Rund ums Kapruner Tal und Großglockner

| 25. September 2019 | Keine Kommentare

Am Samstag 27.07.2019 machten sich Conny, Jutta, Michael, Daniel, Peter, Angelika und Thomas mit dem Zug auf den Weg nach Kaprun. Unser erstes Ziel war der Pinzgauer Hof, ein familiengeführtes kleines Hotel, wo wir von Michi und seiner Mutter liebevoll und mit kulinarischen Spezialitäten verwöhnt wurden.

Aber unsere Stimmung war getrübt, da Volker, der sooo viel Herzblut in die Vorbereitung unserer gemeinschaftlichen Bergtour investiert hatte, aus persönlichen Gründen nicht mitkommen konnte.

Sonntags begann dann unsere Bergwoche. Die ersten beiden Übernachtungen waren auf der Krefelder Hütte (2.300 m). Um uns den langen Anstieg zu erleichtern, nahmen wir für die ersten Höhenmeter die Maiskogelbahn. An der Bergstation angekommen, wanderten wir auf dem Alexander – Enzinger Weg, einem langen grasbewachsenen Kammweg, zur Hütte. Irgendwann kam Nebel auf und es begann leicht zu regnen. Hier nahm unser Tourenmotto seinen Anfang „wie Sie sehen, Sie sehen nichts“.

Dienstags stand das Kitzsteinhorn auf dem Programm. Da es morgens noch sehr neblig und nass war, ließen wir es erst mal ruhig angehen und brachen etwas später auf. Los ging es in Richtung Alpincenter (2.446m) der Kitzsteinhornbahn und weiter über den Schmiedingerkees zur Bergstation der Gipfelbahn. Dabei folgten wir der Empfehlung des Hüttenwirtes die Trasse des Skiliftes zu nutzen, da im Nebel die Orientierung schwierig war. Unvermutet stießen wir auf einen Rodelhang, der von Arabern, die in dieser Region ihren Urlaub verbringen, genutzt wird. Beide Seiten staunten nicht schlecht – sie in ihrer Landestracht und wir in voller Bergsteigermontur mit Steigeisen. Von der Aussichtsplattform – man sah im Nebel nichts – ging es durch einen ca 400m langen Felstunnel zur Gipfelstation (3.029m). Von hier wollten wir über den Klettersteig auf das Kitzsteinhorn (3.203m), aber da der Nebel so dicht wurde – Tourenmotto: wie Sie sehen, Sie sehen nichts – verzichteten wir auf den Aufstieg (Bild 2). So machten wir uns wieder auf den Rückweg zur Hütte. Dort vertrieben wir uns die Zeit mit dem Fangen der reichlich vorhandenen Fliegen, da pro 20 Fliegen ein Schnaps für die ganze Gruppe ausgelobt war.

Bild 2

Am Dienstag stand uns eine lange Tour bevor, zuerst der Aufstieg (800hm) zur Kammerscharte (2.653m) und auf der anderen Seite runter zu den Kapruner Stauseen (2.036m) , dem Wasserfall- und Mooserboden. Da war wieder unser Motto: – wie Sie sehen, Sie sehen nichts – allerdings gab es immer wieder Momente ohne Nebel (Bild 3), und wir bestaunten die tolle Aussicht auf den Stausee, sowie die umliegenden Berge. Ein Highlight war allerdings die Beobachtung eines Adlers in den Lüften über uns. Nach einer stärkenden Rast im Restaurant an der Moosertalsperre kam der Schlussanstieg zum Heinrich-Schwaigerhaus (2.902m). Dazu stiegen wir noch mal 800hm auf.

Bild 3

Für den nächsten Tag war das Große Wiesbachhorn (3.564m) geplant. Gleich hinter der Hütte beginnt der Klettersteig durch den Kamin, (Bild 4) dann folgt ein Weg mit einfachen Kletterstellen und der Kaindlgrat, ein 35° steiler Firngrat (Bild 5), der jedoch ausgeapert war und daher für uns keine Schwierigkeit darstellte. Im Gipfelanstieg zogen schwarze Wolken auf und ein Teil der Gruppe beschloss umzukehren. Michael und Daniel ließen sich nicht beeindrucken und stiegen in Rekordzeit zum Gipfel. Sie hatten Glück, dass die Sicht kurz aufriss, als sie am Gipfel standen.

Bild 4
Bild 5

Donnerstag dann die Schlüsseletappe über den Gleiwitzer Höhenweg zur Gleiwitzer Hütte. Zunächst ging es wieder herunter zu den Stauseen (2.036m) , dann folgte ein langer, immer steiler werdender Anstieg zum Kempsenkopf (3.090m), bei strahlendem Sonnenschein. Es wurde ein langer und anstrengender Anstieg. Über steile Wiesenhänge, sowie bis zu 40° steile, felsige und kaum bewachsene Bergflanken erklommen wir zum Teil seilversichert den Kempsenkopf, der mit seinen 3.090 m den nördlichsten Dreitausender der Alpen darstellt.

Vom Kempsenkopf folgten wir nun dem Gratverlauf nach Norden auf dem Gleitwitzer Höhenweg – ganz unserem Motto folgend – wie Sie sehen, Sie sehen nichts – im Nebel. Dieser ist zum Teil ein sehr schmaler Rücken, der nicht durchgehend seilversichtert ist (Bild 6). Der Gleitwitzer Höhenweg endet an der Oberen Jägerscharte. Weiter ging es abwärts über steile Wiesenhänge und einen weiteren Felsgrat. Über diesen stiegen wir mit Hilfe von Stahlseilen zur Unteren Jägerscharte ab. Jetzt hieß es nur noch eine steile Verschneidung zu meistern, und wir hatten wieder normales Gehgelände unter unseren Füßen. Nur noch durchs Ochsenkar, und wir waren an der Gleiwitzer Hütte (2.176m). Dort wurden wir herzlichst begrüßt. Auf diese schwere Etappe tranken wir erst mal einen Hüttenschnaps.

Bild 6

Tags drauf kam der Abstieg nach Kaprun. Dazu steigen wir zunächst zur Brandlscharte (2.371 m) auf. Angelika, Conny, Daniel, Thomas und Michael stiegen noch schnell auf einen kleinen Gipfel am Weg, den Rosskopf. In endlosen Kehren folgten wir fast 1.500 hm dem Weg ins Tal. Michi vom Pinzgauer Hof wartete bereits wieder auf uns. Wir wollten noch eine Nacht bei ihm im Hotel verbringen.

Samstag morgen trennt sich die Gruppe. Peter und Thomas fuhren nach Hause. Für den Rest der Gruppe wurde es noch mal spannend. Wollten wir doch noch auf den Großglockner.

So machten wir uns auf den Weg nach Kals, zunächst mit dem Bus nach Fürth-Kaprun, dann mit der Pinzgauer Schmalspurbahn nach Mittersill, mit dem Taxi durch den Felbertauerntunnel und in Kals durch das Ködnitztal bis zum Lucknerhaus (1.918m). Von dort war es nur ein kurzer Anstieg zum Quartier, der wunderschönen Lucknerhütte (2.241m). Dort trafen wir zufällig eine Bergsteigergruppe aus der Sektion Koblenz, die ihren letzten Abend hatten (Bild 7).

Bild 7

Bei uns stieg die Spannung, rückte der Großglockner doch näher. Montagmorgens stiegen wir zur Stüdl Hütte (2.802 m) auf. Dort wurden wir im Laufe des Tages von einem unserem Bergführer abgeholt. Nach Überprüfung unserer Ausrüstung starteten wir zunächst in einer 5er Seilschaft mit Philipp, unserem Bergführer, über den Ködnitzkees und leichter Kletterei weiter zur Erzherzog-Johann Hütte (3.454m), der sogenannten Adlersruh. Dort trafen wir auch den 2. Bergführer-Werner. Wir übernachteten im höchsten Schlafzimmer Österreichs voller Spannung auf den nächsten Tag. Unsere Bergführer hatten uns schon angewiesen um 6 Uhr – PÜNKTLICH– fertig mit Gurt und Steigeisen vor der Hütte zu stehen. Es wurden 2 Seilschaften gebildet – eine Mädel- und eine Jungengruppe So stiegen wir auf, zum Glocknerleitl, einer steilen Eisflanke (40°). Nun begann die Kletterei mit Steigeisen – für uns eine ganz neue Erfahrung – auf den Kleinglockner (3.771 m). Nach dem kurzen Abstieg in die berühmte Glocknerscharte folgte der Gegenanstieg zum Gipfel (3.798m). Jetzt standen wir auf dem Dach Österreichs !!! (Bild 8 und 9)

Das Gipfelglück konnten wir bei strahlendem Sonnenschein und sehr guter Weitsicht – wie Sie sehen, Sie sehen ALLES – auf die umliegende Bergwelt genießen. Dieser Weitblick verschlug uns die Sprache. Es war, insbesondere für die Mädelgruppe ein sehr emotionales Gefühl auf dem höchsten Berg Österreichs zu stehen, da flossen schon ein paar Tränchen.

Eigentlich wollten wir den Tag in der Stüdlhütte ausklingen lassen. Da es uns aber in der Lucknerhütte so gut gefallen hatte, buchten wir um und ließen den ereignisreichen, tollen Tag dort Revue passieren.

Die Heimreise erfolgte über Kals, Kitzbühel und Wörgl mit dem Nightjet nach Koblenz. Ankunft morgens um 7:00 Uhr. Völlig verschlafen und mit den Ereignissen der letzten Woche noch beschäftigt, verstanden wir es erst gar nicht: Volker kam uns am Bahnhof entgegen gelaufen und begrüßte und beglückwünschte uns für die Besteigung des Glockners. Dazu schwenkte er ein riesiges, selbstgemaltes Bild vom Glockner über seinem Kopf.

Es war ein so herzlicher Empfang, damit hatten wir nicht gerechnet. Ganz lieben Dank an Volker für die Ausarbeitung dieser tollen Bergtour und diesen tollen Empfang in Koblenz (Bild 10)

Trotz unserem Motto – wie Sie sehen, Sie sehen nichts – nahmen wir ganz viele Eindrücke mit nach Hause. An diese werden wir noch lange zurückdenken.


Angelika, Conny und Jutta

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Kategorie: Allgemein, Bergsteigergruppe, Berichte

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