Ost-West-Durchquerung des Karwendelgebirges

| 1. Dezember 2013 | Keine Kommentare

Vom Großen Ahornboden nach Mittenwald

 

Der Bergsteigergruppe hat es in 2012 so gut im Karwendel gefallen, dass sie in diesem Jahr wiederum eine Wochentour in dieses Gebirge plante. Wir, das sind Marion und Wolfram, Sabine, Angelika, Elisabeth, Volker, Oswald und Markus starteten am 22.09.2013 mit dem Zug von Koblenz in Richtung Alpen. Von München ging es mit dem Zug weiter bis Lengries und von dort mit dem Bergsteigerbus am Sylvensteinspeicher vorbei zum Alpengasthof Eng bei dem Großen Ahornboden. Das Hotel war unser erstes Quartier, bereits im Karwendel auf 1.230m Höhe. Wir kamen gerade richtig, um die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahlen im Fernsehen zu verfolgen.

Bei prächtigem Sonnenschein starteten wir am nächsten Tag zur Falkenhütte (1.848m). Elisabeth konnte noch eine neue SD-Karte für ihre Kamera kaufen, ein letzter Blick in die Karte und los ging´s. Wir liefen auf dem Adlerweg, der Tirol durchquert und konnten bereits nach 1,5 Stunden die Hütte sehen. Im Schatten der Lalidererberge erreichten wir die Hütte nach weiteren 1,5 Stunden. Wir hatten noch viel Zeit und ließen es langsam angehen. Auf den bereitgestellten Bänken und Liegestühlen genossen wir den Blick auf die nahen Berge und den wolkenlosen Himmel. Dann gingen wir in mehreren Grüppchen Richtung Mahnkopf und Steinfalk. Wolfram hat es als Einziger geschafft, den Steinfalk zu besteigen. In der gemütlichen, aber auch sehr vollen Stube der Hütte, ließen wir den ersten schönen Tag ausklingen. [Bild 1]

Nach dem Einstiegstag näherten wir uns am Dienstag dem Zentrum des Karwendels mit dem Kleinen Ahornboden, dem Karwendelhaus und der Birkkarspitze, der höchsten Erhebung des Karwendels mit 2.719m. Die Sonne meinte es wieder gut mit uns und begleitete uns zum ersten Höhepunkt, der idyllischen Ebene des Kleinen Ahornbodens, wo wir gerne eine längere Rast einlegten. Auf kurzem Weg nahmen wir die rd. 400 Höhenmeter bis zum Karwendelhaus. Dort stieg gerade die Sonne über die eng anliegenden Bergspitzen und erwärmte die Terrassenplätze. Hier konnte man es aushalten. Für das leibliche Wohl war auch gesorgt. Germknödel gab`s im Angebot. Ein Teil der Gruppe zog es noch auf das nahe gelegene Hochalmkreuz mit 2.199m. [Bild 2]

Bei der Hitze kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Der Zugang zur Birkkarspitze über das Schlauchkar war im oberen Teil verschneit. Das ließ nichts Gutes ahnen für die am Folgetag geplante Tour. Zurückgekehrt nutzen wir die einzige Möglichkeit auf der gesamten Tour, eine Dusche zu benutzen, sogar mit heißem Wasser – der pure Luxus. Zum Abendessen gab es Kürbissuppe, Tafelspitz, Kartoffeln, Salat und Nachtisch. Der Wirt rief uns noch raus, damit wir dem Röhren der brunftigen Hirsche zuhören konnten. Es war bereits dunkel.

Auch am Mittwoch war die Sonne unser Begleiter, aber es war schon klar, dass das auch vorerst der letzte Sonnentag war. Der Wirt warnte alle Gäste eindringlich, die Überquerung an der Birkkarspitze zu nehmen, da dies ohne Steigeisen zu gefährlich sei. Nun ja, wir „begnügten“ uns mit dem Berg auf der anderen Talseite, der östlichen Karwendelspitze mit 2.538m. Schweißtreibend und steil ging es durch Kar und Fels nach oben. Den Gipfel erreichten wir nach rd. 3 Stunden. Immer mehr Gäste des Karwendelhauses trafen oben ein. Der Abstieg erschien schwierig, da es beim klassischen Abstieg durch das Grabenkar zuerst ein Schneefeld zu überqueren galt und man bei rd. 50 cm Schnee kaum erkennen konnte, wie der Untergrund beschaffen war. Es gab aber zumindest eine Spur, der alle Gruppen folgten. Nach einer halben Stunde konnten wir schon munter im Kar ohne Schnee absteigen [Bild 3] und mit großen Schritten kamen wir gut voran. Nach knapp 2,5 Stunden erreichten wir wieder die Hütte. Bei Kaffee und Kuchen klang der Nachmittag aus. Für den kommenden Tag wurde Regen gemeldet.

Der Wetterbericht war leider präzise: am Donnerstag regnete es. Wir verließen die Hütte, stiegen leicht ab, um uns auf den Gjaidsteig zu begeben. Bei „hoher Luftfeuchtigkeit“ führte uns der Weg auf und ab über unzählige Wurzeln zum Bäralplsattel. Es regnete dort zum Glück nicht und wir nahmen die erste Pause. Dann verließen wir nicht nur das Karwendeltal, sondern auch Österreich. Ein Schild wies auf die Staatsgrenze hin. Auf der Nordseite der Gebirgskette näherten wir uns der Hochlandhütte. Einige Seilversicherungen unterstützten das Gehen auf schmalen Bergpfaden. [Bild 04]

Der Regen hatte zum Glück ganz aufgehört. Nach Überquerung des letzten Sattels konnten wir die Hütte und auch Mittenwald im Tal sehen. Ein kurvenreicher Abstieg führte uns in 50 Minuten zur Hütte, die sehr schön gelegen und nach Südwesten ausgerichtet war. Sie war klein und sehr gemütlich. Nach dieser Tagesstrecke schmeckte die Linsensuppe und ein gutes Bier besonders gut. Die Hütte ist sehr sinnvoll eingerichtet: Haken und Ablageflächen an den richtigen Stellen.

Der Freitag führte uns zur Partnerhütte der Sektion Koblenz, der Mittenwalder Hütte. Den ersten Weg gingen wir gemeinsam. Dann trennte er sich auf in einen leichteren und einen schwierigeren Weg. Volker, Angelika und Wolfram zog es höher hinauf über den Prediktstuhl zur Bergstation der westlichen Karwendelspitze. Dabei kamen sie auch nach dem Dammkar durch einen Tunnel. Immer, wenn es oben regnete, hatten die drei gerade ein trocknes Plätzchen gefunden. Wir anderen machten uns unnötig Sorgen. Wir wurden sehr freundlich in der Hütte aufgenommen und konnten einen erstklassigen Kaiserschmarrn zu uns nehmen. Auch die vorausgeschickten Klettersteigsets (Danke an Hüttenwirt Bernhard!!) waren in der Hütte angekommen. Wir mussten sie nicht die ganze Zeit mit uns herumtragen. Für Markus war die Nacht kurz, genauso wie das Hochbett mit 1,80m Länge bei 1,90m Körperlänge.

Am Samstag konnte der leichte und schöne Klettersteig in Angriff genommen werden. Den direkten, teilweise stark ausgesetzten Weg von der Hütte nach oben zum Startpunkt des Klettersteigs wollten wir nicht nehmen. Wir liefen zur Talstation und waren mit der Bahn schnell auf 2.244m Höhe. Bevor wir die Westliche Karwendelspitze in Angriff nahmen, besuchten wir das dort oben befindliche Naturmuseum in einem futuristischen Bau in Form eines Fernrohrs. [Bild 5]

Nach der Westlichen Karwendelspitze teilten sich unsere Wege. Manche stiegen zum Mittenwalder-Klettersteig auf, andere nahmen den Heinrich-Noe-Steig. [Bild 6]

Bei schönem, fast wolkenfreien Himmel ging es über den Grad der Gebirgskette mit vielen schönen Ausblicken ins Karwendel oder nach Westen über Mittenwald hinweg Richtung Zugspitze. [Bild 7]

Bei jeder Pause waren die Dohlen bei uns zu Gast. Sie waren sehr zutraulich und fraßen Elisabeth aus der Hand. Der Heinrich-Noe-Steig hat auch begeistert. Ein schöner Weg mit herrlichen Ausblicken. Zur Kaffeezeit kamen wir in der Brunnsteinhütte an. Sie war gut besucht, insbesondere von Familien mit kleinen Kindern. Mit Spielplatz und einigen Tieren ist die Hütte für Kinder besonders attraktiv. Kurzfristig gab es dort kein Wasser zum Waschen. Halb entkleidete Damen mussten den Waschraum unverrichteter Dinge wieder verlassen. Nach gut einer Stunde waren die Behälter mit Oberflächenwasser wieder gefüllt. Prima, wenn kaltes Wasser aus dem Kranen zum Waschen bereitsteht. Beim letzten Abendessen wurde Rückblick gehalten. Allen hat es gut gefallen, nicht nur wegen des Wetters. Auch die Truppe selbst hat gut zueinander gefunden und könnte jederzeit wieder zusammen in die Berge ziehen. Zu danken sind hier insbesondere Marion und Wolfram, die die Planung und Organisation übernommen hatten und gut informiert auch Sicherheit gaben.

[Bild 8] Am Abschiedstag ging es bei warmen Temperaturen über den Leitersteig zur Talstation und nach Mittenwald. Im Biergarten (am 29.09.13) konnten wir uns noch stärken oder schön machen für die Heimfahrt, bevor uns der Zug nach München brachte. Marion und Wolfram verließen uns dort. Die anderen kamen entspannt gegen 21 Uhr in Koblenz wieder an. Eine gute Tour ging zu Ende.

 

Text: Markus; Bilder: Wolfram

 

 

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Kategorie: Bergsteigergruppe

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