Für Kind in Nepal sorgen

| 7. April 2008 | Keine Kommentare

Koblenzer Verein vermittelt Patenschaften

55 bitterarme Kinder in Nepal haben in Koblenz und der Region Paten gefunden, die ihnen den Schulbesuch finanzieren. An weiterem Nachwuchs an Kindern mangelt es dabei nicht. Paten jedoch könnte der Verein Rheinland-Lorraine-Nepal durchaus noch ein paar mehr gebrauchen.

KOBLENZ. Die Liebe zum Bergsteigen hat Christa und Bernd Otto zu einer Art spätem „Elternglück“ verholfen – wenngleich die beiden „Sprösslinge“ der Familie Tausende Kilometer entfernt von Rhein und Mosel auf dem Dach der Welt, im Solu- Khumbu-Gebiet des Himalaja-Gebirges leben. Zwei Jungs im fernen Nepal gehören nämlich seit einigen Jahren quasi zur Familie Otto. Für die beiden Kinder hat das Ehepaar aus Metternich nämlich eine Patenschaft übernommen und finanziert ihren Schulbesuch.

Und was hat das Hobby Bergsteigen damit zu tun? Ganz einfach: Der in Koblenz ansässige Verein Rheinland-Lorraine-Nepal e. V., der solche Patenschaften für bitterarme nepalesische Kinder vermittelt, ist aus dem Deutschen Alpenverein, Sektion Koblenz, hervorgegangen, in dem die Ottos seit Jahren aktiv sind.

„Bergsteiger und himalajatauglich muss man allerdings nicht sein, um eine Patenschaft zu übernehmen“, meint Christa Otto, die Geschäftsführerin des Vereins Rheinland-Lorraine-Nepal, schmunzelnd. Derzeit hat der Verein 60 Mitglieder, 50 Patenkinder werden in Nepal unterstützt. Vier Schulen unterhält der Verein und zwei Krankenambulanzen. Das alles ist nur möglich in Zusammenarbeit mit dem Club Alpin Française in Metz, dem französischen Partnerklub des Koblenzer Alpenvereins, auf den das Engagement in Nepal ursprünglich auch zurückgeht, wie Christa Otto erklärt. Weitere 250 Patenkinder in der Solu-Khumbu-Region werden so auch von Frankreich aus unterstützt. Christa Otto: „Auf diese Zahl zu kommen, wäre unser Traum. Wir suchen viele neue Paten, die mit wenig Geld für nepalesische Kinder viel bewirken können.“

Heinrich Schmidt, der Vorsitzende von Rheinland-Lorraine-Nepal, konkretisiert: „Mit 51 Euro im Jahr können die Pateneltern den Kindern für ein ganzes Jahr den Schulbesuch ermöglichen. Auf weitere 26 Euro beläuft sich der jährliche Vereinsbeitrag, mit dem die Schulunterhaltungskosten und die Kosten für die Krankenambulanzen gedeckt werden. Die Patenschaften sollten jeweils für fünf Jahre übernommen werden. Dann haben die meisten Kinder einen Schulabschluss erreicht.“

Dass der Verein mit kleinem Geld Großes in Nepal leisten kann, liegt jedoch nicht zuletzt daran, dass keinerlei Verwaltungskosten anfallen. Schmidt: „Jeder Euro kommt eins zu eins in Nepal an.“ Dafür sorgen die Vereinsmitglieder selbst. „Wir versuchen, dass zumindest einmal im Jahr eine Gruppe des Vereins nach Nepal reist, die die Gelder dort persönlich übergibt und sich auch davon überzeugt, dass die geförderten Kinder tatsächlich die Schule besuchen und die Gebäude instand gehalten werden“, berichtet Christa Otto. Im Oktober werden sie, ihr Mann und auch Heinrich Schmidt so auch selbst wieder mit einer Trekkinggruppe in Richtung Nepal aufbrechen.

„Weil natürlich nicht alle Paten ihre Kinder besuchen können – immerhin ist das nicht ganz billig, und wir alle finanzieren uns diese Reisen selbstverständlich aus der eigenen Tasche – nehmen wir dann auch gerne Geschenke oder Briefe für die Jungen und Mädchen mit“, berichtet Bernd Otto.

Dass zumindest über den Briefweg ein Kontakt zwischen Paten und Kindern entsteht, hält Otto für sehr wichtig. „Das ist für beide Seiten schön. Die Kinder wissen dann, woher sie ihre Förderung erhalten. Und die Pateneltern können verfolgen, dass ihre monatliche Spende auch tatsächlich etwas bewirkt. Die Wirkung des Engagements des Koblenzer Vereins lässt sich allerdings auch mit Zahlen und Fakten untermauern: Von den acht Lehrkräften, zwei Hebammen und zwei Krankenschwestern, die gemeinsam mit dem französischen Partnerklub finanziert werden, konnten je zwei Lehrer und zwei Krankenschwestern aus ehemaligen Patenkindern rekrutiert werden.

„Ohne die Unterstützung aus dem Ausland“, so Christa Otto, „hätten sie nie diesen Weg beschreiten können. Die Familien sind einfach zu arm, um ihre Kinder in die Schule zu schicken.“ Über den Weg einer soliden Ausbildung soll dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Der Verein Rheinland-Lorraine-Nepal ebnet dazu den Weg. Annette Hermann

Sein Paten-Projekt stellt der Verein Rheinland-Lorraine-Nepal am Freitag, 11. April, um 18 Uhr im Vereinsheim des Alpenvereins, Kolonnenweg 7, vor. Alle Interessierten sind willkommen.

Rhein-Zeitung vom 3.4.2008

Kategorie: Presse

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