Schluchtenwanderungen im Süden von Kreta September 2020

| 29. Dezember 2020 | Keine Kommentare

Werner, als erfahrener Kreta-Kenner hatte bereits 2019 eine Kreta-Wanderung geplant, aber erst am 5.9.2020 konnten wir mit ihm und Andrea, Christiane, Wolfram und Markus die Reise antreten. Glücklicherweise war die Tour trotz den Pandemie-Einschränkungen zu einem Zeitpunkt möglich, als ein Fenster mit geringen Einschränkung offen war. Von Düsseldorf flogen wir nach Chania und wurden dort von einem Taxi abgeholt, das uns in einer Stunde zur Omalos-Hochebene auf rd. 1.000 m brachte. Es war bereits dunkel, als wir im Hotel Neon Omalos ankamen und dort den ersten Abend genossen mit griechischen Speisen und Getränken. Zum Abschluss gab es Raki, der im Gegensatz zum griechischen Ouzo auf Kreta üblich ist, und oft mit etwas Obst oder süßem Kuchen serviert wird.

Am nächsten Tag wurden wir früh morgens zum Einstieg der Samariaschlucht gebracht. Von dort stiegen wir hinauf zur Kallergihütte auf 1.680 m. Der Weg hatte es in sich. Die Steine lagen recht lose auf dem Weg und direkt daneben gab es eine Vielzahl von stacheligen Gewächsen, ähnlich dem Kaktus „Schwiegermutterkissen“. Schuhe und Hosen wurden in den 1,5 Stunden des Aufstiegs arg belastet. Der Weg führte an einem rostigen, wackeligen Zaun entlang, der am Rande der Schlucht stand und Abstürze verhindern sollte. In der Kallergihütte waren wir die einzigen Gäste und hatten in zwei Viererzimmer genug Platz. Da der Tag noch jung war, wanderten wir auf steinigen Feldwegen zum Abzweig eines Pfades. Hier verabschiedete sich Christiane und die übrigen stiegen weiter auf den  Psari 1.817 m. BILD 1 Nach einer kurzen Pause ging es meist weglos über den Grad, vorbei am Mavri weiter in Richtung Melindaou. Der Weg ging ständig auf und ab und war anstrengend. Einen Abzweig in einem Joch nutzten Werner und Markus zur Rückkehr zur Hütte. Am Ende erklommen nur Andrea und Wolfram den Melindaou 2.133 m. Auf dem Weg kamen wir an vielen Schafen und Ziegen vorbei, die sich nur ungern erhoben, um uns durchzulassen oder ins steile Gelände auswichen. Ein Tier war nicht schnell genug und hing geschlachtet von einem wild aussehenden Kreter, der uns freundlich grüßte, an einem Baum. Den Nachmittag verbrachten wir gemeinsam in der Kallergihütte, die wunderschön auf einem Felsplateau liegt, von dem aus man traumhafte Blicke auf die kargen Weißen-Berge und tiefen Schluchten hat. Es hat auf Dauer nur der Wind gestört, der ohne Unterlass von allen Seiten kräftig wehte und vor dem nur das Innere der Hütte Schutz bot. Das Essen bei Wasser und Bier war gut, aber spartanisch. Abends sahen wir uns den Sternenhimmel an, der nirgends auf der gesamten Tour so gut zu sehen war.

Am Montag war eine ganztags Wanderung eingeplant. Zuerst mussten wir wieder zum Ausgangs­punkt der Samariaschlucht auf schmalen Bergpfaden zum Eingang der Samaria Schlucht absteigen, die wir gegen 10:30 Uhr erreichten. Hier war es mit der Einsamkeit vorbei. Busse brachten aus allen Herren Länder Wanderer, die alle durch die Samaria Schlucht wollten. BILD 2 Nach Ticketkauf und Wasser fassen ging es auf die 13,3 km lange Strecke. Es war schon warm und uns war klar, dass wir bei den eingezeichneten Wasserstellen, die oft an Picknickplätzen lagen, unsere Flaschen füllen mussten. Entlang des Weges gibt es viele Vorrichtungen zum Löschen von Feuer und immer wieder trifft man auf Ranger. Die Schlucht ist einmalig, traumhaft schön – einfach sehenswert. BILD 3   Wir ließen uns Zeit und machten viele Pausen. Natürlich auch an der mit ca. 3 m ausgewiesenen engs­ten Stelle. Bild 4 Um 16:00 Uhr passierten wir die Kontrolle am Ausgang und hatten auch alle unsere Tickets dabei, die wir noch mal vorzeigen mussten. Auf den letzten 2,7 km bis zu unserer neuen Unterkunft, dem Sweet Corner Masxali, legten wir noch eine Pause ein, die wir uns verdient hatten.

Nach der Ankunft im Hotel erfrischten wir uns im angenehm warmen Mittelmeer. Liegen und Sonnen­schirme standen am schwarzen Sandstrand für uns zur Verfügung. Wie meistens auf der gesamten Tour gab es gegen 20:00 Uhr das Abendessen. Mit Blick auf die Meeresbucht genossen wir den Abend mit vielen leckeren Speisen und griechischem Wein.

Werner und Andrea schlugen vor, die Wegstrecke des nächsten Tages mit einem Wassertaxi zu verkürzen. Eine prima Idee. BILD 5 Und so stiegen wir am nächsten Tag am Bootsanleger des Hotels in ein kleines Motorboot, das uns in wenigen Minuten an die Stelle brachte, an der Paulus auf seinen Missionsreisen gelandet sein soll und die Paulus-Kapelle mit schönen Ikonen steht. Die Schiffsreise ersparte uns 4,8 km, meist auf Sandwegen. Immer noch etwas geschafft vom Vortag stiegen wir im Schatten von Bäumen 800 m auf. Natürlich blieben wir immer wieder stehen, um einen Blick über das Meer zu werfen. Die letzten drei km mussten wir schattenlos durch die heiße Sonne laufen. Es fielen auch die vielen Bienenstöcken auf und es stellte sich die Frage „Wo finden die Bienen in dieser kargen Landschaft, ohne auffällige Blüten den Honig?“ Beim genaueren Betrachten der Landschaft bemerkten wir eine Vielzahl von reich blütigen, traubigen Blütenständen mit bis zu 40 Zentimeter Länge, die aus einer großen Zwiebel herauswachsen. Der Duft der Blühten erinnert an den typischen Geschmack des Honigs, der auf Kreta zu allen Mahlzeiten großzügig angeboten wird. Da war klar, welches im September die Hauptnahrung der Bienen ist. Im Ort Agios Ioannis konnten wir uns an frischen Feigen, die uns die Bäume über den Zaun anboten, laben, sehr lecker. Das Gästehaus Alonia zog uns nach der Ankunft direkt in seinen Bann. Es lag sehr malerisch am Ortsrand mit kleinen Appartement-Häusern. Hier wollten wir zwei Tage bleiben. Immer wieder wurde uns in schönen Flaschen Wasser auf den Tisch gestellt und wir aßen direkt unter einem Dach aus  Weinreben. Lediglich eine Unzahl von Wespen störte anfangs etwas die Stimmung. Aber wir gewöhnten uns schnell daran und niemand wurde gestochen. Zum Abendessen gab‘s Lamm, Gemüse und griechischen Bauern Salat.

Der nächste Tag war zur freien Verfügung. Wolfram nahm sich eine große Tour vor und startete gegen 6:30 Uhr bereits in die Weißen Berge in Richtung Pachnes, dem höchsten Berg in der Gegend. Die Bergpfade waren wunderschön, aber schwierig zu finden. Mit Hilfe des Tracks auf dem Handy wurde er immer auf den richtigen Weg geführt und fand dann auch zur Bestätigung vereinzelt Wegzeichen. Auf den Bergen wehte wieder ein starker Wind, der so heftig war, dass die Karte aus der Hosenseitentasche herausgeblasen wurde. Mit Blick auf den Pachnes und den davor liegenden, gut erkennbaren zahlreichen Sinkhöhlen (so genannte Dolinen)  wurde wieder der Rückweg angetreten über den Berg Zacharokefala 2.099 m. Es begegneten Wolfram 2 Hirten und ein weiterer Wanderer – die pure Einsamkeit. Zurück ging es teilweise auf gut ausgebauten Feldwegen über die Kormokopos Höhle und gegen 16:00 Uhr kam Wolfram vergnügt wieder zurück. Andrea und Werner machten einen kleineren Ausflug zum Aussichtspunkt Papakefala mit tollem Blick auf das Meer, Christiane und Markus kamen vom Gelände der Unterkunft nicht runter. Durch Reden und Wäsche waschen blieb keine Zeit mehr für andere Aktivitäten. Da Markus heute Geburtstag hatte, gab es extra bestellten Obst- und Schokoladen-kuchen. Wir ließen den schönen Tag mit gutem Essen und Raki ausklingen. BILD 6

Am nächsten Tag trennten wir uns mal wieder. Andrea, Werner und Wolfram wanderten auf wilden Bergpfaden mit Durchquerung der Aradena-Schlucht über den Ort Livaniana zur Marmara-Bucht. Nach Rast mit Baden ging es weiter auf schmalen Felsenpfaden, immer mit Blick aufs Meer zum Hotel. Christiane und Markus brachte ein Taxi über die Brücke der Aradena-Schlucht direkt zum Hotel nach Lykos. Hier trafen wir wieder alle zusammen. Der Eigentümer unserer Unterkunft Akrogiali wollte Deutsch lernen und sprach fleißig deutsch mit uns. Auch sein Gehilfe aus Syrien musste sich in unserer Sprache üben. Der Zugang zum Meer war etwas schwieriger, hielt uns aber nicht davon ab, ins Wasser zu gehen. Unter Bäumen mit tiefen Ästen saßen wir auf der Terrasse im Schatten, natürlich auf den klassischen griechischen blauen Stühlen, auf denen man es abgelenkt vom Blick auf das Meer nur länger aushält. Es gab wieder leckeres griechisches Essen und wer wollte konnte sich preiswerten Fisch in der Küche aussuchen. BILD 7

Am nächsten Tag war geplant hoch in die Berge nach Anopoli zu wandern. Werner und Christiane blieben zum Entspannen in Lykos und Andrea, Wolfram und Markus machten sich auf den Weg. Der Hotelbesitzer brachte uns mit seinem Boot zur Marmara-Bucht, dem Startpunkt unserer Tour durch die Aradena-Schlucht. Im Schatten der steilen Felswände liefen wir in die Schlucht hinein. Je weiter wir in Schlucht stiegen, um so deutlicher hörten wir das Klackern der Bohlen auf einer einspurigen Brücke, wenn diese von Fahrzeugen über die Schlucht befahren wurde. Im oberen Bereich kamen uns mehreren Gruppen entgegen, die von Einheimischen geführt wurden. Wir wählten den spektakulären Wege über zwei hohe Leitern und beobachteten die Wandergruppen, die über schmale, mit Holzzäunen “gesicherte“ Bergpfade die Engstelle passierten. Etwas oberhalb der Brücke stießen wir auf den Pfad, der zum Ort Aradena führt, der nach einer der letzten „großen“ Blutrache in den 1950iger Jahren entvölkert und verlassen worden war. Am Kiosk an der Brücke rasteten wir und genossen die atemberaubenden Blicke in die Schlucht. BILD 8 Die Brücke wurde von einem reichen Griechen gespendet, damit die Bevölkerung nicht weiterhin zu Fuß durch die Schlucht laufen musste. Weiter ging‘s zum Ort Anopoli, in dem wir im gleichnamigen Hotel und Restaurant gegen 14:00 Uhr ankamen und ein Dreierzimmer bezogen. Hierher verirren sich kaum Touristen. Die Tische draußen waren besetzt von einheimischen Männern, die nach getaner Arbeit freitags vorm Wochenende zusammensaßen. Viele vor dem Restaurant geparkte Pickups waren beladen mit Bienenkästen. Bis in den späten Abend fuhren laut hupend Pickups mit Bienenkästen vorbei, die von Gästen im Restaurant begrüßt wurden. Wolfram stieg nochmal kurz auf einen Berg, um auf einem Aussichtspunkt eine kleine Kirche zu besuchen und die untergehende Sonne im Meer zu beobachten. Mit Blick auf die hohen Weißen Berge zogen sich Andrea und Markus zum Gespräch hinter das Haus zurück. Wir stellten uns ein variantenreiches Abendessen mit griechischem Wein zusammen und genossen den Abend im Kreise der Einheimischen und wenigen Touristen.

Die Nacht war ruhig und am nächsten Tag genossen wir das Frühstück mit viel griechischem Jogurt und Honig. Anschließend gingen wir noch zu einer Bäckerei, von der ein verführerischer Duft ausging. Es gab dort aber keine frisch gebackenen Brote oder Brötchen, sondern nur Kekse und Trockengebäck, das uns reichlich zum Probieren angeboten wurde. Es war auch lecker, aber nicht das, was wir eigentlich erwartet hatten. Auf unserem Weg zurück zur Küste ging’s zuerst rauf auf eine Anhöhe bei der Kirche Agia Aikaterine, von der man einen traumhaften Blick zur Küste hatte. BILD 9  Nach ausgiebigen Rundblick gingen wir hinunter zum Ort Loutro. Auf halben Weg bog Wolfram ab und wanderte durch die kleine Anopolos-Schlucht nach Chora Sfakion. Andrea und Markus trafen in Loutro Christiane und Werner und fuhren mit der Fähre nach Chora Sfakion. Wolfram war schon da und wir nahmen einen kleinen Imbiss, bis unser Mietwagen, ein  Mercedes-Bus gebracht wurde. Werner fuhr uns zur letzten Unterkunft für diese Reise, das Studio Stavris bei Frangocastello direkt am Strand, etwas außerhalb des Ortes. BILD 10  Hier bezogen wir schöne Zimmer mit Meerblick und verbrachten drei Tage mit Wandern, Schwimmen, Faulenzen, Essen und Trinken. Abends gingen wir die nächsten Tage in ein deutsch-griechisches Restaurant, Andreas und Werners Stammlokal “Babis & Popi“.

Am nächsten Tag (Sonntag) fuhren wir mit Ausnahme von Wolfram in die Stadt Rethymon. Wir erkundeten den Ort, machten ein wenig Shopping und aßen sehr lecker in einer engen Gasse. BILD 11 Wolfram fuhr mit der Fähre von Chora Sfakion nach Agia Roumeli und wieder zurück. Er hat die Küstenlandschaft, an der wir entlanggewandert sind, diesmal vom Meer aus genossen und viele markante Punkte erkennen können.

Wer wollte, wanderte am Folgetag durch zwei weitere Schluchten. Zumindest war das der Plan. Christiane brachte uns im Mietwagen zur  Kapelle Agios Athanasios. Ab hier wanderten wir auf dem E4 durch die Kalikratisschlucht hoch BILD 12  und wir wollten die Ásfendouschlucht wieder runter gehen. Der in der Karte eingetragene Verbindungsweg war aber durch einen festen Zaun unüberwindbar versperrt. Nur Wolfram ließ sich davon nicht beirren und ging weiter am Zaun entlang auf der Suche nach einem Durchkommen. Als der Zaun von der Straße weg in unwegsames Gelände verlief, informierte Wolfram seine übrigen Mitwanderer, die es aber vorzogen auf dem gleichen Weg zurück zu gehen. Christiane holte sie ab und sie erreichten den Strand von Frangocastello in der Mittagshitze. Das Essen und ein kühles Bier kamen gerade richtig. Wolfram fand den markierten Weg wie von Andrea und Werner bereits begangen. Wie so oft ging es überwiegend weglos durchs Gelände und immer wieder entlang “einsamer“ Markierungen. So erreichte er den Ort Ásfendou von dem aus es durch die gleichnamige Schlucht wieder zurück Richtung Küste ging. Wolfram fand auch den beschriebenen Bergpfad zurück zum Ausgangspunkt. Dieser Pfad führte über ein verlassenes Dorf, das aber noch zeitweise bewohnt schien, nach dem intakten Zustand einiger Häuser zu schließen. Der Weg führte auch durch Haine mit Olivenbäume, die darauf warteten, geerntet zu werden. Auf zahlreichen Aussichtspunkten, auf denen heftiger Wind blies, hatte man einen herrlichen Blick über die Küstenlandschaft mit unserem Hotel und Restaurant. Werner holte Wolfram vom Treffpunkt ab und den Rest des Tages verbrachten wir am Strand. Abends gingen wir ein letztes Mal bei “Babis & Popi“ essen, natürlich zum Abschluss mit Raki.

Am Schlusstag brachen wir früh auf. Andrea und Werner fuhren uns quer über die Gebirgslandschaft von Kreta nach Iraklion, das auch Heraklion genannt wird, mit letzten Eindrücken von der schönen Insel. Der Flieger startete pünktlich und gegen Abend waren wir alle wieder zuhause. Wir waren alle froh, dass trotz der Situation wegen der Corona-Pandemie die Reise möglich war. Wir sind Andrea und Werner dankbar, dass sie diese einmalige Reise ausgedacht haben, wie sie in keinem Urlaubskatalog zu finden ist. Wir waren eine tolle Truppe, jeder hatte seinen Spaß und unvergessliche Eindrücke mit nach Hause genommen.

Markus und Wolfram

Kategorie: Allgemein, Bergsteigergruppe, Gruppen, Sonstige Touren

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