Grundkurs „Eis“ 2004

| 12. Juni 2004

Alle 12 Teilnehmer erreichten mit Ihren Ausbildern Norbert Dötsch und Klaus Dillenberger den Gipfel des 4.153 m hohen Bishorn

Samstag , 26.06.04 Ankunft in Gruben im Turtmanntal

Gegen 13.00 trafen sich 12 gespannte EIS-AZUBIS: Ursula+Frank Lindenlauf, Jutta Vermassen, Astrid Gutschalk, Andre Münch, Werner Drießen, Oliver Knebel, Jürgen Pirrong, Elvira Schötz, (Stefan Elmer, Herbert Schuth und Dirk Fergen waren bereits 2 Tage vorher angereist) in Gruben mit Ihren Ausbildern Norbert Dötsch und Klaus Dillenberger.
Jetzt erfolgte also der Aufstieg zu „unserer Hütte“ für die nächste Woche, auf 2.519m durch das wild romantische Turtmanntal bei strahlend blauen Himmel und Sonne, die uns die ganze Woche begleiten sollte. Da waren wir also, an der Turtmannhütte, mitten in der Walliser Gletscherwelt, wo uns Dirk, Herbert und Stefan wie bereits erwähnt, schon erwarteten. Nach dem Beziehen unserer Lager , einer kurzen Geländeeinweisung und erster Orientierung gab es lecker Abendessen. Jetzt konnte es losgehen.

Sonntag , 27.06.04 Start in eine Super Woche

Nach dem Frühstück um 7.00 begann unsere Ausbildung. Das hieß Aufsteigen im Gässi (was wir in den folgenden Tagen so richtig ins Herz geschlossen haben), das erste Mal so richtig schwitzen und ab zum ersten Gletscherplateau. Da durften wir bis zum Mittag so richtig im Schnee, rollen, rutschen usw. , d.h. kontrolliertes Stürzen im Hang üben, mit und ohne Pickel bremsen. (Klaus hat auch schon mal den einen oder anderen unterstützt beim „Stürzen“)
So, das hätten wir, jetzt weiter und Steigeisen anlegen. Nun erfolgte die intensive Einweisung im Steigeisengehen, Vertikalzackentechnik mit und ohne Pickel, Frontalzackentechnik. Wie die Störche im Salat haben wir das arme Eis zerpflügt, immer wieder rauf und runter. Nach der Mittagspause dann komplette Ausrüstung anlegen, und erster Aufstieg in Seilschaft auf 2.950m. Es war sicher nicht leicht für unsere Ausbilder, das Durcheinander beim Aufbau der 2 Seilschaften zu ertragen! Irgendwie sahen unsere Seile aus wie verwirrte Spagetti, jeder suchte noch seinen Nachbarn oder doch gegenüber aufstellen? Aber wir haben es tatsächlich geschafft, in ordentlicher Formation das Seilschaftgehen im Eis zu beginnen. Das Seil war vielleicht noch etwas schlapp zwischen den einzelnen Partnern, doch auch das sollte sich in den kommenden Tagen bessern. Jetzt Eisschrauben setzen, Eissanduhr mittels Eisschrauben drehen (hat doch nix mit Uhrzeit zu tun), Standplatz einrichten, usw. erster Versuch der Spaltenbergung auf dem aperen (schneefreien) Gletscher. Geschafft, jetzt im Schnelltempo den Berg wieder runter, unser „Gässi“ abgeklettert und in Begleitung der lustigen 2-farbigen (Braun/Weiß) Ziegen zurück zur Hütte. Nach dem Abendessen Tourenplanung mit Marschtabelle für den nächsten Tag erstellt, richtiges Handhaben von Karte und Kompass und müd ins Bett. Die Marschtabelle ist schone tolle Sache, da kann man eine 6-h-Tour auf 2h berechnen !!! Muß man nur die Höhenunterschiede unterschlagen, geht ganz fix.

Montag , 28.06.2004 Gehen, gehen, gehen

… und wieder ein neuer Tag Sonne , Sonne, Sonne ( haben ja auch den Sonnenkoenig dabei !) Um 8.00 ging es erneut „unser Gässi“ rauf, am ersten großen Steinmann die Ausrüstung anlegen und Aufstieg zum verschneiten Gletscher auf ca
2.940m. Unseren Marathon-Werner haben wir heut auch mal müd geschafft, denn er durfte an diesem Tag für uns mit Seil belastet spuren im Schnee, Stufen schlagen usw. Jetzt sind unsere 2 Seilschaften unterwegs auf dem Brunnegg-Gletscher zum Brunneggjoch auf 3.375m, immer mit suchendem Blick nach einer geeigneten Gletscherspalte für die Spaltenbergung auf verschneitem Gletscher. In dieser Höhe wurde der Sturm heftiger, was Frank dann leider seinen Hut gekostet hat, denn der war weg, auf ewig im Eis. Am Joch haben wir uns auf der Suche nach einem windstillen Mittagsplatz für eine Felsformation entschieden, auf welcher wir wie die Bergziegen ( tolles Bild von Klaus!) unsere Pause machen konnten. Die Aussicht von diesen Felsen war riesig ! Blick bis zum großen Aletschgletscher im Berner Oberland, Grächen zu unseren Füßen, toll. Der Abstieg erfolgte aufgrund des noch immer starken Windes sehr zügig, beinahe im Seilschaft-Galopp, bis zu einer geeigneten Gletscherspalte. Jetzt war also Spaltenbergung angesagt. Herbert hat mit seinem „Spaltensturz“ seiner Mannschaft vollen Einsatz abverlangt, und mit lehrbuchmäßiger Teamarbeit ( und viel Unterstützung von unserem Nobbi und Klaus) wurden alle „Gestürzten“ wieder geborgen. Der Abend verlief mit viel Theorie, Gletscherkunde, Tourenplanung und Marschtabelle. Freddy, unser Hüttenwirt hat uns wie immer ein tolles Menue in seiner Miniküche gezaubert, wobei wir trotzdem alle neidisch auf unseren Vegetarier Jürgen schauen, welcher ganz leckere mit Schweizer Käse überbackene Gemüse-oder Nudelgerichte bekommt. So, jetzt ab ins Bett.

Dienstag, 29.06.04 Ein langer Aufstieg

Heute morgen hieß es 4.00 Frühstück und 5.00 Abmarsch zur Tracuit-Hütte auf 3270m. Nach dem allmorgendlichen Abpflastern der geschundenen Füße wieder unser „Gässi“ hoch und immer weiter steigen, steigen, steigen. Vor dem Brunnegg-Gletscher einbinden in unsere 2 Seilschaften, wobei wir mal wieder viel Spass hatten, denn der Anfang ist noch immer etwas verwirrend. Astrid hatte sich durchzusetzen gegenüber Oliver, Dirk, Stefan, Herbert, und Andre, welche unter Klaus Leitung standen, und die andere Seilschaft hatte Jürgen sehr gut im Griff, unter Norberts Anleitung folgten Elvira, Jutta, UrsulaFrank und Werner. (Diese waren vielleicht nicht die schnellsten, aber sehr lustige !) Jetzt ging der Weg vom Brunnegg-Gletscher zum Abstieg auf das mittlere Plateau des Turtmanngletscher. Trotz einiger kleiner Spalteneinbrüche (besonders Seilschaft Dirk , auch genannt : Spaltensuchgeräte) und fremdsprachiger Flüche von Dirk, erreichten wir gegen 12.00 im „John-Wayne-Gang“ die Tracuit Hütte über dem leuchtend blauen Auge eines kleinen Gletschersees. Die Zeit bis zum Abendessen haben wir vor der Hütte ausgiebig mit Trockenübungen wie Spaltenbergung und Knotenkunde ausgefüllt. Auf den abenteuerlichen Toiletten oberhalb der Hütte konnten auch wir nicht Torstens 2003 verlorene Brille wiederfinden ! Dafür hatte man während seines „Geschäftes“ einen riesigen Blick zum Bishorn, wenn man die obere Hälfte der Toi-Tür offen ließ. An diesem Abendessen hat Jürgen nicht so fürstlich speisen können wie auf der Turtmann, denn für ihn gab es 5 Scheiben Schweizer Käse und Reis. Und das nach einem so langen und anstrengenden Tag, besonders für ihn, denn er hat die gesamte Tour für uns gespurt . Aber das war ihm wohl doch nicht genug, denn auch den nächsten Tag hat er uns den Weg zum Gipfel gespurt.

Mittwoch , 30.06.04 Bishorn !!!!!!

Nachdem wir die Nacht mit ca 35 Personen und den dazugehörenden Geräuschen und Gerüchen verbracht haben, konnte jeder selbst entscheiden, sich 5.00 morgens im Gletscherwassertrog oberhalb der Hütte zu waschen oder es zu unterlassen. Leider mussten wir das Wecken durch den Hüttenwirt abwarten, so dass wir erst gegen 6.00 zum Bishorn starten konnten. Wie jeden Tag strahlend blauer Himmel , wobei einfach erwähnt werden muß: Hochtourenführer Norbert Dötsch genannt Sonnenkönig, verzichtet selbst bei einem 4.000er Aufstieg auf seine Tourenjacke, welche er bereits versehentlich auf der Turtmann Hütte zurückließ ! Das Glück war ihm hold und so erreichten alle 14 Teilnehmer bei angemessenem Aufstiegstempo und besten Bedingungen gegen 10.00 das 4.153m hohe Bishorn ! Von den 14 Gipfelaspiranten haben 8 an diesem Tag ihren ersten 4.000er erreicht, mit mehr oder weniger starken Gefühlsausbrüchen. Die Aussicht vom Bishorn war einfach genial!!!! Bis zu diesem Punkt war der Tag noch o.k., doch dann ging es los. Der erste Abstieg erfolgte in rasanten Tempo (500 Höhenmeter in 20 min) . Der weitere Weg erfolgte zum Teil mit Steigeisen und Sprüngen über Gletscherspalten, was uns die verschiedensten Bemerkungen unserer Ausbilder einbrachte (erwähnt sei nur Spaltensuchgeräte, Seil strammer, Seil locker nachgeben, Plastikschoof, oder was feiert Ihr denn da ?) Aber irgendwann war auch dieser Gletscher überwunden, war der monotone Weg durch Sumpfschnee vorbei und nach ca 6h erreichten wir unser „Gässi“ Noch mal eine heikle Situation, denn dieser Abstieg erforderte nach der langen Tour höchste Konzentration (gell Jutta ?) von allen, und Norbert und Klaus waren froh, als alle gesund, aber durstig in der Turtmann Hütte saßen. Glücklich, keine Ausfälle oder Verletzungen konnten wir alle stolz auf unser Bishorn aufschauen. Die Hüttenruhe haben wir an diesem Abend etwas vorgezogen.

Donnerstag, 01.07.04 Die Anspannung ist weg

Da heute alle mit mehr oder weniger weichen Knien zum Frühstück kamen, durften wir ausnahmsweise 1/2h später starten. Dieser Tag stand ganz im Zeichen Eisausbildung, Spaltenbergung auf dem Brunnegg-Gletscher, natürlich nach dem 5.Aufstieg durch das uns soooo liebgewordene „Gässi“. Wetter war immer noch o.k., also Aufstieg mit Pickel und Einsatz der erlernten Steigtechniken in Seilschaft (Kackstellung) Pickel einschrauben und Eisschraube vergaben – oder war es umgekehrt ?! Standplatz und üben üben üben. Jürgens Frauen-Power-Seilschaft hatte wieder viel Spass, worauf Bemerkungen wie : jetzt aber bitte Konzentration ! erfolgten. Oben angekommen, ging es an die Spaltenbergung im Gletscher und bei schlechter werdendem Wetter. Nachdem unsere beiden Ausbilder Klaus und Nobbi resigniert haben (mit vor Verzweiflung weggeworfenem Pickel usw.) wurde Spaltenbergung bis zum „Erbrechen“ als Trockenübung angedroht und durchgesetzt ! Also Abmarsch zur Hütte und nachsitzen. Der Abend stand dann im Zeichen einer ausgiebigen Bishornfeier, wobei wir den Rotweinvorrat unseres Hüttenwirtes Fredy stark dezimiert haben ! An diesem Abend hatte Fredy Mühe, die Hüttenruhe zur vorgeschriebenen Zeit durchzusetzen.

Freitag , 02.07.04 Letzter Tag

Heute morgen wurden unsere Ausbilder vom Schweizer Bergführer gefragt, ob wir heute eine Kater-Tour machen ! was ein Quatsch, wir waren ev. etwas müde, aber auf jeden Fall gut drauf.

Unser letzter Ausbildungstag !!! Nachdem unsere Spaltenbergung sich doch als etwas kompliziert heraus gestellt hat, wurde die Tour zum Brunneckhorn gecancelt, und dafür erneut Spaltenbergung und Prusiken in Verbindung mit Garda Knoten und anschließendem Abseilen angesetzt. Klaus und Norbert haben 3 Gruppen erneut Spaltenbergung jetzt auch mit Flaschenzug üben lassen. Endlich sitzt auch die Spaltenbergung, und man kann fast sagen, dass es nun alle beherrschen ! Danach „prusikten“ wir die Felsen nach oben, oder besser gesagt, gaben unser Bestes, wobei die Erfolge in unserer Gruppe sehr unterschiedlich ausfielen! Es wurden Toprope-Seile befestigt unsere Ausbilder haben alle Teilnehmer bei kaltem Wind gesichert und unterstützt. Schade, dass Herbert und Dirk diesen Nachmittag geschwänzt haben.

Samstag , 03.07.04 Abstieg

Ein letztes Mal Frühstück bei Fredy, ein letzter Blick zum „Gässi“ , Abschieds-Foto und los ging es, Abstieg nach Gruben / Parkplatz. Es war noch mal eine wunderschöne Wanderung durch eine total romantische Schlucht mit vielen Blumen, Düften (die fielen uns besonders auf, da unsere Düfte nicht mehr so lecker waren !) Wasserfällen, Schafen und Ziegen und wie immer Sonne, Sonne, Sonne

Fazit

Es war für uns alle eine tolle Woche, wir haben viel gelernt und viel gelacht, waren ein Super-Team , und – die Berge sehen uns wieder !

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere beiden Ausbilder, an Norbert Dötsch , der uns sicher durch die Gletscherwelt geführt hat und die Ausbildung sehr kompetent und abwechslungsreich gestaltet hat , und an Klaus Dillenberger, der mit seiner ruhigen Art unsere Fehler immer wieder verbessert hat und nicht müde wurde, unsere Fragen zu beantworten.

Elvira Schötz

Kategorie: Ausbildungsberichte

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