupiertes Gelände geht es jetzt auf asphaltierten Wirtschaftswegen zum Wüsterather Hof und auf die Conder Höhe. Hier erreichen wir wieder die Landstraße und biegen links ab nach Monreal, zum letzten Mal hinab ins Elzbachtal. Mittlerweile sind unsere Trinkflaschen auch leer und wir halten am Monrealer Friedhof an, um frisches, kühles Trinkwasser nachzutanken. Eine Wohltat! Nach einer kleinen Pause im Schatten machen wir uns an den letzten, langen Aufstieg: hinter Monreal geht es, jetzt südwärts, auf der vielfach gewundenen L 98 mäßig, aber anhaltend steil auf die Höhe. Auf den gefühlt endlosen fünf Kilometern bergauf müssen wir noch mal 200 Höhenmeter überwinden, bis wir an der Siedlung St. Martin nordwestlich von Düngenheim mit 520 Metern Meereshöhe den höchsten Punkt der heutigen Tour erreichen. Meine Erleichterung jauchze ich hinaus, weiß ich doch, dass es jetzt fast nur noch bergab geht. Über Düngenheim und die vorhin schon befahrene Strecke via Gamlen rollen wir vergnügt unserem Ziel- und Endpunkt entgegen. Um halb sechs sind wir wieder bei unseren Autos auf dem Mitfahrerparkplatz Kaifenheim, vier Stunden nach unserer Abfahrt heute Mittag. Abzüglich einer knappen halben Stunde Stehzeit und Pausen waren es dreieinhalb Stunden reine Fahrzeit, somit ein knapper 20er Schnitt. Gar nicht so schlecht für eine ausgeprägte Berg- und Talstrecke und unser Altherrenteam. Peters Garmin zeigt nicht nur 1.290 Höhenmeter und 60,4 Kilometer Entfernung an, sondern auch, dass wir zu wenig getrunken haben und jetzt zwei Tage Pause fällig sind! Ich selbst spüre auch ohne den Computer sehr deutlich, dass ich von der Anstrengung und der Hitze des Tages ziemlich dehydriert und fertig bin. Aber das ist ja auch völlig normal und nach ein paar Tagen, wenn sich der Körper wieder erholt hat, kann ich mich umso mehr über die gelungene Radtour freuen.

Ich gebe zu, der Plan, gleich sechs Mal nacheinander das tiefe Elzbachtal zu durchfahren, ist schon etwas crazy – und deshalb auch eher etwas für leicht masochistisch veranlagte Radverrückte, die auf kurzer Strecke viele Höhenmeter sammeln wollen. Das schöne Erlebnis, in einer naturnahen und abwechslungsreichen Landschaft unterwegs gewesen zu sein, gibt es übrigens völlig gratis dazu.

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