Aus dem Himalaya auf die Koblenzer „Alm“

| 6. Mai 2001 | Keine Kommentare

Bergtourismus verbindet die Nationen – Chiri Tendi Sherpa aus dem fernen Nepal besucht Freunde auf dem Asterstein – Alpenverein half bei der Anreise

Berühmt wie Tenzing Norgay, der 1953 mit Sir Edmund Hillary den Mount Everest bezwang, wird heute kaum noch ein Sherpa. Nachahmer stürmen mittlerweile zu Hunderten Nepals Himalayaberge – und einige davon führt Chiri Tendi Sherpa bei ihren beschwerlichen Expeditionen. Zurzeit besteigt Tendi aber nur die Koblenzer „Alm“. Seinen Gastgeber auf dem Asterstein lernte er auf einer Treckingtour in Nepal kennen.

Von Julia Lewentz

KOBLENZ. Vor etwa einem Jahr haben sich Bernd Otto und Friedrich Breidenbach in Nepal zu einer Treckingtour aufgemacht. Die beiden sind passionierte Bergsteiger und Mitglieder im Verein Rheinland-Lorraine-Nepal. Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder in den abgelegensten Dörfern im Himalayagebiet zu unterstützen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, eine Schule zu besuchen. Auch um die Versorgung mit Kleidung und Medikamenten sind die Helfer bemüht.

Auf dieser Tour lernten die beiden Männer Tendi Sherpa kennen, der sie als Bergführer begleitete. Der junge Mann ist im Bergland des Mount Everest in dem kleinen Dorf Taksindu geboren und aufgewachsen. Später ging er nach Katmandu, um dort im Tourenbüro seines Onkels als Guide anzuheuern.

Für Tourismus interessiert er sich schon lange. Das wenige Englisch, das er in der Schule gelernt hatte, baute er auf seinen Touren durch den Kontakt mit den Touristen aus. Aber nicht nur die englischsprachigen Touristen führt er durch das Gebirge. Auch japanischen Reisegruppen steht er als Führer zur Verfügung.

So entstand auch der Kontakt zu Bernd Otto und Friedrich Breidenbach. Auf ihrer Tour freundeten sich die beiden Koblenzer mit ihrem nepalesischen Guide an, man kam ins Gespräch. Bald stellte sich heraus, dass Tendi eine Tante in Hennef hat. Seit langem war er am Sparen, um sie in der Monsunzeit, in der der Bergtourismus Pause hat, in Deutschland zu besuchen.

Nach ihrer Rückkehr nach Koblenz schrieben die beiden Kletterfreunde der Tante einen Brief. Sie wollten helfen, den Jungen für einen Besuch nach Deutschland zu holen. „Ich habe mich am Telefon erst mal mit den Worten ,Hier ist Charlies Tante` vorgestellt“, so Lhakpa Doma Sherpa. „Ich wusste ja nicht, wer diese beiden Männer waren.“

Nach diesem ersten Kontakt begann man, gemeinsam Tendis Einreise zu organisieren. Visa, Flug und Behördengänge mussten erledigt werden. Erschwerend kam hinzu, dass in der Zeit, in der das Visum beschafft werden sollte, die Auflagen hierfür verschärft worden waren. Nach viel Papierkrieg hat es dann aber doch noch geklappt, und Tendi konnte nach Deutschland kommen. Schon kurz nach der Landung auf dem Flughafen Frankfurt stellte er die ersten Unterschiede zwischen seiner Heimat und Deutschland fest. „Katmandu und Frankfurt unterscheiden sich schon. Zu Hause ist es wesentlich lauter und betriebsamer“, so Tendi.

Außer Frankfurt hat er mit seinen Gastgebern, seiner Tante sowie deren Mann, einem Nepalexperten, schon Bonn und Trier besucht. Als nächstes will er nach Köln und München. Von diesen Städten hat er erzählt bekommen, nun möchte er sie mit eigenen Augen sehen. Außerdem ist für Ende August eine Dolomiten-Tour geplant. Da wollen ihm seine Kletterfreunde die Bergwelt der Alpen zeigen.

Aber auch für seine Rückkehr nach Katmandu sind schon Pläne geschmiedet. Dort möchte er in ein Trainingsprogramm für Bergtourismus des Summit-Clubs aufgenommen werden. Der Deutsche Alpenverein bildet hier seine Tourleiter aus. In der Tourismusbranche am Himalaya sieht Tendi seine Zukunft.

Rhein-Zeitung vom 6.8.2001

Kategorie: Presse

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