Kletterwochenende im Schweizer Granit

| 15. Juli 2001

Als “Dankeschön” an Peter Stumm, für seine Pflege nach meinem Kletterunfall, hatte ich ihm eine Klettertour versprochen. Ich entschied mich für den Hochschijen (2.634 m) im Göschenertal oberhalb der Bergseehütte (2.370 m).

Es sollte Peters erste alpine Bergtour werden. Die Besteigung des Hochschijen erfolgt über den Südgrat im Schwierigkeitsgrad 3 bis 4+ und hat 11 Seillängen zu bieten.
Nachdem wir ein Wochenende ausgewählt hatten hofften wir nunmehr auf gutes Wetter.

Die Wetteraussichten für unser geplantes Wochenende waren leider nicht die besten.
Für Donnerstag (05.07.01) waren aber noch stabile Verhältnisse vorausgesagt. Ich beschloß daher, noch Mittwoch abends loszufahren um den Donnerstag als Klettertag nutzen zu können.

Wir fuhren um 19.32 Uhr von Elgendorf ab und kamen um 01.00 Uhr (05.07.01) am Parkplatz des Staudamms Göscheneralpsee an. Gudrun schlief im Auto. Peter und ich rollten schnell die Isomatten aus, kramten die Schlafsäcke und die Biwaksäcke hervor und machten es uns auf dem Parkplatzasphalt bequem. Das Rauschen des Baches war sehr laut. Peter hatte bedenken, daß er nicht einschlafen könne. Nachdem ich mich zweimal in meinem Schlafsack gedreht hatte schnarchte er bereits. Nachts wurden wir mehrmals wach, weil wir von den Isomatten immer wieder unter das Auto rutschten (wir hatten leichte Hanglage). Um 05.30 Uhr am Donnerstag war die Nacht vorbei. Der erste Pkw mit Wanderern kam an und wir bekamen es mit der Angst zu tun.

Gudrun mußte sich auch erst mal aus dem Auto wickeln. Um 06.15 Uhr stiegen wir zur Bergseehütte (2.370 m) auf, die wir nach einer Stunde und vierzig Minuten erreichten. Wir bezogen unser Lager und packten die Kletterrucksäcke. Um 09.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Einstieg. Über Blockwerk mit kleinen Schneeresten ging es zum Einstieg. Es dauerte aber etwas länger als geplant, bis wir den Einstieg (2.500 m) gefunden hatten (wir waren etwas zu weit gegangen). Um 11.40 Uhr waren wir aber ausgerüstet und angeseilt und ich konnte, nachdem ich den ersten geschlagenen Ringhaken gesehen hatte, in die Tour einsteigen.
Peter hatte Bedenken, dass wir dort hinaufklettern könnten. Die Schwierigkeiten in den ersten Seillängen lagen bei 3 bis 4, so dass sich immer wieder ein kletterbarer Weg fand. Wir kamen als Dreierseilschaft zügig voran. Hilfreich waren hierbei auch zwei Sicherungsplatten.

Nach dem ersten Grataufschwung mit 4 Seillängen folgten 2 weitere Seillängen auf dem Grat. Für den Standplatzbau bedurfte es teilweise schon einiger Improvisation. Nun folgte eine Abseilstelle in eine Scharte. Von hier aus wäre auch ein Notabstieg möglich gewesen. Das Wetter hielt aber und wir konnten unsere Tour fortsetzen. Es folgte nun die schwerste Seillänge unserer Tour. Sie ist mit 4+ bewertet. Wir konnten sie aber alle drei meistern. Gudrun klagte über den schweren Rucksack, den sie als Nachsteigerin zu tragen hatte. Die schweren Bergschuhe darin behinderten sie doch ziemlich. Der Grat wurde flacher und wir kletterten 2 Seillängen im Dreiergelände hoch und runter. Nun war nur noch der Gipfelaufschwung zu meistern. Es folgten 2 schöne 3+ Seillängen und schon konnten wir die Rundumaussicht auf viele noch schneebedeckte Gipfel geniessen. Nach 4 Stunden und 11 Seillängen mit 300 m Kletterlänge standen wir auf dem 2.634 m hohen Hochschijen. Es war mittlerweile 15.40 Uhr.
Nun musste wieder abgeseilt werden. Es folgten 4 Abseilstellen (insgesamt 60 m) bis zum Wandfuß des Westgrates. Hier konnten wir die Kletterausrüstung wieder in den Rucksäcken verstauen und die festen Bergschuhe wieder anziehen. Gudrun war sehr froh darüber. Da der nun folgende Abstiegsweg teilweise noch vom Schnee bedeckt war, mußten wir uns immer wieder einen Weg suchen.
Über großes Blockwerk führte uns der Weg wieder zur Hütte zurück. Mittlerweile war es bereits 18.00 Uhr. Gerade noch Zeit genug um die Kletterschuhe in die Sonne zu stellen, die Bergschuhe auszuziehen und die Klettersachen zu sortieren. Zu dritt teilten wir uns noch eine Dose wohlverdientes Bier. Um 18.30 Uhr rief die Hüttenwirtin zum Abendessen.

Vor dem Abendessen gönnten wir uns und unseren Mägen auf den Gipfelerfolg noch einen Schweizer Grüterschnaps. Nach dem Essen genehmigten wir uns einen Liter Walliser “Dole” (Rotwein). Um 22.30 Uhr fielen wir müde und kaputt von den Anstrengungen des Tages in unser gemütliches Lager.

Am Freitag, 06.07.01, ließen wir es ruhig angehen. Gefrühstückt wurde erst um 07.30 Uhr. Es wehte ein kräftiger Fön, der das schlechte Wetter aus dem Süden noch zurückhalten konnte. Wir entschlossen uns von der Hütte abzusteigen. Für die geplante Tour am Bergsee-schijen war die Wettervorhersage leider nicht gut genug. Außerdem lag auf dem Abstiegsweg noch sehr viel Schnee. Auch der Einsatz eines Rettungshubschraubers am Vortag, der eine Person aus diesem Gebiet hinaus flog, beeinflusste wohl unsere Entscheidung. Die Vernunft siegte!

Wir stiegen gegen 09.00 Uhr gemütlich von der Bergseehütte ab. Um 10.10 Uhr kamen wir wieder am Auto an. Wir warfen alles hinein und fuhren zur Voralpkurve in Richtung Göschenen. Hier parkten wir das Auto und stiegen 30 Minuten Richtung Sandplatte am Sandbalm auf. Nach dem wir den Bach überquert hatten standen wir kurz darauf am Einstieg unserer Klettertour.

Die Tour, die ich ausgesucht hatte, war etwas schwerer als am Vortag dafür aber auch kürzer. Plattenkletterei war für Peter etwas ganz Neues. Ich hatte ihm vorher auch nicht genau gesagt, wie schwer die Tour sei.
“Reisfresser” hieß die Tour, mit 4 Seillängen im Schwierigkeitsgrad 5 bis 6- bewertet.

Verschiedentlich hat es mich durch die starken Windböen fast aus der Tour ge-weht. Ich glaubte, ich muß etwas zunehmen. Mein “Heino-Tuch” ist mir auch davongeflogen. Trotz dieser Widrigkeiten gelang es uns dreien die Tour zu meistern. Ein schöner Erfolg!

Nachdem wir uns am rauschenden Bach, in der Sonne liegend, ausgeruht hatten, versuchte ich mich noch an der Nachbartour, aber ohne Erfolg.
Wir stiegen wieder zum Auto ab und fuhren über den Sustenpaß zum Hotel Steingletscher. Dort fanden wir für uns noch Lagerplätze über einer Garage. Im Windschatten unseres Autos genossen wir eine Flasche Rotwein. Peter hatte den Wein für die Familiengruppenfahrt zur Probe mitgebracht. Das Leben eines Familien-Gruppenleiters ist nicht so einfach.

Am Samstag, 07.07.01, fiel der Föhn zusammen und das schlechte Wetter hielt mit starken Regenschauern Einzug. Da für den ganzen Samstag keine Besserung vorausgesagt wurde, und wir am Sonntag sowieso nur bis mittags bleiben wollten, entschlossen wir uns nach Hause zu fahren. Kurz vor 18.00 Uhr sind wir wieder gesund in Elgendorf eingetroffen.

Heino Loichen

Kategorie: Familiengruppe

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