Klettern im Sarcatal

| 13. August 2005

Fahrt der Klettergruppe nach Arco vom 27.08. – 4.9.2005

Im Sarcatal in der Nähe des Gardasees gelegen, war Arco das Ziel unserer diesjährigen Fahrt. In diesem Klettermekka erwartete uns, das sind 14 Mitglieder der Klettergruppe (Susanne, Katrin, Karin, Barbara, Thomas G., Peter M., Melanie, André, Birgit, Tina, Detlev, Peter R., Hermann und Rafael), eine große Vielfalt an Klettergebieten mit südlichem Flair.

Bereits am Freitag starteten Birgit und Hermann in aller Ruhe als unsere Vorhut. Da leider keine Reservierung am Campingplatz möglich war, organisierten sie für den Rest der Gruppe in mühevoller Überredungsarbeit nach und nach genügend Plätze. Die erste Nacht regnete es stark, sodass der Samstag schwülwarm wurde. Nachmittags trafen dann die meisten nach mehr als 8 Stunden Fahrt nach und nach ein. Melle und Andre hatten die kürzeste Anfahrt vom Ledro-See aus, wo sie schon 1 Woche Urlaub machten.

Recht schnell hatte man sich an eine gewisse Lässigkeit bei den hygienischen Bedingungen der Sanitäranlagen gewöhnt. Nun, es war wirklich sehr voll, eben noch Ferienzeit.

Am Samstag mussten dann einige erst noch ihre in Ettringen arg strapazierten Kletterschuhe um ein neues Modell in den üppig ausgestatteten Kletterläden von Arco ergänzen.

Am Samstagnachmittag konnte im Klettergarten von Massone bereits eine erste Kontaktaufnahme mit dem Fels stattfinden. Der erste Eindruck war allerdings eher ernüchternd: die Routen in einem der ältesten und meist besuchten Klettergebiete von Arco sind von den zahllosen Begehungen schon sehr stark abgespeckt und außerdem sehr kraftraubend. Obwohl die Routen sportklettermäßig abgesichert sind, ist daher schon gleich eine gute Vorstiegsmoral gefordert.

Früh zeigt sich, dass Detlef und Thomas sich klettermäßig gut ergänzen, sodass die Gruppe meist zwei erschöpfte aber zufriedene Gestalten am Essplatz abends vorfindet, die von ihren langen, schweren und abenteuerlichen Klettereien berichten (z. B. free solo-Begehung der Via 46 ° Parallelo 4a, 7 SL). Sehenswert das Tape-Kunstwerk, dass Thomas uns in den letzten Tagen an seinen Zehen präsentiert.

Nach den Erfahrungen vom Vortag in Massone sucht sich die Gruppe für Sonntag ein neu erschlossenes Klettergebiet bei Niére aus. Hier sind Ein- bis Dreiseillängenrouten in erstaunlich rauem Kalk geboten. Der tolle Fels und das große Angebot von Routen im moderaten Schwierigkeitsbereich entzündete das Kletterfieber. Auf einmal gibt es zu wenig Nachsteiger weil jeder jetzt mal eine Route vorsteigen will. Besonders gefreut hat es uns, dass Peter R. immer mehr zu alter Form zurückfindet. In gewohnter, ruhiger und sicherer Manier konnte er verschiedene schwierige und anspruchsvolle Routen vorsteigen. Seine eigene Freude darüber war nicht zu übersehen.

Montags sind wir gut „eingeklettert“ und wagen uns an die längeren Routen im Sarcatal. Wir fahren zu den Sonnenplatten, wo wir uns auf Zweierseilschaften aufteilen und je nach Können und Wollen verschiedene Mehrseillängenrouten klettern. Auch hier ist der Fels teilweise arg abgespeckt, was sich auf den Reibungsplatten besonders unangenehm bemerkbar macht. Dazu drückt uns die pralle Sonne den Schweiß aus allen Poren. Bei bis zu 400 m Wandhöhe ist schon ein wenig Ausdauer gefragt, zumal anschließend noch zu Fuß abgestiegen wird. Dennoch haben alle ihren Spaß und ihr Erfolgserlebnis.

Montag war dann auch der Anreisetag für uns beiden Nachzügler Susanne und mich, die wir wegen privater Termine nicht schon am Samstag weg konnten. Schön war es dann, von der Gruppe mit guter Laune und viel Herzlichkeit in Empfang genommen zu werden. 3 Tage Klettern lagen nun schon hinter diesen Glücklichen. Andererseits hatten wir wenigstens den Regen nicht mitbekommen. Aber erst mal schnell Zelt aufbauen, Auto ausräumen und Essen machen, dann erzählen. Ein bisschen Sorge machen die Berichte über Autoaufbrüche. Melle´s Auto wurde bereits aufgebrochen, sodass sie die ganze Zeit über ihre Fahrertür nicht mehr abschließen kann. Gestohlen wurde lediglich die Sonnenbrille.

Am Dienstag hatte man sich schnell geeinigt, dass in einem der Top-Gebiete von Arco oberhalb der Ortschaft Nago geklettert wird. Man fährt durch den schönen alten Ortskern von Nago um das sehr beliebte Klettergebiet zu erreichen. Hier finden wir geneigte bis senkrechte Wandklettereien an scharfen Schuppen, Tropflöchern und Leisten vor. Wir entscheiden uns für den Sektor A. Schnell stellen wir fest, dass viele Routen sehr stark abgespeckt sind, sodass die Tritte sehr sorgfältig gewählt werden müssen. Dafür entschädigen uns die schönen langen Touren, die in der Regel 20 m Höhe haben. Thomas und Detlef bevorzugen dagegen die hohen Wände und klettern am Rupe Secca, gleich über dem Campingplatz Arco gelegen, die Mehrseillängenrouten Aspettando Martino 5c und die Cinque Stagioni, ebenfalls 5c.

Am Mittwoch wollen Peter M. und Katrin sowie Hermann und Peter R. jeweils eine Mehrseillängentour machen. Erstere klettern einen Klassiker am Monte Colodri, die Via Renata Rossi (10 SL, 6a+). Die stellenweise extrem luftige Route hat in Bezug auf Länge, Rückzugsmöglichkeiten, Felsqualität und Absicherung durchaus alpinen Charakter. Die beiden anderen entscheiden sich für die Route Aspettando Martino (6 SL, 5c) am Rupe Secca, die bei guter Absicherung mit gebohrten Stand- und Zwischenhaken genussvolle Kletterei an solidem Fels aufweist. Unterdessen klettern die „jungen Wilden“ Thomas und Detlef einen anderen Colodri-Klassiker, die Via Somadossi (ca. 12 SL, 6a+).

Der Rest der Gruppe fährt nach Crosano, das ca. 18 km von Arco entfernt liegt. Das Gebiet ist bekannt für gemäßigtes Sportklettern. Die Routen sind technisch anspruchsvoll und verlangen eine Portion Fingerkraft, da sie meist knifflige Einzelstellen haben. Mit zwei Autos geht es los. Im Örtchen Cazzano entdecken wir keinen Wegweiser zu den Felsen, dafür aber zwei Carabinieri, die wir nach dem Weg fragen. Ungewollt bekommen wir nun eine Eskorte durch den Ort hinunter zur kleinen Kapelle mit dem Parkplatz. Solch ein Service, allerdings immer mit strenger Amtsmiene. Etwas später allerdings erregen wir den Argwohn der beiden, weil wir uns noch immer auf dem Parkplatz aufhalten um auf den Rest unserer Gruppe zu warten. Man inspiziert uns und kommt nach einem kurzen Gedankenaustausch wohl doch zu dem Ergebnis, dass wir harmlos sind.

Das Klettergebiet liegt voll der Sonne ausgesetzt. Nur die Sichernden haben manchmal das Glück am Fuß etwas Schatten zu haben. Das ausgiebige Klettern beschließen wir mit einigen Übungen an aufgestellten Geräten. Oh ja, man könnte ja auch mal wieder Krafttraining machen!

Am Donnerstag wollen wir wieder gemeinsam etwas unternehmen. Nach einigen Diskussionen entschließen wir uns für den Klettergarten Muro del Asino. Das Gebiet liegt ganz in der Nähe von Arco und ist daher gut besucht. Allerdings übertrifft die Dichte der Routen und die Menge an Kletterern dann doch unsere Erwartungen. Nachdem wir uns von dem Schock erholt haben, geht es dann doch guter Dinge ans Klettern. Die Bewertungen erscheinen nicht allzu streng zu sein, sodass die Erfolgsmeldungen sich mehren. Oder sind es die Tage am Fels, die einen voranbringen? Unsere Alpinisten Detlef und Thomas haben sich an einer weiteren abenteuerlichen Mehrseillängenroute vergnügt, der „Bauleiu Village“ (5 SL, VI) im Sektor Rupe Secca Sud.

Nun endlich ein Eis in Arco im Trafica! Dazu gibt es wirklich keine Alternative. Auf der Bank sitzen, die müden Beine ausstrecken, das kühle Eis genießen. Ausschau halten, wer unter den Passanten denn wohl einer/eine der Größen beim am Wochenende stattfindenden „Rock Master“ sein könnte.

Am Freitag nutzen Birgit, Rafael und ich die Gelegenheit, mit Katrin, Peter M. und Hermann jeweils eine Mehrseillängentour am Colodri machen zu können. In 3 Seilschaften nehmen wir uns die „Aspettando Martino“ vor. Sechs Seillängen auf 180 m mit zwei 5c Stellen. Der Abstieg über einen steilen Klettersteig ist dann das Sahnehäubchen. Ein sehr schöner Tag!

Die Hitze treibt uns danach ins Schwimmbad, dessen blaues Becken so mancher vom Colodri aus, durstig und verschwitzt, sehnsuchtsvoll anvisiert hat. Auch die Autodiebe waren heute nicht faul und haben es diesmal auf Peter R.`s Auto abgesehen, der mit Karin im Spigolo Sud (3 SL, 5a) am Rupe Secca unterwegs ist. Recht dreist entwenden sie die Autoschlüssel aus dem Rucksack und inspizieren sein Auto. Mit wenig Erfolg. Zum Glück ist nichts beschädigt und der Schlüssel wurde „freundlicherweise“ auch zurückgelassen.

Derweil verbringt die Sportkletter-Fraktion (André, Melle, Tina, Susanne) einen weiteren Klettertag in Niére, während Detlef und Thomas ihre Alpin-Woche mit der „Oceano“ (7a/A0, 15 SL, 650 Hm) an den Sonnenplatten krönen.

Samstag ist nun schon für einige Abreisetag. Katrin, Tina, Susanne, Hermann und ich wollen nach Marciaga in der Nähe von Garda. Eine lange Fahrt zwar, aber das Gebiet entschädigt uns für alles. Ein langer Felszug mit einem großen Klettergebiet. Aber vorher sinkt zwischenzeitlich die Stimmung stark ab. Nach der langen Fahrt und der mühseligen Wegfindung erwarten uns bereits drei aufgebrochene Autos an dem kleinen Parkplatz, bewacht von der verträumten Kapelle. Nichts wie weg hier und im Ort parken. Es sind ja nur !!! 2 km mehr zu laufen in praller Sonne. Aber dann Marciaga. Anspruchsvolle Touren im Schatten gelegen. Ein schöner Abschluss, der mit einem Bad im Gardasee beschlossen wird. Gerade noch rechtzeitig ehe das obligatorische Gewitter niedergeht. Die Rückfahrt am See lässt uns Zeit, in Gedanken Abschied von dieser gelungenen Kletterwoche zu nehmen, wo sicher jeder seine spezielle Traumtour gefunden hat.

Barbara Frank

Kategorie: Klettergruppe

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