Kleine Gebirge ganz groß – auf dem Maximiliansweg immer am Grat entlang

| 3. August 2021 | Keine Kommentare

2021 – im Coronajahr 2 ! bin ich hoch über den Königsschlössern in den Ammergauer Alpen, im Estergebirge und in der Soierngruppe unterwegs. Ich überquere dabei 4 Flüsse und habe vor in 5 gastlichen Hütten zu übernachten.

Lange Ausblicke und viele Höhenmeter versprechen einen ständigen Wechsel der Perspektiven mit überraschenden Einsichten und vielleicht auch neuen individuellen Erkenntnissen.

Schon die Tourplanung gestaltet sich spannend. Die Frage, wann die Hütten in Bayern tatsächlich wieder Gäste zur Übernachtung aufnehmen, kann ich kurz vor dem Start nicht vollends abklären. Ohne zu wissen, ob ich in allen Hütten unterkommen werde, mache ich mich Ende Juni mit der DB auf den Weg nach Füssen. Ich schau einfach mal was möglich ist.

Lech

Ich überquere den Lech dessen Wasser voller Kalkteilchen ist, die aus dem einfallenden Sonnenlicht intensive Farben zaubern.

Zunächst geht es mit der Tegelbergbahn hoch auf 1.700m.

Blick auf Schloss Neuschwanstein

Der Gipfel des Branderschofen, 1.880m bietet eine tolle Aussicht auf den Forggensee.

Forggensee

Über der Hochplatte hängen die Wolken tief – zu riskant – hier oben findet mich niemand. Ich entscheide mich steil in das Lobental abzusteigen.

Wanderfleckkapelle

Vorbei an der Wanderfleckkapelle mit dem „Matterhorn der Ammergauer Alpen“ (Geiselstein) im Hintergrund. Die Kapelle befindet sich in einem abgeschiedenen Hochtal mit uralten Bergahornbäumen und ist von einer bizarren Felsarena umgeben.

Unweit der Hütte stürzt ein großer, wildromantischer Wasserfall den Fels hinunter. Auch König Ludwig II. verweilte hier gern.

Die Hütte ist ein Eldorado für Mountainbiker. Sie ist leicht aus dem Halblechtal zu erradeln und bietet köstliche Brotzeiten an.

Ich freue mich auf meine 1. Übernachtung in der urigen Kenzenhütte.

Kenzenhütte

Ein neuer Tag beginnt. Die Hochplatte in der Morgensonne. Das Wetter scheint gut zu werden. 

Hochplatte im Morgenlicht

Über den Bäckenalmsattel steige ich hoch zum Klammspitzgrat, 1.890m. Hier beginnt eine aussichtsreiche Kammwanderung. Ich sehe die Zugspitze im Wetterstein, Karwendel, Mieminger Kette, die Allgäuer Alpen. Im NO Staffel-, Kochel- und Walchensee und vor mir tief unten im Tal das Lindergries. Ein schmale Pfad schlängelt sich abenteuerlich über ausgesetzte und spannende Kraxelstellen im ersten Grad zunächst bis zur Großen Klammspitze, einer formschönen Felsgestalt oberhalb von Schloss Linderhof.

Große Klammspitze, 1.925m – Ammergauer Alpen

Konzentriert gehe ich den exponierten Abstieg an, heikle Stellen sind seilversichert.

Ups! Eine bekannte Stimme. Jutta und Frank kommen mir entgegen. Damit habe ich nun gar nicht gerechnet. Was für eine Überraschung. Sie haben ihre Zelte in Oberammergau aufgeschlagen und sind mir aus dem Lindertal entgegen gekommen.

Brunnenkopfhäuser

Die Brunnenkopfhäuser gehören zu dem ehemaligen königlichen Jagdhaus und bieten einen traumhaften Ausblick auf das Ammergebirge und auf Linderhof. Hier, in meiner 2. Übernachtung, verbringen wir gemeinsam einen wunderschönen Abend und verabreden uns noch für den nächsten Tag.

Jutta und Frank
Der Sonnenaufgang um 5:15Uhr am Brunnenkopfhaus sagt einen heißen Tag vorraus.

Ich gehe früh los. Heute möchte ich weiter über den Grat in Richtung Osten das August-Schuster-Haus (Pürschlinghaus) erreichen.

Klammspitzgrat

Während des Übergangs sammle ich noch einige am Weg liegende reizvolle Erhebungen ein. Das Laubeneck und den Hennenkopf. Der Steig zum Gipfelkreuz führt über kurze Aufschwünge und über Blockwerk zu einem von Felsen umrahmten Kessel.

Hennenkopf, 1.800m – Ammergauer Alpen

Nicht mehr weit ist es nun bis zum Teufelstättkopf. Hier endet auch die außerordentlich abwechslungsreiche und landschaftlich reizvolle Etappe auf dem Klammspitzgrat. Die Sonne brennt, zum Gipfel sind es noch 30Min., ich lasse ihn aber links liegen. Das Pürschlinghaus ist bald erreicht. Ich brauche dringend Schatten. Bei den Pürschlinghäusern handelt es sich um ehemalige Jagdhütten des Vaters von Märchenkönig Ludwig des II.

Pürschlinghäuser

Die Ausstattung überrascht mich. Die Internetseite kündigt nur fließend kaltes Wasser an und dann: modernste neue Sanitäranlagen, warmes Wasser und Duschen. Das kommt mir heute nach der Hitzeschlacht gerade recht. Hier sind gerade mal 2 Übernachtungsgäste.

Am Nachmittag treffen von der Hitze auch geschafft Jutta und Frank ein. Es wird auf der schattigen Terrasse wieder ein gemütlicher Tagesausklang.

Noch am Abend telefoniere ich mit der Weilheimer Hütte (Krottenkopfhütte) und erfahre, dass sie ab heute geöffnet hat. Was für ein Glück. Ich melde mich an. Alternativ hätte ich mir im Loisachtal ein Quartier gesucht. Ein sehr langer Tag steht mir morgen bevor – der Übergang in das Estergebirge. Gewitter sind für den Nachmittag angekündigt. Der Hüttenwirt kommt mir zu Hilfe, er muss morgen zum Einkauf ins Tal.

Mit einem Quad geht es früh am Morgen auf dem Wanderweg ziemlich halsbrecherisch hinab nach Unterammergau. Von dort weiter mit einem SUV der Schweizer Armee nach Oberau. Das Kloster Ettal fliegt an mir vorüber. Ich überquere die Ammer. Das Flüsschen ist der Namensgeber für das Gebirge welches ich heute verlasse.

Loisach

Schon kurz vor 9Uhr stehe ich auf der Brücke der Loisach, ein enormer Zeitgewinn. Sonst wäre es knapp geworden. Steht mir doch mit dem Oberauer Steig ein steiler Aufstieg von 1.200Hm bevor. Eine Tafel kündigt 5Std. bis zur Hütte an. Die Wettersituation ist prekär.

Rückblick auf Oberau, Ettal und auf die Ammergauer Alpen

Von dem Steig aus bieten sich mir immer wieder interessante Rückblicke auf Oberau, Ettal und auf das Ammergebirge. Zum Glück spendet mir der Wald auf den ersten Höhenmetern Schatten bevor ich das Kar unterhalb des Hohen Fricken durchquere.

Der Weg ist lang, steil, einsam und sonnig.

Frickenkar

Ich werde vom Hüttenteam erwartet. Nach einer ausgiebigen Trinkpause und einer guten Suppe bleibt mir doch noch ausreichend Zeit den höchsten Berg im Estergebirge, den Krottenkopf zu besteigen. Von hier ist besonders der Blick in das Isartal und in das Karwendel beeindruckend.

Krottenkopf, 2.100m – Estergebirge

Unwetter naht.

Zurück in der urigen Hüttenstube spendet bereits ein mit Holzscheiten beschickter Ofen für uns 5 Gäste eine mollige Wärme. Draußen toben Sturm und Hagel. Die Fensterläden scheppern.

Gaststube

Ich erfahre, dass das Soiernhaus (mein letzter angedachter Schlafplatz in der Soierngruppe) zwar offen ist aber noch keine Übernachtungsgäste aufnimmt.

Der Morgen auf 1.950m fühlt sich kühl und nass an.

Krottenkopfhütte

Die Höhenmeter vom Vortrag gehe ich heute über den Krüner Steig wieder bergab in das Isartal. Der Steig ist ein Geheimtipp vom Hüttenteam. Ich beschließe in Krün zu übernachten.

Krüner Steig

Zunächst entscheide ich mich für den Pfad, der unter dem Kamm bis zur Hohen Kisten führt. Von dort geht es stets talwärts durch verschiedene reizvolle Kare und Kessel – weit oben im Schutt wärmt sich in der Morgensonne eine Gamsherde auf. Schließlich durch Latschen und Lerchen vorbei an der noch geschlossenen Krüner Alm.

Krüner Alm

Am Ende des Tages kann ich mir noch einen Abstecher in die Finzalm erlauben und nehme bei einer Brotzeit Abschied von der Einsamkeit des Estergebirges.

Finzalm

Durch die Finzbachklamm erreiche ich Krün.

Ich lasse das Erlebte erst einmal sacken und verbringe einen Erlebnistag rund um Krün. Ich gehe durch die romantische Hüttlebachklamm und stelle mir dabei vor, wie die letzte Etappe am nächsten Tag durch die Soierngruppe ablaufen könnte – ohne Übernachtung im Soiernhaus.

Isar

Um 8Uhr überquere ich die Isar. Sie beeindruckt mich mit ihrer natürlichen Schönheit, mit ihren ausgedehnten Schotterbänken – ein letzter großer Wildfluss. Nur, zu kurz kann ich hier verweilen.

Mein Weg führt auf steilem Gelände durch Bergwald über den Seinskopf, 1.980m.

Schöttelkarspitze zum Greifen nah

Das große Gipfelkreuz ist in Sichtweite. Es geht über brüchiges Gelände und mit Kraxelei durch die Schöttelkarscharte. Es wird alpiner. Über den Grat zum Gipfel ist es schmal und schrofig.

Schöttelkarspitze, 2.050m – Soierngruppe

Am Ziel . . . nach 5,5Std. stehe ich am Gipfelkreuz der Schöttelkarspitze. Die Rundumsicht ist grandios, einzigartig, phänomenal.

Die Soienspitze ist deutlich an ihrer Pyramidenform zu erkennen und an ihrem Markenzeichen: die eigentümliche horizontale Gesteinsschichtung.

Blick vom Gipfel Richtung Osten

Hier oben hatte sich König Ludwig II. ein Teehaus errichten lassen. Er wußte warum . . . der Blick . . . .

Soiernhaus

Auf der Terrasse des Soiernhauses, das 1866 als königliches Jagdhaus erbaut wurde, gönne ich mir eine Stärkung.

Das alpine Panorama erstaunt und macht mich ehrfürchtig.

Soiernseen

Ich genieße noch einmal die einmalige Aussicht auf die beiden Soiernseen, in denen sich die Bergkämme spiegeln und deren türkise Färbung mich magisch anzieht.

Lakaiensteig

Für den weiteren Abstieg nehme ich den landschaftlich sehr reizvollen, teils mit Versicherungen versehenen und etwas ausgesetzten Lakaiensteig. Über die Fischbachalm gelange ich schließlich zurück zum Ausgangspunkt.

Ein großartiger Tag: 1.300Hm ↑↓, 9,5Std.

Meine Bilanz nach einer Woche Bergurlaub: die Bayrischen Alpen bieten ein harmonisches Nebeneinander von hochalpinen Eindrücken, lieblichem Almgelände und wilder Einsamkeit. Die Gipfel schenken Voralpenstimmung und Hochgebirgsfeeling.

Wieder zurück in Koblenz stellt sich bei mir ein Gefühl ein, das man nicht beschreiben kann –  das man erlebt haben muss.

Volker

 

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Kategorie: Aktuell, Allgemein, Bergsteigergruppe

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