Lenzspitze Nord-Ost-Wand – ein Pfingstausflug in die „Dreieselswand“

| 16. August 2012 | 2 Kommentare

Wir begannen um 7.30 Uhr mit dem Aufstieg von Saas Fee aus. Im Rucksack Verpflegung für drei Tage für den Winterraum der Mischabelhütten, Eisgeräte, Steigeisen, zwölf Eisschrauben und Schneeschuhe- die wir dann doch nicht brauchten. Trotz eingehender Internetrecherche war nichts über die derzeitigen Verhältnisse in der NO-Wand der Lenzspitze (4294m) herauszubekommen und bezüglich des Wetters gingen die Meinungen je nach Wetterportal auch auseinander.

Also starteten wir unsere Tour ins Ungewisse bei blauem Himmel frühzeitig, um nicht in das für Nachmittag in allen Wetterportalen gemeldete Gewitter zu geraten- denn es lagen immerhin 1550 Höhenmeter, zum Schluss über einen mit Drahtseilen und Krampen versicherten noch verschneiten Grat vor uns…

Die alte Mischabelhütte war zum „Winterraum“ umfunktioniert worden und ist urgemütlich. Der letzte Eintrag im Hüttenbuch war vom November 2011- war so lange keiner hier oben? Bei traumhafter Kulisse hackte Friedhelm das Holz vor der Hütte, bis der Ofen schließlich zog und die Küche nicht mehr vollqualmte verging allerdings einige Zeit. Dann wurde der Schnee in großen Töpfen geschmolzen- und bis unsere vier weiteren Winterraumbesucher aus Karlsruhe und Devon/ England eintrafen, war der Tee schon fertig.

Am nächsten Morgen starteten wir um drei- es war eiskalt und der böige Wind war unangenehm. Wir stapften über den verschneiten Moränenrücken und betraten etwa bei 3600 Hm den Hohbalmgletscher, den wir querten um an den Fuß der NO-Wand zu gelangen. Der Bergschrund war problemlos zu überwinden und die erste Hälfte der 500 m hohen, bis 55° steilen (D-) Wand hatten wir wunderbaren Trittfirn- was man von der zweiten Hälfte nicht behaupten konnte. Bei Eis mit leichter bröseliger Schneeauflage mussten wir nun sichern- und das dauerte…

Als wir den Gipfel erreichten wussten wir, welches Wetterportal richtig gelegen hatte- es begann heftig zu schneien und hörte auch erst wieder am nächsten Morgen auf…

Während die beiden Karlsruher das Nadelhorn über den Normalweg bestiegen hatten, waren Nick und Bryce vor uns in der NO-Wand- die Überschreitung zum Nadelhorn mussten sie aufgrund der Bedingungen abbrechen. So seilten und stiegen wir alle durch die komplette NO-Wand wieder ab, begleitet von kleinen Schneerutschen, die die Wand abwärts sausten.

Der deutsch-englische Abend klang in gemütlicher Runde, nachdem alle sechs Schneemänner wieder aufgetaut waren, bei heißem Tee und spannenden Erzählungen aus.

Alle erreichten nach Abstieg über den tiefverschneiten Grat am nächsten Tag Saas Fee- und während „England“ noch bleiben durfte, musste „Deutschland“ wieder nach Hause fahren…

Heike Schuster-Hulley & Friedhelm Hulley

Kategorie: Hochtourengruppe

Kommentare (2)

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  1. Peter sagt:

    Schöner Bericht, tolle Fotos.

  2. Uwe sagt:

    Hallo Heike & Friedhelm,
    Klasse Bilder und super Bericht
    LG Uwe

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