Mit dem Sonnenkönig unterwegs

| 10. Juli 2003

Hochtourenwoche im Wallis 05. – 12.07.2003

Teilnehmer : Norbert Dötsch (Sonnenkönig), Torsten Lenz, Hans Wysk, Günter Werner, Erika Schäfer, Peter Still, Michael Bös, Hans Eberweiser, Manfred Schmengler, Theo Schäfer, Jörg Beeres, Dieter Pung, Joachim Oppenhäuser

Am Samstag, dem 5.7.03 war Anreisetag mit Treffpunkt um 13.00Uhr in Gruben im Turtmanntal. Peter, Michael, Jörg und Hans Eberweiser trafen überpünktlich gegen 11.00Uhr am vereinbarten Treffpunkt ein und wurden von Erika, Norbert und Hans Wysk, die schon einen Tag zuvor auf der Turtmannhütte eingetroffen und nun zum Empfang der übrigen Teilnehmer wieder abgestiegen waren, herzlich willkommen geheißen. Nun begann das große Warten .
Dieter, Joachim und Theo trafen erst kurz vor 14.00Uhr ein, und von Manfred erfuhren wir lediglich, dass er vom Reschenpass aus unterwegs sei. Um 14.00 Uhr machten wir uns ohne Manfred auf den Weg zur Turtmannhütte (2.519m), die wir gegen 16.00Uhr erreichten.

Dort begrüßten uns Günter und Torsten, die auch schon einen Tag zuvor angereist waren. Kurz vor 18.00 Uhr traf dann auch Manfred ein. An diesem Abend wurde auf der Hütte ein Jubiläum gefeiert. Neben den feiernden Sektionsmitgliedern des Schweizer Alpenvereins waren wir die einzigen Gäste auf der Hütte. Mit 13 Personen waren wir in einem Matratzenlager für 10 Personen untergebracht. Lauter schweizerischer Gesang begleitete uns zur Abendruhe. Des Nachts offenbarte sich ein kleines Problem, welches uns den Rest der Tour begleiten sollte – wir hatten einen Schnarcher unter uns! Joachim gestand uns, dass er zum Schnarchen neige. Das sei aber nicht weiter schlimm, meinte er. Man solle ihn, wenn er schnarcht, mal kurz seitlich anrempeln, dann würde er schon mit dem Schnarchen aufhören. So wurde denn von allen, die über die Woche nachts neben Joachim schliefen, fleißig gerempelt und „geschlagen“, so dass Ruhe einkehrte – bis zur nächsten Schnarchattacke von Joachim. Wie die Körperseiten von Joachim nach der Tour aussahen, wollte er uns nicht verraten.

Am Sonntag, dem 6.7.03 ging es um 7.45 Uhr von der Turtmannhütte Richtung Cabane de Tracuit (Tracuithütte 3.256m), die gegen 11.45 Uhr erreicht wurde. Der Weg führte uns über den Brunegg-Gletscher, an der Felseninsel Adlerflüh vorbei, dann über den Turtmanngletscher bis zur Tracuithütte. Dort ereilte Torsten ein großes Malheur. Bei der Verrichtung der Notdurft hat er seine Brille verloren. Sie fiel ihm in die Toilette. Über Details des Vorganges schwieg er sich aus. Unterhalb der Toilette führte ein 20 – 25 m langes Abwasserrohr den Fels hinunter. Unter den mehr oder weniger gut gemeinten Ratschlägen und Bemerkungen der Zuschauer, seilte sich Torsten bis zum Ende des Abwasserrohres ab, um in den Fäkalien nach seiner teuren Brille zu suchen. Trotz intensiver Bemühungen konnte er die Brille nicht finden. An Gesprächsstoff mangelte es den Rest des Tages nicht, denn wer bekanntlich den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Am Montag, dem 7.7.03 starteten wir um 5.15 Uhr von der Tracuithütte über die Nordwestflanke zum Bishorn (4.158m). Gegen 8.30 Uhr erreichten wir bei hervorragendem Wetter den Gipfel. Die Sicht war ausgezeichnet. Von den Berner Alpen bis zum Mont Blanc war alles zu sehen. Gegen 9.00 Uhr machten wir uns wieder an den Abstieg und um 10.30 Uhr hatten wir die Tracuithütte wieder erreicht. Nach einer ausgiebigen Rast ging es um 11.30 Uhr weiter auf den Abstieg zurück zur Turtmannhütte, an der wir gegen 16.00 Uhr eintrafen. Der erste Viertausender der Woche wurde am Abend mit ein paar Flaschen Rotwein gebührend gefeiert. Man soll es nicht für möglich halten, auch die Ersatzbrille von Torsten ging an diesem Abend zu Bruch. Ein Bügel der Brille war beschädigt, konnte aber mit Klebeband so weit repariert werden, dass die Brille bis zum Ende der Tour durchhielt.

Wegen einer geplanten Vollsperrung der Straße im Turtmanntal ging es am Dienstag, dem 8.7.03 zeitig los. Es stand ein Ortswechsel nach Zermatt an. Von 4.30 Uhr bis 6.00 Uhr stiegen wir von der Turtmannhütte zu den abgestellten Wagen nach Gruben ab. Bis um 7.00 Uhr mussten wir das Tal verlassen haben, weil dann die Vollsperrung erfolgte. In Täsch, im Mattertal, parkten wir die Wagen. Hier hat uns dann Günter wegen Kniebeschwerden verlassen. Aus seiner Sicht machte es wegen seiner Schmerzen keinen Sinn die Tour fortzusetzen und ist deshalb frühzeitig nach Hause gefahren. Nach der Verabschiedung von Günter ging es weiter per Taxi nach Zermatt. Beim Gang durch Zermatt bis zur Seilbahnstation wurden diverse Einkäufe getätigt. An der Talstation der Seilbahn angekommen, sollte es Richtung Klein-Matterhorn hochgehen. Getreu einer Schafherde folgte alles dem Leithammel. So auch hier. Anstatt an der Zwischenstation Furi in die Bahn Richtung Trockner Steg umzusteigen, setzte sich unser Führer Norbert in die Bahn Richtung Furgg – der Ausgangsstation Richtung „Groß“-Matterhorn und alle folgten ihm. Irgendwie hatte unser Norbert da was verwechselt. Nachdem er von seinem Fehler überzeugt werden konnte, ging es mit der Bahn von Furgg wieder zurück zu der Station Furi, und von dort dann über die Station Trockener Steg weiter bis zum Klein-Matterhorn, welches wir um 10.45 Uhr erreichten. Von hier ging es dann zum Breithornpass, an dem wir gegen 11.45 Uhr ankamen. Der Rucksack wurde abgelegt und ohne Gepäck ging es Richtung Breithorn. Gegen 12.30 Uhr wurde der Gipfel des Breithorns (4.164m) über die Südflanke erreicht – wiederum bei ausgezeichnetem Wetter. Es folgte eine Gipfelüberschreitung und gegen 13.15 Uhr waren wir wieder zurück am Breithornpass bei unseren Rucksäcken. Hier erklärte uns Hans Eberweiser, dass er Probleme habe. Er wolle die Gruppe nicht unnötig aufhalten. Deshalb habe er beschlossen, die Tour abzubrechen. Diese Entscheidung verdient höchsten Respekt. Wir vereinbarten mit Hans, dass wir uns am Samstag für die Heimreise beim Taxiservice in Täsch wieder treffen wollten. Nach der Verabschiedung von Hans Eberweiser setzten wir unseren Weg Richtung Rifugio Guide della Val d´Ayas (Ayashütte 3.394m) fort. Hans ging zum Klein-Matterhorn zurück und fuhr mit der Seilbahn abwärts nach Zermatt. Auf dem Weg zur Ayashütte mussten einige Gletscherspalten umgangen werden, und so kamen wir gegen 15.45 Uhr an der Hütte an.

Am Mittwoch, dem 9.7.03 machten wir uns gegen 5.30 Uhr auf den Weg Richtung Zwillingsjoch – dem Joch zwischen Pollux und Castor. Gegen 6.30 Uhr kamen wir dort an. Erika, Michael und Jörg entschieden sich auf die Besteigung des Pollux zu verzichten. Der Rest der Gruppe machte sich ohne Rucksäcke, diese blieben bei den Wartende zurück, mit den Worten auf den Weg : „In zwei Stunden sehen wir uns wieder!“. Um 6.45 Uhr zog man bei hervorragendem Wetter los. Beim Aufstieg zum Pollux (4.092m) muss einiges mit Steigeisen geklettert werden – kombiniertes Gelände. Nach 3 Stunden (!!), also gegen 9.45 Uhr, waren die Polluxbesteiger wieder bei den Wartenden im Zwillingsjoch zurück. Nach einer kurzen Rast ging es dann wieder komplett gegen 10.00 Uhr über die Westflanke hoch zum Castor. Oberhalb des Bergschrundes musste eine eisige steile Stelle überwunden werden. Norbert ging vorneweg und setzte zur Sicherung ein paar Eisschrauben. So konnte diese Stelle ohne große Schwierigkeiten gemeistert werden. Gegen 12.15 Uhr waren wir auf dem Gipfel des Castors (4.228m). Wegen aufziehender Bewölkung war die Sicht hier etwas eingeschränkt. Von 12.30 Uhr bis 13.45 Uhr ging es dann abwärts über den Südostgrad des Castors zum Felikjoch und dann weiter bis zur Capanna Quintino Sella (Sellahütte 3.585m).

Am Donnerstag, dem 10.7.03 haben wir die Sellahütte um 5.45 Uhr Richtung Paso de Naso verlassen. Der Aufstieg auf den Pass erwies sich als nicht ganz einfach. Die Strecke war stark vereist. Es herrschte kräftiger Nordwind und es war viel „Verkehr“. Von der Sellahütte waren noch mehrere Seilschaften mit dem gleichen Ziel unterwegs. Auch hier setzte Norbert zur Sicherung Eisschrauben und mit Ruhe und entsprechender Konzentration glückte uns der Aufstieg. Was wir oben auf dem Pass zu sehen bekamen war schon der Mühe wert : Signalkuppe, Parrotspitze, Ludwigshöhe, Schwarzhorn, Balmenhorn und Vincent-Pyramide lagen bei strahlend blauem Himmel direkt vor uns. Ein sehr imposanter Anblick. Beim Abstieg vom Paso de Naso kam dann auch noch links vor uns die Zumsteinspitze ins Blickfeld. Dann ging es wieder bergauf, hoch zum Piodejoch. Nun folgte der Aufstieg über die Westflanke zum Gipfel der Parrotspitze (4.432m), die wir um 11.30 Uhr erreichten. Nach der Gipfelüberschreitung wurde in nordwestlicher Richtung abgestiegen, ehe es in einem großen Bogen in südöstlicher Richtung wieder hoch ging zur Signalkuppe (4.554m) mit der Capanna Regina Margherita, dem höchstgelegenen Gebäude Europas. Dort kamen wir um 13.30 Uhr an. Durch die Reservierungen, die Norbert auf allen Hütten vorgenommen hatte, waren wir bei den Hüttenwirten die Gruppe „Norbert“. Nur hier auf der Margheritahütte war das anders. Hier liefen wir, warum auch immer, unter der Gruppe „Dötschi“. Weil es das Wetter im Laufe unserer Tour nur gut mit uns gemeint hatte, kam man beim Abendessen auf die Idee, am Folgetag nicht nur, wie geplant die Zumsteinspitze zu besteigen und dann schon abzusteigen, sondern die Ludwigshöhe, das Schwarzhorn, das Balmenhorn und die Vincent-Pyramide noch „mitzunehmen“. Norbert konnte von diese Idee überzeugt werden.

So ging es denn am Freitag, dem 11.7.03 nach einer ruhigen Nacht, keiner meldete auf Grund der großen Höhe Beschwerden an, an die erweiterte Route. Um 5.40 Uhr verließen wir die Margheritahütte Richtung Zumsteinspitze (4.563m), die wir um 6.50 Uhr erreicht hatten. Hier hatten wir eine guten Blick auf Dufourspitze und Nordend. Dann steigen wir ab und machten uns auf den Weg zur Ludwigshöhe (4.341m). An der Parrotspitze vorbei erreichten wir gegen 8.30Uhr den Gipfel. Dann ging es im Schnellgang weiter zum Schwarzhorn (4.322m). Der Aufstieg ist hier recht kurz aber sehr steil. Norbert setzte wieder Eisschrauben, damit wir sicher über den schmalen und steilen Kurzaufstieg zum Gipfel gelangten. Gegen 9.00 Uhr waren wir oben. Dann sind wir wieder abgestiegen und haben in südwestlicher Richtung das Balmenhorn (4.167m) mit seiner großen Christusstatue angepeilt. Dieses hatten wir gegen 9.50 Uhr erreicht. Abermals wurde der Rucksack abgelegt und ohne Gepäck machten wir uns auf zur Vincent-Pyramide (4.215m). Um 10.20 Uhr waren wir auf dem Gipfel und um 11.00 Uhr waren wir wieder abgestiegen und zum Balmenhorn zurückgegangen. Alles in allem 5 Viertausender in ca. 5 Stunden und alles bei ausgezeichneten Witterungsverhältnissen und hervorragender Sicht. Es geht nicht schöner und besser. Nach einer Rast machten wir uns gegen 11.30 Uhr wieder auf zum Piodejoch um dann auf dem Grenzgletscher bis zur Monte-Rose-Hütte (2.795m) abzusteigen. Auf Grund der Routenerweiterung war es recht spät geworden und der Schnee auf dem Gletscher war schon weich und sulzig. Die Wegfindung war auch nicht ganz einfach, und so gestaltete sich der Abstieg auf dem Gletscher ein wenig unangenehm. Fast jeder brach einmal, mehr oder weniger tief, im Schnee ein. So waren wir alle sehr froh, als wir gegen 15.45 Uhr die Monte-Rosa-Hütte unbeschadet erreichten. Beim Waschen mit Gletscherwasser am Trog im Freien, welches durch die schwarze offenliegende Wasserleitung durch die Sonne angewärmt war, konnten wir uns wieder erfrischen. Bei einem ausgiebigen Abendessen wurde die Wochentour gebührend gefeiert, und es folgte eine geruhsame Nacht.

Am Samstag, dem 12.7.03 machten wir uns um 7.50 Uhr auf den Weg zum Gornergrat. Von der Monte-Rosa-Hütte stiegen wir auf der Moräne ab zum Grenzgletscher. Dieser wurde in nordwestlicher Richtung bis zum Gornergrat überquert. Hier stiegen wir wieder auf, bis zur Gornergratbahnstation Rotenboden (2.815m), wo wir gegen 10.30 Uhr eintrafen. Die große Anzahl von japanischen Touristen die wir hier antrafen, zeigte uns, dass wir zurück in der Zivilisation waren. Beim Warten auf die nächste Zahnradbahn, wurde Hans Wysk von freundlichen Japanern gebeten, sich für ein Foto mit ihnen zur Verfügung zu stellen. So posierte den Hans als „Vorzeigebergsteiger“ mitten unter den Japanern. Vielleicht wird das Bild ja mal in einer japanischen Zeitung veröffentlicht? Dann wurde mit der Bahn nach Zermatt abgefahren und mit dem Taxi ging es zurück nach Täsch. Hier kamen wir um 12.00 Uhr an. Hans Eberweiser wartete bereits auf uns. Nach dem unser Gepäck in den Autos verstaut war und wir uns alle voneinander verabschiedet hatten, begann gegen 12.30 Uhr die Heimreise.

Falls es bisher noch unerwähnt geblieben sein sollte, aber während der ganze Woche hatten wir ausgezeichnetes Wetter. Mit Ausnahme vom Mittwoch, an dem mittags Bewölkung aufzog, hatten wir fast immer strahlend blauen Himmel. Es war wohl die erste Hochtour in der Geschichte der Sektion, in der mehr absolviert wurde als ursprünglich geplant war. So kann man sagen, dass unser Führer Norbert seinem Synonym „Sonnenkönig“ voll gerecht wurde. Dem Norbert sei an dieser Stelle nochmals recht herzlich für die Organisation und Durchführung der Hochtourenwoche gedankt.

Diese Hochtourenwoche mit 11 Viertausendern wird allen Teilnehmern wohl noch lange in guter Erinnerung bleiben.

… und wenn sie nicht nach Hause gemusst hätten, wären sie wohl noch heute unterwegs …

J.Beeres

Kategorie: Hochtourengruppe

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