Großvenediger 3657m; Eisgrundkurs 22.-29.Juni 2019

| 1. Oktober 2019 | Ein Kommentar
die gaaaanze Gruppe am Gipfel, einfach nur Spitze

In den frühen Morgenstunden des 22. Junis ging es los. Die Mannschaft, bestehend aus den Wiederholungstätern Paul M., Rolf und Florian sowie den Neulingen Klaus, Mario, Oliver, Carmen, Dominic und Antje, machte sich auf den Weg, um im Matreier Tal unter Leitung der Ausbilder Nobbi und Paul P. in die Geheimnisse der Hochtouren eingeführt zu werden.

Nach Begrüßung und Materialausgabe auf dem Parkplatz des Matreier Tauernhauses machten wir uns auf den Weg zur Neuen Prager Hütte. Während das erste Stück noch mit motorisiertem Hilfsmittel zurückgelegt wurde um für die kommenden Tage Kräfte zu sparen, ging es die restlichen 1000 Höhenmeter aber zu Fuß den Berg hinauf. Starker Nebel und leichter Nieselregen trübten die Sicht, sodass von der Landschaft leider nur wenig zu erahnen war.

Auf der Hütte angekommen, wurden wir herzlich von der Familie Studer begrüßt. Sie versorgten uns die ganze Woche mit leckerem Essen und, vielleicht noch wichtiger, mit ausreichend Getränken.

Wilfried Studer Hüttenwirt „Neue Prager Hütte“ und Monteverest-Bezwinger

Bereits am ersten Abend wurde dann auch schon viel gelacht, ein stets kultivierter Humor zog sich durch die gesamte Woche. Vorallem Nobbi trug mit seinem schier unerschöpflichen Repertoire an niveauvollen Witzen und Sprüchen dazu bei. 😊

Am Sonntag gab es dann das erste Techniktraining. Wir lernten, mit vollem Körpereinsatz und aus allen möglichen Richtungen zu bremsen, wenn man am Hang dann doch mal wegrutschen sollte. Bereits beim Anmarsch zur Senke probte unsere Artistin Carmen den Notfall und zeigte uns, wie man den Berg elegant heruntergleitet.Für ein möglichst realitätsnahes Training spielte das Körpergewicht scheinbar eine große Rolle und so wurde freundlich nachgeholfen, wenn man doch etwas zu langsam den Berg herunterruschte.

Nachdem es tagsüber noch etwas regnete, klarte der Himmel am Abend auf und so sollte es die restlichen Woche auch bleiben. Der Wettergott meinte es gut mit uns. Im Gegensatz zu den heißen Temperaturen im Tal, ließ es sich bei strahlend blauem Himmel und einer kühlen Brise auf 2700 m gut aushalten.

Am Montag ging es dann auf das Blankeis und die Steigeisentechniken wurden geübt – vorwärts, rückwärts, auf einem und auf zwei Beinen. Gerade beim Queren der Gletscherspalten muss man sehr vorsichtig sein, wie uns Nobbi dann zeigte.

Der Aufstieg übers Steileis am Fixseil

Im Anschluss ging es dann an eine Steilwand, an welcher wir an einem eingerichteten Fixseil das Aufsteigen im Eis mit Pickel und Steigeisen übten. Wer oben war, musste natürlich auch wieder runter und so zeigte unsere Artistin im Team erneut ihre hervorragenden Rutschkenntnisse.

Am kommenden Tag stand dann die erste Tour auf dem Plan: es ging zum Großvenediger. Wir liefen in zwei Seilschaften, aufgeteilt in die „jungen Wilden + Olli“ unter Führung von Paul P. (der sichtlich Spaß hatte. O-Ton: „Was für eine geile Truppe!“) und die „Alten Hasen“ unter Führung von Nobbi. Der Aufstieg gestaltete sich zwischenzeitlich etwas langwierig, war technisch aber gut machbar. Dank unserem mikroskopischen Spaltensuchgeräts Antje (Egal an welcher Stelle in der Seilschaft, sie fand mit hoher Präzisiön wirklich jede Spalte.) kamen wir sicher auf dem Großvenediger an. Auf dem Gipfel, welcher mit 3657 der vierthöchste Berg Österreichs ist, gab es dank des tollen Wetters und der klaren Luft eine atemberaubende Rundumsicht über nahezu die komplette Alpenwelt. Den Abstieg meisterten dann beide Seilschaften (fast) souverän. Die Kräften reichten sogar noch für eine kleine Showeinlage von Paul M., als die„alten Hasen“ mit all ihrer Erfahrung über ein Steinfeld abkürzen wollten. Nach den Strapazen des Tages wurden die Speicher am Abend natürlich mit ausreichender Menge an Hopfenkaltschale wieder aufgefüllt.

Die Übungen zur Spaltenbergung, sicherlich eines der Highlights der Woche, folgten am Mittwoch. Eine riesige Gletscherspalte lag in Sichtweise zur Hütte und komplettierte das hervorragende Übungsgebiet rund um die Prager Hütte. Heute konnte man allerdings auch sehen, wie wichtig es ist, konzentriert bei der Sache zu bleiben, wenn jemand in die Spalte fällt. Wenn ein Flo schläft und ein Dominic es möglichst realitätsgetreu trainieren möchte, fällt ein Mario am Ende deutlich tiefer in die Spalte als gedacht. In weiser Voraussicht hatte Paul P. ein zusätzliches Sicherungsseil gespannt, wodurch Mario mit einem Schrecken davon kam und nicht die halbe Seilschaft in der Spalte verschwand. Die Bergung zog sich aber dann doch und so dauerte es etwas länger, bis Mario wieder Eis unter den Steigeisen hatte. Die komplette Gruppe hatte viel Spaß und gab alles, sodass wir keinen Teilnehmer in der Spalte zurück lassen mussten. 😊 Lediglich Klaus, der mit der Besteigung des Großvenedigers seine Plaisirtour bereits abgeschlossen hatte, betätigte sich heute nur als Fotograf und lies es auch in den folgenden Tagen etwas ruhiger angehen.

…tolle Spalten, optimale Übungsbedingungen….

Am Donnerstags ging es dann an die nächste Tour. Auf dem Weg zum Rainerhorn trennten sich nach geraumer Zeit die Wege der nun eingelaufenen Seilschaften. Die „jungen Wilden+ Olli“ steuerten eine steile Eisflanke am Fuße des Rainerhorns an. Hier konnte das erlernte Gehen mit Steigeisen und Pickel am Fixseil in der Praxis angewendet werden.

Dass die „alten Hasen“ nun ohne das Spaltensuchgerät Antje auf sich alleine gestellt waren, rächte sich zugleich. Die komplette Seilschaft verschwand nacheinander in der gleichen Gletscherspalte, alle konnten sich aber ohne Probleme wieder befreien.

Nach dem Aufstieg zum Rainerhorn bestiegen beide Seilschaften noch das Hohe Aderl. Die „alten Hasen“ setzen sogar noch einen drauf und vollendeten ihre Dreigilpfeltour mit der Besteigung des Kleinvenedigers. Dass die „jungen Wilden + Olli“ trotzdem später an der Hütte ankamen, mag eventuell am gemütlichen Flanierschritt liegen, mit dem Olli die Seilschaft zwischenzeitlich durch Schnee und Eis führte.

So langsam neigte sicht die Woche dem Ende zu. Vorher ging es aber noch einmal auf das Blankeis, wo wir die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte lernten. Mit allerhand Bandschlingen, Prusiken und Karabinern, schafften es schlussendlich alle, sich mit eigener Kraft aus der Spalte herauszuhieven. Zum Ausklang schauten wir am Nachmittag dann noch den Film der Familie Studer, die als erste Familie den Mount Everest besteigen konnten. Dies war sehr interessant und zugleich auch beeindruckend, mit welcher Beharrlichkeit die Familie die Besteigung über viele Jahre anging.

An unserem letzten Abend wurde von den Teilnehmern am Glas noch einmal alles gegeben. Hierbei kam dann auch die ein oder andere Leidenschaft zu Tage. Es sei nur folgendes gesagt: Versteckt eure Federkissen – Olli ist da!

Nun brach auch schon der letzte Tag an. Familie Studer verabschiedete uns herzlich und schenkte noch einmal ein Gläschen Weißwein aus. Nach dem vorherigen Abend erleichterte uns das den Abstieg ungemein. 😊

Zurück in der Zivilisation mussten sich dann nach einer ausgiebigen Verabschiedung die Wege der entstanden Gemeinschaft wieder trennen. In einem sind sich alle einig: Es war eine unvergessliche, tolle und lehrreiche Woche.

Ein besonderer Dank geht an unsere beiden Ausbilder Paul P. und Norbert, die ihre Erfahrungen mit großem Einsatz und (meistens) viel Geduld an uns weitergegeben haben!

Dominic Merz und Antje Ziller

Kategorie: Aktuell, Allgemein, Ausbildung, Ausbildungsberichte, Berichte, Hochtourengruppe

Kommentare (1)

Trackback-URL | Kommentarfeed

  1. jutta schmitt sagt:

    das hört sich nach Spaß an.
    Ich sollte mal wieder mit kommen.
    Gut geschrieben.
    lg, jutta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.