Drei Tage am Salbitschijen

| 28. August 2019 | Ein Kommentar

Da stiegen wir also im strömenden Regen zur Salbithütte auf, den Rucksack voll mit Klettergepäck, Seil, Helm, Schokoriegeln und Klamotten für ein paar Tage. Den Westgrat hatten wir ins Auge gefasst. Sascha „the Ropegun“ und Olli „the alpine Nav“. Nach unserem letztjährigen Trip in die USA wollten wir mal wieder etwas Größeres zusammen machen. Sascha hatte alle Informationen zusammen getragen und ich war direkt Feuer und Flamme. Klar klingen 36 Seillängen nach extrem viel, aber ich dachte das wird schon passen.

In Rekordzeit waren wir auf der Hütte, der Regen hatte uns zu Höchstleistungen angetrieben. Am nächsten Morgen kam dann auch wirklich das gemeldete, gute Wetterfenster. Wir ließen uns Zeit beim Frühstück und hofften auf trockene Wände. Als Eingeh-Tour hatten wir die Clock & Stock auf dem Programm. Ein satter 6a+ Remy Klassiker aus dem Jahre 1988 In 1,5h stiegen wir recht gemütlich zum Einstieg am Südgratturm. Beim, zugegebenermaßen etwas spätem Materialcheck, stellten wir fest das wir 18 statt 12 Exen und 3 statt 2 volle Racks Cams von 0,3-3 dabei hatten. Sascha dachte wohl nicht, dass jeder die Hälfte mitbringt sondern hat mal besser vorgesorgt. Sodann stiegen wir mit viel Material am Gurt ein, immerhin besser als mit zu wenig. Die Schwierigkeiten waren schon in der 2. SL (Seillänge) ganz schön ordentlich und zeigten uns relativ schnell was uns bevorstand. Nach der 4. SL hatte ich am falschen Stand geparkt und wir sind in die Schlüssel SL 6b+ der Jimmy geraten. Im Nachstieg sagte ich zu Sascha, dass es niemals 4c sein könne. Er bejahte und meinte, dass er sich auch schon gewundert hatte. Also gut, wieder abseilen und zurück in die richtige Linie. Eine 4 SL lange Mega Verschneidung, in der leider im Riss noch das Wasser runter lief. Chalken hatte wenig Sinn und brachte beim Schlamm Rissklemmen eh wenig. Zum Glück gab es noch Bohrhaken, die nasse Cam Placements ergänzten.

Dann kam noch einmal eine leichte Passage bevor man am Hauptgipfelturm in eine letzte 3 SL lange Verschneidung stieg. Nach einem kurzen Schreckmoment in Form einer fliegenden, los gerissenen Schuppe standen wir nach 14 SL am Ausstieg kurz unterm Gipfelplateau. Leider mussten wir schnell und ohne Gipfel absteigen da wir spät dran waren.

Auf der Hütte angekommen und frisch gestärkt war unser Fazit, dass die Bewertungen hier schon echt zapfig sind und wir für den Westgrat, der ungefähr ähnlich eincheckt, zu langsam waren.

Am nächsten Tag ließen wir es dann erstmal ruhig angehen und kletterten auf eine Empfehlung hin die Route Mokka, ein 6a Piaz-Riss Klassiker. Nach 2 leichten SL ging es voll zur Sache und wir kletterten im Grad 5c und 6a voll am Limit. Wahnsinn, die spinnen hier doch echt, dachten wir uns, und ließen die letzte SL aus, da man eh über die Tour abseilt und machten uns zurück zur Hütte. Da wir früh dran waren schmiedeten wir bei Kaffee und Kuchen neue Pläne. Der Südgrat sollte es jetzt werden. Obligatorisch mit 5a bewertet jedoch mit einer 5b+ Einstiegslänge und einer 5c+ Schlüsselseillänge gewürzt, war es genau das Richtige für uns.

Am nächsten Morgen standen wir nach 1,5h pünktlich zum Sonnenaufgang am Einstieg. Jetzt kam endlich der erhoffte Genuss. In 4 SL auf den ersten Zahn und abseilen in die Zahnscharte, wirklich Genuss pur. Auf der einen Seite sahen wir den imposanten Westgrat mit seinen 5 riesigen Türmen, auf der anderen Seite konnten wir 500m ins Hochtal der Hütte blicken und vor uns steilte fast 400m der Südgrat auf. In purem Genuss und moderaten Schwierigkeiten stiegen wir über Plattenturm und Zwillingsturm in die Scharte zum Hauptgipfel auf. Permanent begleitet von einem Wahnsinns Panorama, das uns den Atem verschlug und uns zum Staunen brachte. Nach kurzer Pause gingen wir die letzten 3 SL an und standen nach nur 6,5h am Gipfel unter der berühmten Gipfelnadel. Hier ließen wir es richtig ruhig angehen. Sascha bestieg noch die Gipfelnadel, ich genoss auch so die geniale Aussicht. Zum Schluss stiegen wir gemütlich, ziemlich fertig von den Strapazen der drei Tage, aber überglücklich zur Hütte ab und gönnten uns ein Bier.

Mein Fazit der Salbit Tour mit Sascha:

Auch wenn nicht immer alles nach Plan läuft, hatten wir Mega viel Spaß. Der Südgrat hat zurecht Weltruhm. Ich konnte Sascha die Alpine Kletterei näher bringen, dafür hat er mich in den schweren Riss Klassikern ordentlich fertig gemacht. Alles in allem ein super genialer Trip, der nach Wiederholung schreit.

Stichworte:

Kategorie: Allgemein, Sonstige Touren

Kommentare (1)

Trackback-URL | Kommentarfeed

  1. Uwe Henning sagt:

    Hallo Olli,

    Respekt vor der Leistung, tolle Tour, schöne Bilder und lebendiger Bericht.

    VG Uwe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.