Jahresbericht 2003 der Klettergruppe

| 10. Dezember 2003

Seltsam wie kurzfristig doch Langfristwetterprognosen sind. Im Jahr 2002, dem Jahr der Überschwemmungen und Jahrhunderthochwasser konnte man der Presse entnehmen, dass uns jetzt durch die langfristigen Klimaveränderungen nur noch feuchtwarme Sommer mit vielen und heftigen Unwettern bevorstehen. Die Gefahr für Überschwemmungen wächst und die Niederlande sind wahrscheinlich über kurz oder lang nur noch im Taucheranzug bewohnbar. Doch das Kurzzeitgedächtnis der Menschen schamlos ausnutzend waren sich in diesem Supersommer die Experten im Fernsehen und in der Presse einig, dass jetzt für die nächsten Jahrzehnte eine Versteppung Mitteleuropas droht. Giraffen und Löwen im Alpenvorland sind bald keine Utopie mehr. Und dies alles im Auftrag des überparteilichen unabhängigen Journalismus, der uns gnadenlos über die Missstände unserer Zivilisation aufklärt. Wahr scheint leider nur die weiter fortschreitende Klimaerwärmung zu sein, die man an den Gletscherständen der Alpen ablesen kann und dafür sorgt das so mancher Westalpengipfel unter den Füßen der Bergsteiger zusammenbricht. Für die jährlichen Klimaschwankungen gibt es übrigens eine banale Erklärung. Wenn die Klettergruppe ihre Gruppenbergfahrten durchführt haben wir verregnete Sommer, in Jahren ohne Gruppenbergfahrt scheint die Sonne ohne Unterlass. Sollte man Kachelmann und Kollegen aufklären? Gemäß dem Superwetter hatten wir in diesem Jahr zwar keine Gruppenbergfahrt geplant, aber nichtsdestotrotz waren die Mitglieder natürlich pausenlos unterwegs.
Im Januar nutzten wir die klirrende Kälte um an gefrorenen Wasserfällen unsere Steigeisen und Eisbeile auszuprobieren. Die neuesten Tipps für Eis- und Mixedklettern gab uns Gerd, der vorher nicht die Reise in die winterliche Schweiz gescheut hatte um sich von einem der besten Eiskletterer, Urs Odermatt, in die Geheimnisse dieser Spielart einweisen zu lassen. Im Februar war unser erstmalig durchgeführter Kletterworkshop im Kanditurm ein voller Erfolg. Das Feedback der 14 Teilnehmer war positiv und unsere Gruppe wuchs um drei neue Mitglieder. Den von unserem Ausbildungsreferenten Friedhelm Hulley organisierten Lawinenkurs in der Schweiz nutzten mehrere Gruppenmitglieder um ihr Wissen und Können in den winterlichen Alpen zu komplettieren. Bei gutem Wetter und meterhohem Neuschnee machten wir Touren um St. Antöninen in der Schweiz. Lawinenwarnstufe 4 machte den Kurs recht authentisch. Unsere Osterskifahrt nach Engelberg war wie immer ein besonderes Erlebnis. Ausreichend Schnee, eine urgemütliche Hütte, nette Hüttenwarte, Superwetter und Superstimmung, was will man mehr. Eine besondere Überraschung hielten Fritz undIlona bereit; auch Heinz Rühmann wäre begeistert gewesen von der romantischen mitternächtlichen Feuerzangenbowle im Schnee. Für unsere Frühjahrsmountainbiketour hatten wir uns leider eines der wenigen Regenwochenenden ausgesucht. Ansonsten hatte unser Gerd die Organisation im Griff. Im Mai reisten wir mit einer kleinen Gruppe in den Battert. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis an den Graten über den Dächern von Baden-Baden unterwegs zu sein. In Ettringen gelangen den Gruppenmitgliedern schon früh für uns anspruchsvolle Touren, z.B. Pop Corner, Cappuccino Corner und natürlich der Taumel der Triebe. Aber wichtiger als diese Leistungen ist das harmonische Miteinander bei unseren wöchentlichen Klettertreffen. Eine Atmosphäre in der jede Tour und jede persönliche Steigerung einfach Spaß machen. Noch übertroffen wurden unsere Erwartungen im Weserbergland. Zuerst mussten wir uns überwinden zum Klettern nach Norden zu fahren aber die vielen Genussklettereien im besten Gestein entschädigten für den Mangel an Weizenbier. Wir fühlten uns auf Anhieb wohl und können Touren bis zum 7. Grad einsammeln. Im Sommer schwärmen die Klettergruppenmitglieder dann in alle Richtungen aus um ihre Abenteuer zu erleben. Als Vorbereitung für den Sommer starten Gerd, Fritz, Peter, Werner und Heinz zum Stubaier Höhenweg. Zuckerhütl, Wilder Freiger und Wilder Pfaff heißen an diesem Juniwochenende ihre Gipfelausbeute. Andre und Gabi besuchen die Klettergebiete in der Haute Provence und Arco am Gardasee. Während unsere „Uhus“ in der Ortlerregion und am Hindelanger Klettersteig wieder einmal erfahren, das nicht nur der Gipfel zählt sondern der Weg das Ziel ist. Unser enfant terrible Fritz gönnt sich den Luxus im Zeitalter von Billigfliegern mit dem Fahrrad von Miesenheim nach Rom zu fahren. Ab den Alpen begleitet ihn seine Frau Ilona. Nachdem Pedalieren gönnen sie sich noch den Mindelheimer Weg und den Hinderlangerklettersteig. Im Wallis bekommt Gerd die so lange ersehnte Höhenluft in diesem Jahr überhaupt nicht gut und muss notgedrungen auf die geplanten, großen Touren verzichten. Sein Seilpartner Peter F. vertreibt sich seine Langweile und gönnt sich eine Hörnerrunde. Am Allalinhorn und Laginhorn warmgeklettert rennt er anschließend in 3,5 Std. auf das Matterhorn. Aufgehalten wird er nur von anderen Bergsteigern und dem teilweise heftigen Steinschlag. Katrin und Peter M. erleben in den Urner Alpen ein Wochenende des 6. Schwierigkeitsgrades. Sie waren es leid sich immer wieder meine Schwärmereien über die Niedermannführe an der Grauen Wand anzuhören und wollten selbst erleben was es damit auf sich hat. Bei bestem Wetter klettern sie zuerst den Quarzriss in Handegg, am nächsten Tag die Graue Wand und als Sahnehäubchen vor der Heimreise noch die Diagonale in der Schöllenen Schlucht Mit der sachlichen Feststellung, „Ist ja alles ganz nett“ relativieren sie die Verklärung meines Langzeitgedächtnisses und dokumentieren ihren augenblicklichen Leistungsstand. Katrin nutzt ihre temporäre zeitliche Unabhängigkeit. Mit Klassikern im Frankenjura, der Himmelsleiter in der Pfalz und mit einer Kletterwoche mit Bernd Arnold im Elbsandstein komplettiert sie ihre Sammlung an Sportklettereien. Zum Saisonende zieht es sie noch mal in die Alpen. Mit der Rossi Tomasi am Piz Ciavazes, dem neuen Südpfeiler, der Trenker, der Messner, der Pilastrini an den Sellatürmen und der Via Myriam an den Cinque Torri bringt sie eine eindrucksvolle Ausbeute nach Hause. Auch die langen leichten Grate der Kalkalpen haben es den Klettergrüpplern angetan. Norbert überschreitet den Watzmann, während Gabi und Andre einen langen Tag auf dem Jubiläumsgrat an der Zugspitze verbringen. Genauso wie Petra und Helmut sind sie natürlich vorher zu Fuß auf Deutschlands höchsten Berg und gleichzeitig zu Münchens höchstem Vorort gestiegen. Karin und ich müssen durch äußere Umstände fast alle unsere Pläne für den Sommer aufgeben. Als wir dann doch starten, erwischen wir genau den einzigen großen Wettersturz des Sommers. Das Wetter reicht noch für Sportklettereien im Basler Jura, dann flüchten wir in die südlichen Westalpen, auf dem Campingplatz in Aix-le-Bain wollen wir das Schlimmste überstehen und treffen genau das Zentrum des Sturmes. Umstürzende Trauerweiden und brechende Äste, die Feuerwehr hat eine Menge zu tun um Wohnwagen und Zelte wieder frei zu räumen. Wie durch ein Wunder scheint niemandem etwas passiert zu sein. Danach haben wir zwar Superwetter, es ist nur schweinekalt. Mit Presles im Vercor finden wir ein Superklettergebiet das auf angenehme Art alpinen Anspruch mit mediterranem Klima mischt. Allerdings sollte man mindestens den 6. besser noch den 7. Grat beherrschen um hier seinen Spaß zu finden. Im Klettergarten gewöhnen wir uns an den Fels bevor wir uns in die längeren Touren trauen. Die kurze Dreiseillängen Route Bim Bam Boum ist der Test für Karin im 6. Grat. So motiviert steigen wir dann in den Gebietsklassiker, die Le Buis ein. Für mich eine weitere anspruchsvolle Genusskletterei und für Karin der Eintritt in eine neue, senkrechte Dimension. Deutlich gemütlicher geht es dann an dem einsamen Berg des Vercors, dem Mont Aguille zu. Wer schöne Berge und leichte Touren im 3. Schwierigkeitsgrat mag, dem ist eine Besteigung unbedingt anzuraten. An den Granitplatten rund um La Berard in der Haut Dauphine beenden wir unseren Trip durch die französischen Alpen. Aber nicht nur in Europa sind die Gruppenmitglieder aktiv. Sybilla, Beate, Florian und Werner kommen begeistert von ihren Wanderungen aus dem Westen Kanadas zurück und Anneliese und Hermann wollen z.Zt. unter anderem die Klettermöglichkeiten am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika testen. Sehr wichtig, im Herbst sind dann alle wieder unbeschadet in der Heimat gelandet um direkt noch einmal aufzubrechen. Von Sibylla und Werner bestens organisiert geht die Reise in die Provence. Stressfreies Sportklettern im französischen Kalk. Ein landschaftlicher Höhepunkt, die Bucht En Vau in den Calanques. Wann fährt man schon mal mit dem Boot zum Einstieg. In Ettringen lassen wir den Klettersommer ausklingen, bevor wir uns wieder im Kanditurm verkriechen und vom gemütlichen warmen Sofa mit „armchair- travels“ unsere Abenteuer noch einmal erleben. Den Rotweinwanderweg von Altenahr bis Dernau nutzen wir im September als Anlauf für eine ausgiebige Rotweinprobe an der Ahr und im November führt uns Norbert bei herrlichem Herbstwetter durch die bunten Wälder des Wiedbachtals. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit waren wir in diesem Jahr zuständig. Für ein Freizeitmagazin in 3sat klettern wir in Ettringen mit der Helmkamera und die Rhein-Zeitung bringt im November ein Porträt der Klettergruppe.

Bei der Vereinsleitung bedanken wir uns für die Unterstützung während des gesamten Jahres und mich persönlich freut das persönliche Engagement aller Gruppenmitglieder. Vielen Dank für Eure Hilfe. Allen Interessierten sei gesagt, dass wir für das kommende Jahr ein interessantes Programm zusammengestellt haben zu dem alle herzlich eingeladen sind. Besonders hervorheben möchte ich unseren Kletterworkshop im Februar. Also nur Mut. Und denkt bei Euren Planungen daran, in 2004 unternehmen wir wieder eine Gruppenbergfahrt. Wir wünschen allen ein schönes Bergjahr.

Peter Retterath

Kategorie: Klettergruppe

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