Mixed Pickles – eine durchwachsene Bergwoche im Werdenfelser Land

| 22. August 2021 | Keine Kommentare

von Peter May, Koblenz

 

Wie schon im Vorjahr verbrachten wir auch im Sommer 2021 eine Woche Bergurlaub in Garmisch-Partenkirchen. Wir, das sind: Silke, Jens und Oskar sowie Bianca, Benedict und der Autor.

Sechs Koblenzer im Werdenfelser Land

Fest eingeplant waren lediglich ein vorab gebuchter Bike-Tag für die Jungs und ein leichter Klettersteig im Wettersteingebiet. Alles andere würde sich von Tag zu Tag ergeben. Die Unwägbarkeiten zeigten sich schon gleich zu Beginn unserer Reise: Wegen einem Krankheitsfall fanden wir uns zunächst nur zu fünft im Hotel Obermühle in Garmisch ein; erst drei Tage später vervollständigte Jens unser Zweifamilienteam. Den ersten Urlaubstag sind wir gemütlich angegangen: am Vormittag wanderten wir am Fuß des Kramers vom idyllisch gelegenen Pflegersee ohne großen Höhenunterschied zur Berggaststätte Sankt Martin und wieder zurück.

Am Pflegersee

Für den Nachmittag hatten wir für unsere Mountainbike-begeisterten Jungs Räder im Bike-Park Oberammergau gebucht. Als moderne Eltern zeigt man sich ja gerne auf Augenhöhe mit dem Nachwuchs und so haben auch wir Erwachsenen gleich Räder für uns mit bestellt. Unsere Unerfahrenheit bzw. Ahnungslosigkeit wurde recht bald mit vollendeten bzw. Beinahe-Stürzen bestraft (die zum Glück glimpflich ausgegangen sind), so dass nur Oskar und Benni auf den leichteren und mittelschweren Trails auf ihre Kosten gekommen sind. Eine eindrucksvolle Erfahrung war das Downhillen für die Großen aber allemal und jetzt sehen wir das Hobby unserer Kinder doch mit etwas anderen Augen.

Benni und Oskar im Bike-Park Oberammergau

Mit einem kräftigen Hagelgewitter kündigte sich am Abend der Wetterwechsel an: der nächste Tag sollte regnerisch sein mit Gewittern am Nachmittag. Trotzdem versuchten wir die Bergwanderung „Kramersteig“ (schwer, 1.200 Hm Aufstieg, 1.200 Hm Abstieg, 6 Std.) auf die Kramerspitze (1.985 m) mit Überschreitung derselben, die, direkt nördlich von Garmisch gelegen, eine tolle Aussicht über das Loisachtal hinweg auf das Zugspitzmassiv bietet – bei gutem Wetter.

Aufstieg zum Kramer

Die Morgensonne verzog sich aber schon bald und Wolken waberten durch den feuchten Bergwald. Als wir den Gipfelgrat erreichten und der Nebel immer dichter wurde, mussten wir eine Entscheidung treffen: entweder, wie geplant, weiter zum Gipfel und Überschreitung auf dem Gratweg zur bewirteten Stepbergalm oder Abbruch der Wanderung an dieser Stelle und Rückweg. Die Wetter-App zeigte ein herannahendes Niederschlagsgebiet. Im Hinblick auf die gemeldeten Gewitter, die fortgeschrittene Tageszeit, den exponierten Grat und auch auf die konditionelle Verfassung und das Tempo unserer heterogenen Gruppe entschied ich, dass es sicherer war, hier und jetzt umzukehren. Schade, aber nicht schlimm und vielleicht klappt es ja ein anderes Mal mit dem Kramersteig! Für den Verzicht auf den Gipfel entschädigten wir uns auf dem Rückweg mit einer gemütlichen Einkehr in der schon bekannten St. Martin-Hütte. Auch wenn es heute nicht ganz bis zum Gipfel gereicht hatte, konnten wir am Abend doch stolz sein auf immerhin 2.000 überwundene Höhenmeter. Der nächste Tag war komplett verregnet, so dass wir ein Kulturprogramm mit Regenschirm absolvierten: Schloss Linderhof wurde besichtigt und anschließend noch dem Kloster Ettal ein Besuch abgestattet.

Schloss Linderhof

Kloster Ettal

Am dritten Urlaubstag war dann endlich eine richtige alpine Tour geplant: schon im letzten Jahr war uns bei einer Wanderung im Alpspitzgebiet eine steile Felswand aufgefallen, durch die ein leichter Klettersteig führt. Die „Schöngänge“ durch die Bernardeinwand (KS A/B, 300 Hm) sollten nun also endlich begangen werden.

Die Bernadein-Wand mit dem Klettersteig „Schöngänge“

Mit der ersten Seilbahn auf den Osterfelder Kopf und flottem Zustieg waren wir auch die erste Gruppe in der Wand – meine Berggefährten mögen mir die morgendliche Eile verzeihen, aber in der steinschlaggefährdeten Klettertour war dies ein großes Plus an Sicherheit. Der Klettersteig bot an den Drahtseilpassagen keine Schwierigkeiten, erforderte aber auf einigen ungesicherten Felsplatten vorsichtiges und sicheres Steigen.

Benni im Klettersteig „Schöngänge“

Das Wetter hätte durchaus freundlicher sein können, denn immer wieder verhüllten Nebelschwaden die Wand und die Aussicht ins Tal. Am Ende des kurzen Klettersteigs bestiegen wir noch den nahe gelegenen Bernadein-Kopf (2.143 m), damit wir wenigstens heute einen richtigen Gipfel mit Kreuz mitnehmen konnten. Der angekündigte Regen ließ auf sich warten, so dass wir noch zum tiefer gelegenen Stuibensee gingen. Für ein Bad darin reichten die Temperaturen und das Wetter zwar nicht, aber immerhin wurden die Füße ins Wasser getaucht.

Am Stuibensee

Auf dem Rückweg querten wir das Oberkar zum versicherten Nordwandsteig unterhalb der Alpspitze, wo wir abermals die Klettersteigsets anlegen mussten (KS A/B). Hier erwischte uns dann doch noch der Regen, was uns aber nicht mehr von der verdienten Brotzeit an der Bergstation der Alpspitz-Seilbahn abhalten konnte.

Im Nordwandsteig der Alpspitze

Tag fünf unseres Urlaubs sollte uns auf die Zugspitze führen – mangels sicheren Bergwetters nicht über den ursprünglich geplanten Stopselzieher-Klettersteig (KS A/B, 1.700 Hm, 4 – 6 Std.), sondern bequem und schnell mit der neuen Seilbahn vom Eibsee aus (2.000 Hm, 10 Min., 60 €!). Natürlich statteten auch wir dem goldenen Gipfelkreuz am höchsten Punkt unseren Besuch ab.

Der Gipfel der Zugspitze (2.962 m)

Sechs Koblenzer am höchsten Punkt Deutschlands

Das andere Gesicht der Zugspitze

Für Silke, Jens und Oskar war es das erste Mal auf den höchsten Berg Deutschlands. Zum Glück waren wir auch hier früh dran und konnten noch eine wolkenfreie Aussicht auf den türkis- bis tintenblauen Eibsee, das Höllental, den Jubiläumsgrat und die eindrucksvolle Bergwelt ringsherum genießen.

Blick auf den Eibsee

Anschließend ging es mit der Seilbahn hinab auf das Zugspitzplatt, wo sich schon viele andere Touristen tummelten. Dank eines Hinweises des Seilbahnfahrers beschlossen wir spontan, das sogenannte „Windloch“, ein natürliches Felsenfenster am Felsgrat unterhalb des Schneefernerkopfs zu besuchen. Hierzu mussten wir den noch verbliebenen, traurigen Rest des Schneeferners hinaufsteigen.

Der Schneeferner, ein sterbender Gletscher

Auf dem Gletscher gibt es keine Spalten und dank weichen Trittfirns und unserer Wanderstöcke konnten wir das steile Schneefeld sicher überwinden.

Aufstieg über den Schneeferner

Am Grat bot sich eine tolle Aussicht in das Ehrwalder Tal und nach Tirol hinein und auch das Windloch konnte nach einigem Suchen gefunden und bewundert werden.

Tiefblick an der Schneeferner-Scharte

Kurz darauf waren wir wieder unten auf dem Platt und in der dortigen Gastronomie. Der Himmel hatte sich inzwischen zugezogen. Am Nachmittag kam dann auch der gemeldete Regen und die geplante Wanderung um den Eibsee fiel damit buchstäblich ins Wasser. Gut, dass wir schon so früh auf dem Gipfel waren! Am letzten vollen Urlaubstag war wieder Sch…wetter gemeldet, Regen von morgens bis abends. Wir suchten uns deshalb eine talnahe Wanderung aus, bei der außerdem noch eine fotogene Naturschönheit besichtigt werden konnte: die Kuhflucht-Wasserfälle und eine Karstquelle, die aus einer senkrechten Kalkwand hinausschießt. Von der Talstation der Wank-Bahn ging es zunächst flach über den „Philosophenweg“ bis zum Wasserfall, der durch den Regen der letzten Tage in eindrucksvoller Größe über mehrere Kaskaden in die Tiefe stürzte.

Der Kuhflucht-Wasserfall

Anschließend stolperten wir durch den regennassen Wald und über glitschige Baumwurzeln steil bergan, bis wir in einiger Entfernung die schäumende Karstquelle sehen konnten. Der Abstieg auf dem nassen Pfad war ein einziger Eiertanz, aber trotz manchem Ausrutscher sind wir wieder heil am Ausgangspunkt angekommen. Immerhin sechs Stunden waren wir unterwegs und haben dabei rund tausend Höhenmeter und 12 Kilometer Strecke gemacht. Am nächsten Tag ging es dann nach einer ausgiebigen und kostenintensiven Shopping-Tour in Garmisch wieder zurück nach Hause. Fazit: angesichts des bescheidenen Wetters haben wir doch eine ganze Menge von den Bergen gesehen und erlebt – vom Rundum-Verwöhn-Paket in unserem Luxushotel mit Bad, Sauna und exzellenter Küche ganz zu schweigen. Auch dies war essentieller Bestandteil unseres erholsamen Aktiv-Urlaubs im Werdenfelser Land.

Felix Bavaria

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Kategorie: Albatros, Allgemein, Klettergruppe, Klettergruppe Albatros

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