Rückblick ohne Zorn – Radtour auf den Zorner Kopf

| 3. Oktober 2021 | Keine Kommentare

von Peter May, Koblenz

 

Manche sammeln Briefmarken, Modellautos oder Kaffeetassen. Ich sammle Berge, auf die ich mit dem Rennrad hinauffahren kann. In meiner Kollektion der höchsten Mittelgebirgsgipfel in Rheinland-Pfalz hatte mir bisher nur noch der Taunus gefehlt. Die anderen rheinland-pfälzischen Mittelgebirge Eifel, Westerwald, Hunsrück, Saar-Nahe-Bergland und Pfälzerwald mit ihren jeweils höchsten Erhebungen Hohe Acht (747 m), Fuchskaute (657 m), Erbeskopf (816 m), Donnersberg (686 m) und Kalmit (673 m) hatte ich zuvor schon allesamt mit dem Rad „bestiegen“. Im rheinland-pfälzischen Teil des Taunus, dem Einrich, ist der eher unspektakuläre und wenig bekannte Zorner Kopf nahe der Landesgrenze zu Hessen mit seinen 488 Metern der höchste freistehende „Gipfel“. Ihm galt mein berg- und radsportliches wie auch touristisches Interesse, das ich dadurch zu steigern trachtete, indem ich von einem niedrig gelegenen Ausgangspunkt, nämlich dem Rheinufer bei Sankt Goarshausen auf 70 Meter Meereshöhe los fuhr. So war einerseits für einen nennenswerten Höhenunterschied zu dem vergleichsweise niedrigen Berg gesorgt, andererseits für einen auch landschaftlich interessanten Rundkurs. Die gefahrene Strecke ist schnell beschrieben: zunächst etwas anstrengend durch das steil ansteigende Schweizertal hinauf auf die Taunushochfläche, dann über ruhige Landstraßen auf gewelltem Terrain über die Dörfer Bornich, Weisel, Rettershain, Lipporn und Strüth bis nach Zorn; hier bis zum Ende der Asphaltstraße am Osthang des Zorner Kopfs auf 470 Meter Meereshöhe. Die letzten paar Höhenmeter zu Fuß auf den flachen, bewaldeten Bergrücken habe ich mir gespart – es war schon spät am Nachmittag und es gab auch keinen Turm oder anderen Aussichtspunkt, den man hätte besteigen können. Der Rückweg zum Auto am Rheinufer führte dann in erneutem Auf und Ab mal durch Wald, mal durch offenes Land über die Dörfer Algenroth, Münchenroth, Lautert, Oberwallmenach, Niederwallmenach, Bogel und Auel, zuletzt wieder steil hinab ins Rheintal nach Sankt Goarshausen. Insgesamt waren so 50 Kilometer Strecke und 750 Höhenmeter zu bewältigen, für die ich, die Pausen eingerechnet, genau drei Stunden benötigte. Bleibende Eindrücke von der Fahrt sind die Weite der Taunus-Landschaft, die an jenem goldenen Septembertag eine heitere, zugleich auch etwas weltabgeschiedene Stimmung ausstrahlte. Mit dem Zorner Kopf im Taunus habe ich jetzt meine rheinland-pfälzische Gipfelsammlung komplett – ganz ohne Zorn, aber mit großer Zufriedenheit.

Start am Rhein in Sankt Goarshausen

Unterwegs im Einrich

Strüth mit dem Kloster Schönau

Der Autor vor dem Zorner Kopf

„Willkommen in Zorn“

Steilstrecke zwischen Auel und Sankt Goarshausen

Rechtzeitig vor der Dämmerung zurück am Rhein

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Kategorie: Albatros, Allgemein, Klettergruppe, Klettergruppe Albatros, Sonstige Touren

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