Aufbaukurs Fels / Eis im Dachsteinmassiv vom 18.06. – 24.06.2005

| 13. Juni 2005

Ein Bericht über den 1 Wöchigen Aufbaukurs Fels / Eis.
Dieser fand auf der wunderschönen, und gemütlichen Simonyhütte am Dachstein statt.
Optimales Gelände und eine erstklassige Hütte erwarteten uns. Der Hallstätter Gletscher, gut ausgebaute Klettersteige in allen Schwierigkeitsgraden und der überdachte Klettergarten sind Garanten für fundierte Ausbildung in Fels und Eis.
„…Ich lass mir doch meinen Weizenbier Durst nicht von Deinem Wasser kaputtmachen“

So oder so ähnlich klang es, als Rainer am letzten Etappentag die Simonyhütte vor Augen Birgittas gut gemeintes Angebot ausschlug. Damit kein falscher Eindruck entsteht, die Weizenbiere hatten wir uns nach zwölfstündiger Wander- und Klettertour auf den Niederen Dachstein (2934m) auch redlich verdient. Die letzte Tour auf den Kleinen Dachstein hatte es in sich.
Dabei begann alles wie im Bergroman. Als wir Samstag Vormittag in Obertauern am Fuße des Dachsteingebirges ankamen und ein wenig Erholung von der langen Anfahrt im Dachsteinhof suchten, gab uns die Pächterin Hannelore zum Abschied drei Röschen für den Michi mit. Behutsam auf den Rucksack befestigt, gaben wir auf die Rosen acht, schließlich war Michael, der neue Pächter der Simonyhütte –unserem noblen Basisquartier auf rd. 2200m Höhe für die kommenden sieben Tage.
Der neue Pächter und sein Team waren sympathisch & hoch motiviert. Wer wollte, konnte vegetarisches Mahlzeiten wählen, sich von der Angestellten Physiotherapeutin Heike massieren lassen oder ein Fußbad nehmen. Die Simonyhütte war erst kürzlich grundlegend Renoviert und um einen Anbau und eine Abwasser-Wiederaufbereitungsanlage erweitert worden. So bezogen wir geschlossen ein nagelneues Zehnbett-Zimmer, was wie für uns geschaffen war. Duft & Temperaturen hielten sich bei geöffnetem Fenster in Grenzen, wie übrigens unsere Schnarcher auch. Die Sanitäranlagen waren neu und eine Gästedusche gab es sogar auch. Doch nicht nur uns verwöhnte die Hütte. Der Trockenraum beheizte unsere Schuhe mit einem Umluftsystem. Der Standard war und ist enorm und umso höher einzuschätzen, da die Versorgung der Hütte nur aus der Luft gewährleistet wird.
Ein wenig mulmig war es uns im Vorfeld Dachstein-Tour schon. Ob maximale Höhen von knapp 3003m über Mittelmeeresspiegel oder 2997m über Atlantikspiegel ausreichen würden, um unsere Schnee und Eis Übungen durchführen zu können? Auch waren die Wettervorhersagen nicht immer ermutigend. Doch schon am ersten Morgen waren alle Sorgen verflogen. Die ausgestellten Postkarten neben der Kasse zeigten Motive wie wir sie mit Ausnahme eines Tages die gesamte Woche über antrafen: strahlend blauer Himmel, Zuckerwatte- oder Kumulus-Wolken und reichlich frischer Schnee, so dass wir in der ersten Hälfte des Kurses nicht einmal eine „bergungstaugliche“ Gletscherspalte fanden. Wie das Wetter so auch die Stimmung innerhalb der Gruppe. Wir hatten uns nur beim Vortreffen kurz kennen gelernt, fanden uns dafür aber umso schneller zusammen.
Die meisten Tagesetappen führten uns nach Süden über den durch die jüngsten Schneefälle stark angewachsenen Hallstätter Gletscher. Wagte man einen Blick zurück, so konnte man bis zum Toten Gebirge und dem Karwendel blicken. Die Tage bauten gut aufeinander auf. In die ersten Etappen wurden zusätzlich Übungen integriert: zunächst im Klettersteiggehen und Abbremsen von Stürzen in Schneehängen, dann die richtige Nutzung von Steigeisen & Eispickeln.
Später übten wir das Gehen in Seilschaften auf dem Gletscher und das Klettern mit einer Seilschaft am Fels. Alles wurde uns so anschaulich vermittelt, dass (kleinere) Lücken aus dem Alpinen Grundkurs in ungezwungener Atmosphäre aufgeholt werden konnten. Die wachsamen Augen von Heike und Friedhelm entdeckten immer wieder Besonderheiten im Gletscher- bzw. Felsverlauf und unserer Klettertechnik. Diese in kleinere Fragen verpackt, gestalteten die Anstiege zum Kleinen & Großen Gjaidstein bzw. Niederen & Hohen Dachstein noch kurzweiliger als sie durch das Naturpanorama ohnehin waren.
Nach den Tagesetappen war der Tag natürlich noch nicht vorbei. Durch unseren gesteigerten Appetit handeltet sich der Koch Juri völlig zu Recht den Ruf des besten seines Faches in den nördlichen Alpen ein. Mit dem Ruf gingen leider auch jede Menge Überschichten einher. Nach dem Essen besprach man die anstehenden Touren und Aufgaben in lockerer Atmosphäre, trug was zum Bergsteigerlatein bei oder kurierte seine kleinen Wehwehchen. Wobei die Reiseapotheken der drei teilnehmenden medizinischen Fachkräfte erstaunliches zu leisten imstande waren. Und wenn man schon einmal mit so erfahrenen Bergführern wie Heike und Friedhelm am Tisch saß, wurden sie mit Fragen gelöchert. Aber wie am Tage so auch am Abend gaben sie bereitwillig Auskunft.
Wenn man nicht am Tische zusammensaß, zog es einen raus zur Sonnwend Feier, wenn am längsten Tag des Jahres (21.06.) sämtliche Hütten der Umgebung nachts ein Feuer anzünden. Oder man wagte sich mit dem Hüttenoriginal Floh auf den Flying Fox. Dies ist eine ca.150m über einen Hang gespannte Seilrutsche, an die man & frau sich mit dem Klettergurt einhaken. Anfängliche Skepsis wich dem Rausch der Geschwindigkeit.
Wie jeder andere Kurs, so lebt und lebte unserer von den kleinen Anekdoten am Rande. Eine dreißigköpfige Reisegruppe hatte kurz vor unserer Ankunft keine Handtücher auf die Simonyhütte mitgenommen. Stattdessen nutzten sie die neben dem Toiletten deponierten Klorollen. Mit der Folge, dass zunächst die Rohre verstopften und sich dann die Klopapiervorräte trotz Rationierung zu schnell dem Ende neigten. Um einen drohenden Versorgungsengpass abzuwenden stieg einer der Angestellten mit leerem Rucksack ins Tal ab…So bewusst wie in den folgenden Tagen hatte sicherlich keiner aus unserer Gruppe jemals das Klopapier genutzt.
Peu à peu wuchsen wir mit unseren Aufgaben. Nach Wanderungen im Schnee zum Hohen Ochsenkogel (2.525m), Klettersteigen am Schöberl (2.422m), am Kleinen Gjaidstein (2.735m) und zum Hohen Dachstein (2.997m) und einzelnen Seilschaft-Trockenübungen war nun der Tag gekommen, an dem wir den Niederen Dachstein (2934m) erklommen.
Trotz anderslautenden Informationen durch Einheimische, war die Kletterroute (III-) über weite Strecken ohne Haken und verlief stets auf extrem brüchigen Gestein. Für die ca. 700m lange Kletterpassage dehnten sich die geplanten drei Stunden schnell auf sechs Stunden aus. Heikes & Friedhelms Nerven & Armkraft schienen in diesen Stunden wirklich unverwüstlich zu sein! Zum Glück hielt auch das Wetter, so dass wir uns als vierte Gruppe des Jahres im Gipfelbuch verewigen konnten. Knapp 100m Abseilspaß stand uns da noch bevor. Ein wirklich fordernder doch nicht überfordernder Höhepunkt unseres Dachstein Fels- und Eis Grundkurses.
Womit der Erzähler am Ende der Tour & wieder am Beginn des Textes angekommen ist. Es folgte nur noch der Abstieg bei senkender Hitze und mit Rucksäcken, die die Woche über nichts an Gewicht eingebüßt hatten. Ohnehin, die Woche war ein schweißtreibender Genuss! Und allzu gerne würde der Autor das Rad der Zeit um ein paar Monate zurückdrehen. Des gelungenen Kurses aber auch Michaels trockenem Kommentars wegen, als er die unversehrten Alpenrosen von Hannelore in Empfang nahm: „Mir wäre es lieber gewesen, ihr hättet meine zwölf Schneeschuhe mit hoch gebracht.“

Kategorie: Ausbildungsberichte

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