Schnee am Zinalrothorn

| 15. November 2007

Eine Besteigung des Zinalrothorn unter „winterlichen“ Bedingungen, im Schatten des Matterhorn.

Bergfahrt der HTG Juli 2007, Teilnehmer Friedhelm Hulley, Heike Schuster-Hulley, Heike und Frank Lippmann

Viel Schnee gab´s in diesem Sommer in den Alpen – ein schöner Anblick vom Tal aus, selbst das Matterhorn zeigte sich weiß bezuckert bis zur Hörnli-Hütte hinab. Doch für die Begehung „hoher Grate“ konnt`s ein bisschen zuviel „Weiß“ sein. Nun ja, die Planung stand, unser Ziel hieß Zinalrothorn und wir starteten mit der üblichen Einstellung „ schau`n mer mal, dann seh`n mer schon“.

Zur Rothornhütte (3.198m), Ausgangspunkt für die Besteigung des Zinalrothorns über den SO-Grat, wird üblicherweise gut akklimatisiert direkt von Zermatt 1.500 Hm aufgestiegen.

Da wir jedoch vormittags erst aus Koblenz eintrafen, nutzten wir das Berggasthaus Trift (2.337m) als Zwischenstation. So steigt man in 2h durch das im unteren Teil wilde, im oberen Teil bunt blühende Trifttal 630 Hm auf, immer mit Blick auf die weißglänzende Wellenkuppe, bis man das auf grünen Matten gelegene Gasthaus erreicht – Naturbadewanne im Triftbach inklusive.

Das Berggasthaus Trift ist Ausgangspunkt für zahlreiche schöne hochalpine Wanderungen mit einer für uns ganz neuen Blickrichtung auf die 4.000er des Wallis.

Gut erholt, nach u.a. einem leckeren hausgemachten Vollwert-Müsli mit Obst ging`s am nächsten Tag durch den Vieliboden, vorbei am Triftsee und schließlich über Moränenrücken zur Rothornhütte, die auf einem Ausläufer des Zinalrothorn SO-Grates liegt. Das Traumpanorama, das sich uns bei Traumwetter erschloß, war nur noch durch die spätere Aussicht vom Gipfel zu „toppen“ – wir genossen es bei Rösti mit Spiegelei von unserem Logenplatz aus.

„Verdammt schmal und aus festem Gneis ist dieser Berg und das macht ihn zu einem erregenden Ziel für Kletterbegeisterte“ heißt es im 4000er Führer von Richard Goedeke. Und „verdammt“ verschneit war er auch – der Grat, es herrschten winterliche Verhältnisse.

Nach Querung des Gletschers in nördlicher Richtung und Überwindung eines Bergschrundes quert man in entgegengesetzter Richtung einen steilen Eishang, bis man über loses Blockwerk den SO-Grat erreicht. Anfangs geht`s über einen Blockgrat , der zunehmend schmaler wird, bis man über Firn die Felsflanke erreicht. Gesichert querten wir diese bis wir das markante Couloir erreichten, das zur „Gabel“, einer Einschartung im SW-Grat führt. Hier brachte uns der Schnee Vorteile, denn wir konnten uns das Klettern über die linken Begrenzungsfelsen sparen. Die anschließende „Binerplatte“ (III°) war verschneit und vereist, die Kletterei war auch mit Steigeisen noch heikel, beruhigend waren allerdings die eingebrachten Bohrhaken.

Nach steilem Firnansteig erreicht man schließlich ein flaches Gratstück, der folgende Gendarm wird ausgesetzt links-westseitig gequert, bis man die Scharte vor dem Vorgipfel („Kanzel“) erreicht.

Jetzt kommt die Stelle, auf die wir neben der „Binerplatte“ besonders gespannt waren. Der Vorgipfel wird rechts laut Führer „hoch über der weltentief abbrechenden Ostwand“ gutgriffig auf einem schmalen Band gequert. Der Tiefblick zwischen den Füßen hindurch ist in der Tat beeindruckend, es blieb einem nahezu die ohnehin „dünne“ Luft weg.

Über eine Platte und ein kurzes Gratstück erreichten wir am 16. Juli 2007 schließlich nach 6 ¼ h um 10 Uhr den Gipfel.

Ein traumhafter Rundblick erwartete uns: das Weisshorn im Norden, Dent Blanche und Grand Cornier im Westen, im SW Obergabelhorn, im Süden Wellenkuppe und Matterhorn und östlich anschließend Breithorn, Liskamm und Monte Rosa, im Osten gegenüber Allalinhorn und Mischabelgruppe.

Der Abstieg konnte zwar durch mehrfaches Abseilen entschärft werden, dennoch musste über die Gratstücke und die Flanke konzentriert abgeklettert werden und auch der inzwischen aufgeweichte knietiefe Schnee machte den Abstieg alles andere als angenehm. Jedenfalls waren wir alle glücklich, als wir die Hütte wieder erreichten.

Trotz eines Pickelabsturzes in die Westwand (konnte geborgen werden), einem Seilverlust von 35m (hängt in der Nordwand hinter einer Felsschuppe verklemmt, konnte nicht geborgen werden), einer Rippenprellung von Frank (Knochenbruch konnte durch Röntgenaufnahme im Krankenhaus Visp ausgeschlossen werden) und einem Netzhauteinriß von Friedhelm (konnte in der Uniklinik Bern gelasert werden) war es eine gelungene Bergtour auf einen technisch abwechslungsreichen Gipfel mit traumhaftem Panorama.

P.S. Im Abstieg nach Zermatt sollte man sich eine kleine Rast im Berggasthof Trift gönnen, um die leckere Walliser Platte mit „Blick zurück“ und auch „nach vorne“ genießen zu können.

Heike Schuster-Hulley

Kategorie: Hochtourengruppe

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