Höhlentour in Hahnstätten

| 2. Oktober 2004

Eine der bekanntesten Höhlen bei Hahnstätten ist die „Schlucht“ Mit knapp 500 Metern vermessener Gesamtganglänge stellte sie bis vor kurzem die längste Höhle bei Hahnstätten dar.

Der Höhleneingang ist altbekannt, und bereits 1983 begann die Höhlenforschergruppe Rhein-Main (die auch heute noch existiert) die Vermessung der Höhle. Vermessungstechnischer Stand ist leider ein anderthalb Jahrzehnte alter Höhlenplan welcher 349 Meter GGL dokumentiert, sowie etwas jüngere Teilpläne. Bis heute ist es den ursprünglichen Erforschern leider noch nicht gelungen die Vermessung der Höhle zu beenden, bzw. einen umfassenden Gesamtplan der Höhle zu erstellen. Die HAGH hat kleine, selbst entdeckte Bereiche dokumentiert und diese Unterlagen an die ursprünglichen Planersteller weitergeleitet damit diese evtl. doch einmal Ihre Arbeit zu Ende bringen.
Die Höhle gliedert sich in den so genannten „Alten Teil“, welcher unschwierig begehbar ist und aus diesem Grunde auch des Öfteren Ziel von Familienausflügen ist, und den „Neuen Teil“.
Der neue Teil der Höhle, wurde gleich am Zustieg am Ende eines engen Schlufes durch die HAGH verschlossen.
Kurz hinter diesem Schluf fällt die Höhle 11,5 Meter tief in die Hans-Karl-Becker-Halle ab. Diese Halle stellt die größte Räumlichkeit der Schlucht dar.
Vom Grund der Halle leitet der Dampfnudelgang leicht bergan, führt an einigen wenigen Sinterbildungen vorbei zum Dampfnudelversturz und dahinter in die Fledermausgruft. Hier am Boden finden sich zehntausende angelagerte Fledermausknochen. Leider wurde ein Großteil der hier abgelagerten Knochen bereits durch die Erstbegeher dieses Bereichs zerstört, bzw. durch spätere Besucher des ungesichert hinterlassenen Bereichs.
Auf der anderen Seite der Becker-Halle absteigend gelangt man nach etwas Kletterei und Spaltengequetsche in den Kristalltunnel. An dessen Ende leitet eine Fortsetzung nach oben ins Geburtstags-Labyrinth, nach unten öffnet sich ein Höhlenbereich der 1993 entdeckt werden konnte. Weiter abwärts gelangt man zum tiefsten Punkt der Höhle. Von der Schrägen Kammer aus geht es zum Lehmsiphon, welcher in tagelanger Arbeit geöffnet werden konnte. Die dahinterliegende Fortsetzung steht jedoch leider in keinerlei Relation zur aufgewandten Arbeit.

Vertikal-Limits einmal anders!

Am 02.10.2004 stand der Jugendgruppe des DAV-Koblenz ein ganz besonderes Abenteuer bevor. Unser Jugendleiter Peter Still hatte einen Höhlenbesuch für uns organisiert. Zusammen mit drei erfahrenen Höhlenforschern der HAGH (Höhlenkundliche Arbeitsgruppe Hessen > www.hagh.de

 

) trafen wir uns auf einem kleinen Waldparkplatz in der Nähe von Hahnstätten bei Limburg.

Ausgerüstet mit Helm, Stirnlampe, Klettergurt und alten Klamotten machten wir uns auf den Weg. Unser Ziel war die „Schlucht“. Mit knapp 500 Metern Gesamtganglänge eine der längsten Höhlen bei Hahnstätten.
Der Höhleneingang bestand aus einer Felsspalte in einem ca. 10 Meter hohen Steinabbruch. Spätestens jetzt wurde jedem klar das dies keine normale Touristenhöhle mit Treppenstufen und Lichtschalter war.

Hier hieß es Abschied vom hellen Tageslicht nehmen und auf allen Vieren weiter kriechen.
Doch leichter gesagt als getan. In den schmalen Gängen, die sich windend bergauf und bergab schlängelten, waren die „Jüngsten“ unter uns sicherlich manchmal im Vorteil.
1 ½ Std. später erreichten wir den tiefsten Punkt der Höhle in ca. 35 m Tiefe. Die Höhlentemperatur betrug ca. 6 – 8 °C, doch die ungewohnte und beschwerliche Fortbewegung ließ uns richtig warm werden.

Nach weiteren, anstrengenden Gangmetern kamen wir in die ca. 11,5 Meter hohe Hans-Karl-Becker-Halle. Nachdem unsere Höhlenführer am oberen Ende der Halle eine Strickleiter befestigt hatten, stiegen wir in Richtung Höhlenausgang hinauf. Am Ende eines darauf folgenden Schlufes war dann die Ausstiegsspalte erreicht. Das Sonnenlicht strahlte uns entgegen. Ein erleichternder Anblick nach 3 ½ stündiger Dunkelheit.

Als wir anschließend unsere total verschmutzen Sachen ausgezogen hatten, waren wir uns alle darüber einig das dies ein einmaliges Erlebnis war.
Und eines steht fest, Platzangst würde von uns keiner so schnell bekommen!

Text: Stefan Weichert

Kategorie: Jugend

Kommentare sind geschlossen.