Mit dem Rad aufs Dach des Schiefergebirges

| 16. Mai 2020 | Keine Kommentare

von Peter May, Koblenz

Die höchste Erhebung des Rheinischen Schiefergebirges, das sich über 300 Kilometer von den französischen Ardennen über Eifel, Hunsrück, Westerwald und Taunus bis zum hessischen Rothaargebirge erstreckt, ist der 881 Meter hohe Große Feldberg im Taunus. Aufgrund seiner Prominenz und Dominanz beherrscht er deutlich seine Umgebung. Mit dem mächtigen Fernsehturm auf seinem Gipfel ist der Feldberg im weiten Umkreis leicht zu erkennen. Klar, dass ich als leidenschaftlicher Gipfelsammler diesen besonderen Berg irgendwann einmal mit dem Rennrad „besteigen“ wollte. An einem sonnigen Donnerstag Anfang Mai im Corona-Jahr 1 ist es soweit. Ich habe mir kurzfristig einen Tag Urlaub genommen, weil das Wetter passt und weil ich werktags im Shutdown wenig Verkehr auf den Straßen erwarte. Bei Oberursel, 10 km nördlich von Frankfurt, stelle ich am Parkplatz Hohemark mein Auto ab. Ich lade das Rennrad aus dem Kofferraum, schnalle einen keinen Rucksack mit Karte, Pannenset, Windshirt und Energieriegel auf und los geht´s. Die Uhr zeigt 10.40 an, der Höhenmesser 320 Meter. Draußen sind es gerade mal 14 Grad, aber es ist sonnig und windstill. Sofort geht es bergan, nicht sehr steil, aber dafür beständig. Auf der bestens ausgebauten „Kanonenstraße“ kurbele ich mich die erste Stunde lang in die Höhe. Die Steigung ist gutmütig: bis zum Sandplacken-Pass sind es nicht mehr als 6 Prozent, nur auf dem letzten Stück vorm Gipfel wird es bis 10 Prozent steil. Ich muss mich also nicht verausgaben und erreiche kurz vor Mittag den höchsten Punkt des Feldberges.

Auf dem Gipfel des Großen Feldbergs im Taunus

Ich bin nicht alleine hier, zahlreiche Motorräder, Wanderer und andere Radler bevölkern das geräumige Gipfelplateau. Schade, dass der Aussichtsturm geschlossen ist. So bleiben mir die heute gewiss großartige Fernsicht und die elegante Frankfurter Skyline leider verwehrt. Nach ein paar Fotos und einem kurzen Plausch mit einem 71-jährigen (!) Rennradler, der sich auf das verschobene Henninger-Turm-Rennen vorbereitet, fahre ich weiter.

880 Meter über dem Meeresspiegel – höher geht´s nicht im Rheinischen Schiefergebirge

Für die nun folgende rasante Abfahrt über die Rückseite des Feldberges nach Reifenberg habe ich ein langes Shirt und die Windjacke übergezogen – was sich als überaus nützlich erweist, denn auf der schattigen Nordseite des Feldberges ist der Fahrtwind immer noch empfindlich kühl. Es dauert nur wenige Minuten, dann sind 300 Höhenmeter getilgt und ich erreiche Niederreifenberg. Nun geht es zügig, immer mit leichtem Gefälle an der Weil entlang über Schmitten und Dorfweil bis nach Brombach. Hier leiste ich mir einen dummen Verhauer: weil ich die ausgedruckte Kartenskizze nicht richtig gelesen habe, biege ich eine Abfahrt zu früh nach links ab. Statt dem Tal weiter zu folgen, fahre ich den Berg hinauf nach Treisberg, um umständlich über Wirtschaftswege das eigentlich anvisierte Finsternthal zu erreichen. Dieser Lapsus kostet mich 150 Fehlerpunkte, will sagen: 150 zusätzliche Höhenmeter. Macht aber nichts, die Landschaft und das Wetter sind schön und die Beine sind auch noch gut.

Weitblick in den Taunus bei Treisberg
Schönheitsfehler im Landschaftsidyll: abgestorbener Fichtenwald

Nun geht es in der warmen Mittagsonne hinauf nach Mauloff und danach auf eine Art Passhöhe auf 550 Meter. Hier biege ich linkerhand auf die Bundesstraße B 275 ab. Zum Glück geht es bergab und ich kann in zügigem Tempo die Schnellstraße hinter Reichenbach wieder verlassen. Meine Route biegt jetzt scharf nach links in das Tal des Emsbachs ab. An der Oberndorfer Mühle erreiche ich mit 310 Metern den niedrigsten Punkt auf der Nordseite des Feldberges. Ich muss also erneut den ganzen Taunuskamm hinauf steigen, um mein Auto auf der Südseite zu erreichen. Für den folgenden langen Anstieg mache ich in Oberems eine Pause, um etwas zu essen und das langarmige Shirt auszuziehen.

Pausenbank bei Oberems

Der Energieriegel verfehlt nicht seine Wirkung. Ohne Probleme, wenn auch langsam, erklimme auf einer Serpentinenstraße weitere 200 Höhenmeter bis zur Kittelhütte bei Niederreifenberg. Im Ort geht es noch mal kurz, aber sehr steil aufwärts nach Oberreifenberg mit seiner malerischen Burgruine.

Blick auf den Großen Feldberg von Oberreifenberg

Immer weiter ansteigend quere ich dann auf der Siegfriedstraße den Nordhang des Großen Feldberges auf 700 Meter Meereshöhe. Am Hotel Sandplacken treffe ich wieder auf die Aufstiegsroute, die eine schnelle, genussvolle Abfahrt verspricht. Windjacke an und jetzt mit bis zu 60 Stundenkilometern hinab nach Oberursel! Das Adrenalin mischt sich mit der Vorfreude über die gelungene Rundfahrt. Ich bin froh und dankbar, als ich nach gut vier Stunden Fahrt wieder am Auto bin, ohne Panne, ohne Unfall, ohne Überforderung. Am Ende waren es 62 Kilometer und 1.300 Höhenmeter Fahrt in einer Landschaft, die von viel Wald und ebenso viel Auf und Ab geprägt ist. Die Stunde Anfahrt von Koblenz hat sich jedenfalls gelohnt! Karte: Wanderkarte mit Radwegen 1 : 25 000, Hrsg. NaturNavi GmbH, Blatt 47-557 Hochtaunus, ISBN 978-3-96099-061-1

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Kategorie: Albatros, Klettergruppe, Klettergruppe Albatros

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