Eisgrundkurs vom 24. bis 29. Juni 2021 am Großvenediger

| 28. Juli 2021 | Keine Kommentare

Nach monatelangem Warten kam im Mai endlich die finale Bestätigung, dass unser Hochtourenkurs am Großvenediger stattfinden wird. Mit großer Vorfreude trafen wir uns digital zur Vorbesprechung und schon 4 Wochen später waren wir auf dem Weg in die Alpen.

Auf dem Parkplatz am Matreier Tauernhaus trafen wir zum ersten Mal live und in Farbe auf die bunt gemischte Truppe. Nobbi und der Praktikant Adrian haben uns freundlich begrüßt, während unser zweiter Ausbilder Paul lieber gemütlich auf der Neuen Prager Hütte die eine oder andere Hopfenschorle zu sich nahm.

Nach einem nassen Aufstieg über die Alte Prager Hütte, gab es direkt am ersten Abend schon eine Einweisung in die Knotenkunde. Belohnt wurden wir auch gleich mit einem leckeren Nachtisch, über den sich besonders Nobbi freute und direkt die Teilnehmer des ersten Kurses mit Bildern neidisch machte.

1. Pause im Aufstieg an der alten Prager Hütte

Am nächsten Tag erlernten wir auf dem Schneehang hinter der Hütte verschiedene Bremstechniken, die wir mit Pickel, Stock und vollem Körpereinsatz mehrfach übten. Anschließend versuchten wir uns im Spurenlegen und lernten Tritte sorgfältig und sicher zu setzen.

Nach einer kurzen Pause auf der Hütte, ging es am Nachmittag an die Grundlagen der Spaltenbergung. Zunächst übten wir im Schnee einen T-Anker mit unserem Eispickel zu bauen. Dabei hielten leider nur die Hälfte der Anker unseren starken Männern stand, was uns aber eindeutig zeigte, wie wichtig die saubere Ausführung ist.

Anschließend übten wir in Vierergruppen die unterschiedlichen Positionen bei einer Spaltenbergung. Leider zogen immer mehr Wolken auf und das Gewitter näherte sich. Klitschnass kamen wir dann am späten Nachmittag an der Hütte an und freuten uns auf den warmen Kamin und ein Feierabendbierchen.

Da wir am nächsten Tag unsere erste große Tour zum Großvenediger unternehmen wollten, ging es noch vor dem Abendessen an die Tourenplanung. Mit Karte, Kompass und Planzeiger ermittelten wir in einer Tabelle die Kilometer, Höhenmeter und die Zeit, die wir für unsere erste Hochtour benötigen würden.

Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir am Samstag schon in den frühen Morgenstunden unsere Tour. In zwei Seilschaften ging es die 1.000 Höhenmeter zum Großvenediger empor. Belohnt wurden wir mit einem tollen Blick über die Alpen, der uns im Norden bis zum Wilden Kaiser und im Südosten bis zum Großglockner sehen ließ. Trotz des frühen Aufstehens war eine Menge los am Gipfel und so hatten wir eine kurze Verschnaufpause, bis wir das ersehnte Gipfelfoto schießen konnten.

Gipfel Großvenediger 3657 m NN, wolkenlos mit grandioser Rundumsicht und strahlenden Gesichtern

Im Abstieg zur Hütte nahmen wir den Kleinvenediger noch mit und genossen den imposanten Blick auf den Großvenediger.

Bereits gegen 14 Uhr hatten wir die Hütte wieder erreicht und konnten uns auf der Sonnenterrasse genüsslich einem Bier und einem leckeren Käsebrot widmen. So ging der zweite Abend entspannt zu Ende.

Am Sonntag ging es dann an die in Sichtweite der Hütte liegenden Gletscherspalten. Nach kurzer Einführung in die Steigeisentechnik – es wurde gehüpft und geklettert – lernten wir eine Eisschraube zu setzen, die uns auch bei der anschließenden Spaltenbergung nützlich wurde. In Vierergruppen übten wir, was wir im Notfall zu tun haben und so durfte jeder von uns (außer Frederik, der gepennt hat) einmal eine Gletscherspalte von innen betrachten. Wir übten fleißig und zogen mit ganzer Kraft alle Teilnehmer wieder aus der Spalte, sodass wir niemanden zurücklassen mussten.

Super Gletscherspalten, optimal zum üben
…hängen im Kühlschrank und auf Bergung warten…..

Nach diesen spannenden Eindrücken hatten wir uns eine Pause am Anseilpunkt verdient und brutzelten auf den warmen Felsen in der Sonne. Trotz mehrmaligem Eincremen haben wir es geschafft alle mit einem Sonnenbrand an der Hütte anzukommen. Am Abend folgte eine weitere Tourenplanung für den letzten Tag an der Venedigergruppe.

Montags ging es wieder bei bestem Wetter in zwei Seilschaften los. Diesmal trennten sich unsere Wege. Die eine Gruppe mit den Ausbildern Paul und Adrian erklommen das Rainerhorn über eine steile Eisflanke mit Pickel und Steigeisen am Fixseil. Gruppe 2 mit Nobbi als Ausbilder machte sich auf den Weg zum Hohen Zaun. Tobi spurte vor und legte damit die von Nobbi lang ersehnte Route über drei Gipfel zum Rainerhorn. Während Gruppe 1 am Rainerhorn verweilte, poste Gruppe 2 auf dem Gipfel der Schwarzen Wand. Nobbi , mit seinem lauten Organ, war zur Unterhaltung der ersten Gruppe bis zum Rainerhorn zu hören.

Aufstieg auf das Rainerhorn
Sherpadancing am Gipfel des Rainerhorns
Gipfel hoher Zaun
Begegnung der beiden Seilschaften im Sattel Rainerhorn und hoher Zaun

Bald schon kreuzten sich unsere Wege und die Gruppe unter der Führung von Paul und Adrian erklommen den Hohen Zaun. Dieser hat es Paul besonders angetan – als „Steinhaufen“ bezeichnete er ihn. Im Abstieg ging es dann die gut gespurte Route der Anderen zurück zur Hütte. Wieder vereint tranken wir dort unser letztes gemeinsames Bierchen, bevor es am nächsten Tag zurück ins Tal ging.

Unser Grundkurs Hochtour war auch durch die super Truppe ein voller Erfolg. Paparazzi Dirk schoss die besten Fotos, die auch aus einem Werbespot stammen könnten. Der Elefant Valentin sorgte für tiefe Spuren, in denen die kleine Renate mit ihren kurzen Beinen fast vollständig versank. Mit ihrem Ehemann Claudius erfüllte sie sich einen lang ersehnten Traum und übte noch mit Ü-60 auf ihrer ersten Hochtour. Frederik fand ebenso wie Lisa die tiefen Löcher im Schnee und machte somit Bekanntschaft mit den rauen Felsen. Das wohl beste Nordwandgesicht machte unser fitter Boris.

Boris in voller Rüstung mit Nordwandgesicht

Gina versorgte die hungrigen Mäuler von Adrian und Nobbi stets mit einer weiteren Portion Abendessen, sodass die Männer glücklich waren. Die von Nobbi lang ersehnte Tour, die im Blickfeld der Hütte lag, spurte Tobi perfekt und führte uns alle heil zum Gipfel.

Der Sonnenkönig Nobbi machte seinem Namen wieder alle Ehre und unterhielt die ganze Gruppe stets mit seinem besonderen Humor und sah in der Gletscherspalte ganz besondere Formen… Adrian, der nach einer ereignisreichen Anreise, sein Praktikum als angehender Ausbilder erfolgreich absolvierte, sorgte dafür, dass wir uns mit drei Ausbildern bestens aufgehoben gefühlt haben. Und Paul, der immer alle Teilnehmer in Pickelwurfreichweite behielt, machte die Gruppe perfekt. Wir durften als letzte Gruppe eine Hochtouren-Ausbildung bei ihm genießen, da dies nach vielen Jahren seine letzte Hochtour als Ausbilder war. Lieber Paul, jetzt darfst du dich auch wohlverdient auf die faule Haut legen.

Hard – Chillen

So ging auch der zweite Grundkurs Hochtouren zu Ende und wir bedanken uns bei Nobbi, Paul und Adrian, dass ihr auch für uns noch viel Kraft und Motivation hattet und vor allem immer mit Spaß dabei gewesen seid. Es war eine großartige Tour mit vielen neuen Erfahrungen, die uns alle Lust auf mehr gemacht hat.

Gina Stratmann und Lisa Wagner

Kategorie: Allgemein

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