Die Sommerreise der Familiengruppe nach Südfrankreich

| 31. August 2010

Alle wirklich guten Reisen verfügen über einen Prolog – so auch diese! Die Hoffnungsträger der Gruppe, wenn nicht des ganzen Vereines, verbrachten 5 intensive Vorbereitungstage am Laacher See. Neben etlichen Inhalten dieser Veranstaltung über die rein gar nichts zu erfahren war, gelang einem Spion dieses Bild. Die eingefleischte Landratte Lukas machte an Tag 4 erstmals und unfreiwillig Erfahrung mit dem erfrischenden Seewasser. Nun waren alle Vorbereitungen für die Südfrankreichreise getroffen!

Sieben Familien reisten aus unterschiedlichen Richtungen nach Embrun im Tal der Durance an. Czechs (4 Personen), Eberhardts (4 Personen) und Hoppens (5 Personen) machten auf der Hinfahrt einen längeren Zwischenstopp beim 44. Jazzfestival in Montreux. Beeindruckt von der Musik, aber auch von dem mondänen Flair der Stadt reisten wir am nächsten Tag weiter zu unseren wesentlich spartanischeren Behausungen auf dem Camping Municipal de la Clapiere in Embrun. Dort trudelten Kaisers (3 Personen) mit Wohnwagen, Erlers (3 Personen) mit Wohnmobil und Collins (4 Personen) bereits gebräunt von der Cote nachmittags ein. Vom Gewitter begrüßt wurden Gügels (4 Personen), die zu allem Überfluss das Gestänge ihres Riesenzeltes vorsorglich zu Hause in Kottenheim vergessen hatten. Aber auch diese erste Krise (eigentlich die einzige der Reise) wurde erfolgreich umschifft. Immerhin feierte Deutschland an diesem Abend den dritten Platz bei der WM.

Am Sonntag machte sich die ganze Gruppe auf zur Festung Queyras. Über einen abwechslungsreichen Steig in herrlicher Sonne wurde bei den newcomern die Lust auf mehr französische Klettersteige geweckt. Die Kombination macht’s: Steile Felspassagen über kühlem Nass und bequemes kommunikatives Lager nach der Hälfte des Steiges auf frisch gemähter Wiese.

Abends besiegte Spanien Holland auch auf unserem Campingplatz im Fußball. So hatte der folgende Tag für uns Multisportcharakter. Die Mehrheit der körperlich äußerst fitten Jugendlichen und jungen Damen und Herren eroberten den ersten bike park mit ihren Hochleistungsrädern, während Gipfelbegeisterte sich den nahen Mont Guillaume (2620m) vornahmen. Die Wasserverrückten erkundeten unseren Lac de Serre-Poncon mit Boot, Nudel und Taucherbrille. Cage-Soccer, Beachball, Minigolf und abendliche Disko kamen ebenfalls nicht zu kurz. Für Dienstag war die Via Ferrata des Gorges de la Durance angesagt. Laut Hüslers Klettersteigführer soll die Via Ferrata Noire zu den schwierigsten der französischen Südalpen zählen. Mit etwas klammem Gefühl fuhren wir zum Ausgangspunkt nach Argentiere-la-Bessee. Wir sahen die große Hängebrücke in schwindelnder Höhe über der Schlucht; an Seilrutschen rauschten Mutige in atemberaubendem Tempo über den Abgrund. Tatsächlich waren einige Passagen im Steilfels über der rauschenden Durance ernsthaft ausgesetzt.

Nach feuchter Seiltraverse an der Combe de Syphon wartete noch ein 140m hoher markanter Pfeiler mit vertikalen Passagen auf uns. Das high-light zum Abschluss stellte die 55m lange und gut 80m hohe Hängebrücke über der Schlucht mit Rückblick auf die gesamte Tour dar.

Die Zip-lines waren bereits geschlossen. Doch uns alle hatte der Steig genug Abenteuer geschenkt, sodass wir uns auf ein Eis in Argentiere freuten. Die jüngeren waren am heutigen Tag in einer Silbermine. Beendet wurde der Tag mal wieder am See. Mutige erforschten – in Analogie zu Kroatien 2008 – den „Eisberg“ illegal bei Mondschein.

Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, sollte auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Wir wanderten durch einen herrlichen Wald in der Nähe des Klosters Boscodon, welches wir im Anschluss besichtigten. Die Jungstars Benni, Philipp und Lasse mutierten am Bach zu Monstern.

Natürlich wurden auch die high-tech-Räder wieder eifrig bewegt. Wahrscheinlich war der heutige Tag der heißeste der Woche. Abends lagen wir alle wieder im und am See!

Der Donnerstag sollte für einige zur echten konditionellen Herausforderung werden! Um 5.30 Uhr schrillte der Wecker für die ambitionierten Col-Ersteiger. Jedenfalls waren die Aktivisten abends dank Sonne und verwickelter Wegführung erstmal völlig aus und alle. Vier der beteiligten Frauen (Doris, Elvira, Hanne und Andrea) erstiegen vorbildlich den Col de la Freissinieres (2782m) während die harten Jungs etwas unterhalb ein Ultrakurzbad im eiskalten Grand Lac des Estaris vorzogen. Bravo!

Auftakt des Alternativprogrammes des Tages war der Besuch einer warmen Quelle und nachfolgend die Begehung des Torrent de la Combe. Dieser Steig bietet jedem etwas. Einfache elegante Passagen neben leicht umgehbaren sportlichen Felsen, massenhaft Hängebrücken und witzige Felsköpfe. Der Weg begeisterte uns derart, dass wir ihn auch als Abstieg nutzten. Auf dem Heimweg statteten wir den Murmeltieren am Mont Dauphin einen Besuch ab. Allerdings zeigten sie sich kaum und hielten überwiegend Siesta in ihren Erdhöhlen.

Für den Freitag hatten sich die „größeren“ Steiggeher die Via Ferrata de la Falaise bei Freissinieres vorgenommen. Doch leider war dieser vielgelobte Eisenweg hoffnungsvoll von vergnügten Holländern überfüllt. Für die Velo-hardliner war heute ein ultimativer down-hill-Tag angesagt. Die „Unmotivierten“ verbrachten einen letzten Tag auf dem schönen Campingplatz oder am See. Der Abend gehörte erneut dem gemeinsamen Grillen (zum Auftakt mit kräftigem Regenguss, sodass Hals-über-Kopf die Terrassen sämtlicher Mobil-Hütten belagert wurden). Der Abschluss des Abends gelang dann doch wieder im Kreis mit Käse und Rotwein.

Der Samstagmorgen begann mit einem Kindergeburtstag: Philipp wurde neun – Glückwunsch! Anschließend packten wir unsere Sachen – die Mehrheit der Familien reiste ins schöne Rheinland zurück, Czechs nach Österreich, Erlers und Hoppens zur Cote d’azur.

Epilog: Die Vielfalt dieser Woche ist nur schwer zu steigern. Die Gruppe befindet sich aktuell gleichermaßen an einem Höhe- wie auch Wendepunkt. Lange Jahre gemeinsamer Unternehmungen von Familien mit unterschiedlichen Lebensbezügen und Altersstufen ihrer Kinder haben etwas unheimlich verbindendes aber auch auf fatale Weise ebenso vergängliches. Die Zukunft wird spannend!

Thomas Hoppen

Kategorie: Familiengruppe

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