Rund um den Olperer

| 10. September 2019 | 2 Kommentare

Es war soweit, die erste Bergtour für 2019 lag vor uns. Der Termin, eigentlich nicht zu früh in der Jahreszeit, war die 2. Juli Woche. Aber da es bis Ende Mai immer wieder Neuschnee in den Bergen gab, wurde die Angelegenheit in der Vorbereitung auch noch einmal spannend. Wie viel Schnee liegt noch?, fragten wir uns. Wir, das sind Angelika, Conny, Elisabeth, Sabine, Christof, Volker, Daniel und Jutta. Naja, ein paar Tage vorher wurden erneut die Schneeverhältnisse gecheckt. Es gab noch sehr viel Schnee. Also wurde die Sicherheitsausrüstung durch Grödel erweitert. Immerhin wollten wir über die Friesenbergscharte mit fast 3.000m.

Aber der Reihe nach: Unser Treffpunkt war St. Jodok, ein kleines Bergsteigerdorf in Tirol, gelegen am Zusammenschluss von Schmirntal und Valsertal. Die erste Nacht verbrachten wir im Bergsteigerhotel „Das Lamm“, wo Sabine bereits auf uns wartete.

Unser erstes Ziel, die Geraer Hütte, wollten wir auf direktem Weg erreichen. Wir nahmen uns Zeit und erfreuten uns bei unserem ersten Aufstieg über die herrlichen bunten Wiesen. Ein Wanderweg, der an der Touristenrast im hinteren Valsertal beginnt und durch einen schönen Zirbenwald auf angenehm zu gehenden Serpentinen, vorbei an der Ochsenalm zu den hochalpinen Weiden der Geraer Hütte führt. Nach dem Einchecken suchten wir uns ein Schneefeld im Umfeld der Hütte. Dort machten wir Geh-, Fall- und Rutschübungen, um im Ernstfall gerüstet zu sein. Wir hatten unseren Spaß dabei. Im Laufe des Nachmittags kam auch Daniel auf der Hütte an. Jetzt war unsere Gruppe vollständig.

Am Montag wurde Regen für den frühen Nachmittag vorhergesagt, daher riet uns der Hüttenwirt bereits um 6:30Uhr los zugehen, damit wir trockenen Fußes das Tuxerjochhaus erreichen. Nach einem reichhaltigen Frühstück um 5:30Uhr zogen wir pünktlich los. Richtung Osten ging es über das Steinerne Lamm, 2.528m, anschließend weiter auf dem Olperer Weg, über die Kleegrubenscharte und mit vielem Auf und Ab zur Kaserscharte. Es wurde schroffer und rauer, es gab einige Schneefelder, die allerdings alle gefahrlos zu queren waren. Kurz vor dem Ziel machten wir noch einen Abstecher zum Gipfel der Weißen Wand, 2.518m mit guter Sicht auf die noch verbliebenen Reste des Tuxer Ferners – ein Sommerskigebiet! Von hier aus sahen wir nicht nur das nahe Tuxerjochhaus sondern zugleich auch dicke Regenwolken  auf uns zukommen. Der letzte Fuß war in der Hütte, da fing es auch schon an. Gerade noch geschafft.

Der Plan für den nächsten Tag war die Überschreitung der Friesenbergscharte vom Tuxerjochhaus zum Friesenberghaus. Die Hüttenwirte beider Hütten rieten uns allerdings davon ab. Eine Brücke über einen Gletscherbach, welche im Aufstieg zu queren ist, war noch nicht wieder aufgebaut. Zudem lag noch sehr viel Schnee. So siegte die Vernunft und wir stiegen hinab ins Tuxertal. Per Bus fuhren wir dach Mayrhofen – dort gab es leckeren Kuchen – und anschließend über die Schlegeisalpenstraße in einer abenteuerlichen Fahrt durch Felstunnel zum Schlegeisspeicher – ein künstlich angelegter Hochgebirgsstausee im Zillertal. Von hier aus konnten wir bei schönem Wetter, angenehmer Steigung und tollem Panorama zum Friesenberghaus aufsteigen. Hier trafen wir Juttas Bruder Jürgen. Er nutzte die Gelegenheit der kurzen Anreise um am Mittwoch mit uns auf den Hoher Riffler, 3.231m zu steigen. Dazu brachte er uns bestes Gipfelwetter mit.

Gleich hinter der Hütte führte der Steig über einen Sattel vorbei am Petersköpfl mit den vielen Steinmandln ziemlich direkt über den Südwestgrat in einer weglosen lockeren Blockkletterei (I) 750hm auf den Gipfel des Tuxer Kamms. Vom Gipfelkreuz (Gipfelbucheintrag) bot sich uns ein beeindruckender Ausblick hinüber zum Hintertuxer Gletscher, zu den Zillertaler Gletscherbergen und in die Tuxer Alpen. Die Sicht reichte bis hin in das Karwendelgebirge und bis weit nach Südtirol hinein und entschädigte uns für die Anstrengung an diesem Tag. Gut gelaunt nahmen wir beim Abstieg ganz bewusst so einige schöne lange Abfahrten in Schneefeldern mit. An der Hütte verabschiedete sich Jürgen wieder von uns. Wir wünschten ihm eine gute Heimreise.

Die nächste Etappe führte uns bei gutem Wetter zuerst auf einem steilen Zickzackweg hinauf zum Berliner Höhenweg. Immer wieder hatten wir Ausblick auf den Schlegeisstausee. An der Olpererhütte ging es vorbei, dann weiter über einen Steinplattenweg – immer auf etwa 2.400m – zum malerischen Unterschrammachkar, einem Juwel unterhalb des Olperer. Der bunte Rasen, die Feuchtflächen und der rauschende Bach luden uns hier zu einer ausgiebigen Mittagsrast ein. So erreichten wir – nach einer relativ langen Etappe kurz nach dem Pfitscher Joch, welches gleichzeitig auch die Grenze zu Italien bildet – das  Pfitscherjochhaus. Es ist die älteste private Schutzhütte Südtirols. Im Innenbereich entpuppte sich diese Schutzhütte sehr modern, mit großzügigen Waschräumen/Duschen, Sauna und einer sehr großer Auswahl an köstlichen italienischen Speisen.

Freitagmorgen: munter starteten wir bei leichtem Regen zur Landshuter Europahütte. Wir waren sehr gespannt, führt doch genau durch die Hütte die Landesgrenze zwischen Österreich und Italien. Die Hütte befindet sich auf der Friedrichshöhe auf 2.700m. Um dort hinauf zu kommen war allerdings zuvor noch ein riesiges, steiles Schneefeld zu queren. Mit voller Konzentration, hintereinander in einer Spur gehend, schlugen wir mit unseren Bergschuhen Stufen in den Schnee. Aber auch diese schwere Passage meisterten wir mit Bravour. Die Landshuter Europahütte ist eine kleine urige Hütte mit ihr eigenem Flair. Sie hat zwei Gasträume und zwei Schlafbereiche, jeweils einen auf der österreichischen und einen auf der italienischen Seite – dafür aber nur kaltes Gletscherwasser über einer Edelstahlrinne. Also gab es Katzenwäsche – auch das geht.

Der erste Blick aus dem Fenster am Samstagmorgen: es hatte über Nacht geschneit. Nach dem Frühstück wurde erst einmal mit dem Hüttenwirt beratschlagt, welcher Weg der sicherste zur Touristenrast sein könnte. Er schlug uns den Steig zur Ortschaft Brenner in Südtirol vor, denn der direkte Abstieg ins Valsertal führte über viele Steinplatten und Grasschrofen. Mit Schnee bedeckt würden diese Passagen eine große Rutschgefahr darstellen. Wir folgten den Hinweisen und begaben uns auf einen landschaftlich einzigartigen wunderschönen Abstieg. Der Rückblick war besonders reizvoll: schon weit oben hinter uns die schneebedeckten Gipfel, momentan die maßlos, großflächigen üppigen Alpenrosen, voraus der Übergang zu den Almwiesen mit bunten Blumen, dann die hageren kleinen Kiefern und später die Zirpen und Lärchen – ein farbenfrohes Naturschauspiel. So erreichten wir die Vennalm. Ab hier schloss sich ein lockeres Auslaufen über einen herrlichen Wanderweg durch das hochalpine Venntal an. Doch dann ein Szenenwechsel mit starken Kontrasten, auch das gehört dazu: vor uns die Brennerautobahn … mit dem Zug ging es vom Bahnhof Brenner wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Fazit: Wir folgten in einer harmonievollen Woche den Spuren Peter-Habelers rund um den Olperer. Wir erinnern uns gern an die unzählbaren vielfältigen Eindrücke, die uns die Naturschutzgebiete Valsertal und Zillertaler Alpen boten. Wir genossen unsere Gipfeltour auf den Hohen Riffler.

Text und Bilderauswahl: Jutta und Volker

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Kategorie: Aktuell, Allgemein, Bergsteigergruppe

Kommentare (2)

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  1. Oliver Gonzalez sagt:

    Schöne Tour, Netter Bericht 🙂

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