Der Teufel soll mich holen

| 15. September 2019 | Keine Kommentare

Der Teufelsgrat und andere Abenteuer

Da hing ich also und legte einen Cam in den Granit, der Riss war leicht feucht oder doch gefroren? Die Luft war kalt mit 5 Grad minus, die Sicht betrug maximal 100m und der Höhenmesser zeigt schon mehr als 4000m an. 4+ soll das sein? Nie im Leben. Mit Handschuhen und den Stiefeln fühlte sich das eher an wie 8+.

In diesem Moment fragte ich mich ernsthaft warum ich das hier eigentlich mache. Aber der Reihe nach.

Da saßen wir also in einem kleinen Café mit Blick auf die Seilbahn und warteten. Schön doof wenn man an fast alles denkt, nur nicht daran eine Seilbahn zu reservieren. Normalerweise nutzen wir keine, hier jedoch kommt man kaum drumherum. Freitag Abend hatte ich Stefan in Karlsruhe eingesammelt und wir sind die Nacht durchgefahren, um nach ein paar Erledigungen und der Parkplatzsuche auf unsere geplante Bahn zu warten, immerhin nicht anstehen. Voll bepackt mit Material für Hochtouren und Kletterequipment in voller Montur bei Sonnenschein in der Stadt zu sitzen fühlt sich überall seltsam an, aber nicht in Chamonix. Mit Blick auf den fast 4000 Meter höheren Mt. Blanc und zahlreichen Bergsteigern waren wir hier genau richtig. Nur ein Problem hatte ich noch, Halsschmerzen.

Endlich ging es mit der Bahn auf die Aguille du Midi. 2800 Höhenmeter die man nicht laufen muss vor allem mit dem fetten Rucksack. Geflasht von den Eindrücken und reichlich spät dran stiegen wir aufs Mer de Glace ab, um an den Einstieg des Cosmique Grates zu gelangen. Irgendwie liefs nicht. Ich fühlte mich extrem schlapp, es war eine richtige Erkältung die mich da in die Mangel nahm. Dann kam noch eine schlechte Wettervorhersage und zusätzlich waren min 10 Seilschaften vor uns. Also Abbruch und mit der Seilbahn rüber zur italienischen Seite und ab ins Refugio Torino. Am nächste Tag war das Wetter auch nicht optimal, mir kam das entgegen, denn ich lag komplett flach. Zum Glück war ich von den Wochen zuvor wenigstens etwas akklimatisiert. Stefan konnte sich an dem Ruhetag auch akklimatisieren und so haben wir das Beste draus gemacht. Ab Montag sollte das Wetter endlich besser werden und mir ging es Sonntag Abend auch schon besser.

Sodann machten wir zum Aufwärmen erstmal den Rochefort Grat auf die Aguille de Rochefort. Der Grat hatte sehr gute Bedingungen und wir konnten abgesehen von den letzten 2 Seillängen auf den Gipfel den kompletten Grat seilfrei begehen. Erster 4000er: Check. Zwar nur 4001m hoch, aber egal, denn es war ja auch nur aufwärmen, für das was noch auf Stefans Teufelsliste stand.

Abends ging es dann früh ins Bett. Der Wecker klingelte echt früh. Das Frühstück auf der Hütte war für 2:00 Nachts angesetzt und kurze Zeit später stapften wir mit den Stirnlampen über den Gletscher in Richtung Cirque Maudit. Es war eine pechschwarze Nacht, wir konnten kaum die Umrisse der Felsnadeln um uns herum erkennen. Nach ca. 2h ging es über den Bergschrund in ein bis zu 45 Grad steiles Firn Colouir. Hier konnten wir schnell Höhe machen, leider bremste mich meine Erkältung doch noch etwas aus. Nach ca. 4 Stunden standen wir dann auf dem Col du diable. Der Höhenmesser war knapp unter 4000m und die Kletterei lag ja noch vor uns.

Der Teufelsgrat, 5 Felsnadeln, jede einzelne ein eigenständiger 4000er nach UIAA, 4+ Original Schwierigkeitsgrad, meistens mit 5 angegeben aber nach heutigen Maßstäben eher 6 UIAA.

In der Hochtouren Skala mit S+ bewertet.

Zwei Nadeln kann man umgehen aber über drei muss man klettern und nach der Ersten gibts kein zurück mehr.

Die Erste ließen wir dann auch links liegen und umgingen sie. Nach 4,5h standen wir am Einstieg, leider wurde das Wetter nicht wie vorhergesagt sonnig, sodass unsere Kletterschuhe im Rucksack blieben und wir sogar mit Handschuhen klettern mussten.

Mit einer Seillänge ging’s auf die Pointe Chaubert 4074m. Wie eingangs beschrieben war es sau schwer bei den Bedingungen zu klettern und so richtig Freude kam nicht auf. Aber egal, wir sind ja nicht zum Spaß hier…

Einmal abseilen in die Scharte vor der Pointe Médiane und hier in 3 Seillängen mit luftigem Stand zum Briefkastenschlitz. Ein enger Durchgang kurz unterm Gipfel der Pointe Médiane 4097m um in die Breche Carmen abzuseilen. Ein wirklich verrücktes Erlebnis, man seilt ins Leere ab, um dann an der Wand entlang zu laufen und Stand in der Scharte zu machen. Die Pointe Carmen 4109m war dann zum Glück endlich wieder leichteres Gelände.

Vom Gipfel ging es in die Breche Isolée. Die beeindruckende L‘Isolée mit der bestimmt schwierigsten Kletterei umgingen wir wieder, das Wetter war einfach zu schlecht dafür und ich zu fertig. Und immerhin lagen noch mindestens 150 Höhenmeter in absolutem Bruchgelände mit Schwierigkeiten bis 3 UIAA vor uns. Nach weiteren 1,5-2 Stunden, meiner Langsamkeit geschuldet, standen wir mit mittlerweile null Sicht auf dem Mt. Blanc du Tacul mit 4248m. Wow!4 x 4000m in 8 Stunden. Das klingt echt gut.

Aber vorbei war das Abenteuer noch nicht. Wir mussten noch den Abstieg finden und sind zuerst 50 Höhenmeter am falschen Grat abgestiegen, weil man wirklich nichts sehen konnte. Dank GPS fanden wir zurück auf den Weg über eine Firnflanke und konnten bei leichtem Schneefall schnell über den gut gespurten Normalweg absteigen.

Nach 15h erreichten wir endlich das Refuge Cosmique. Auch wenn wir ziemlich kaputt waren, hatten wir doch beachtliches geleistet, bei ziemlich schlechten Bedingungen und hielten sogar die angegebene Zeit ein.

Der nächste Tag versprach endlich richtig gutes Wetter, aber für große Touren waren wir einfach zu platt. Und so stiegen am nächsten Tag bei Traumwetter zum Genuss in den Arete Cosmique ein, der uns in leichter und traumhafter Kletterei verwöhnte. Garniert mit strahlend blauem Himmel führte er uns direkt auf die Terrasse der Seilbahn auf der Aguille du Midi.

Wieder angekommen in Chamonix endete unsere Reise leider früher als geplant. Das Wetter war für die nächsten Tage einfach zu schlecht und wir brachen unser Vorhaben der Tour auf den König der Berge, den Mt. Blanc, ab.

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Kategorie: Allgemein, Sonstige Touren

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