Annapurna Umrundung mit Besteigung Pisang Peak (6.091 m)

| 15. Juni 2007

Vom 18.10. – 18.11.2006 waren wir wieder einmal in Nepal unterwegs. Diesmal wollten wir die Annapurna Umrundung mit Besteigung des Pisang Peak (6.091 m) durchführen. Die Organisation vor Ort übernahm wieder einmal unser langjähriger Freund Kami R. Sherpa, dem wir hiermit noch einmal ganz besonders danken möchten.
Eine fantastische Reise mit vielen Eindrücken und Begegnungen liegt nun zwar hinter uns, wird uns aber im Gedanken noch ewig begleiten.

Teilnehmer: (Friedhelm Hulley, Heike Schuster-Hulley, Klaus Dillenberger, Heike Lippman, Frank Lippmann)

Endlich war es soweit, am 18.10.06 flogen wir von Frankfurt nach Kathmandu. Für uns alle war es bereits das zweite Mal, dass wir uns nach Nepal, in das wunderschöne Land der 8.000er aufmachten.

Am nächsten Morgen, nach etwas Chaos mit unserem Hauptgepäck, empfing uns unser Freund Kami mit seiner ältesten Tochter am Flughafen. Bei strahlend blauem Himmel gab es zur Begrüßung für jeden einen Blumenkranz aus orangenfarbenen Blüten.
Auf der Fahrt zum Hotel kam uns alles so vertraut vor. Der viele Verkehr, das Hupen der Autos und Motorräder. Es hatte sich nicht viel verändert! Im Hotel klärten wir noch ein paar organisatorische Dinge und fuhren am Nachmittag vorbei an Reis- und Gemüsefeldern in die alte Königsstadt Bhaktapur. Die Stadtteile Svayambhunath und Bodnath besichtigten wir am nächsten Tag. Vom Restaurant Stupa View hatten wir einen großartigen Blick auf die größte Stupa Nepals! Ein starkes Gewitter am Abend sorgte dafür, dass ganz Thamel überschwemmt war. Die Rikschas versanken bis zur Achse in den zu Flüssen gewordenen Straßen! Nun, nachdem wir uns etwas akklimatisiert hatten, ging es am nächsten Morgen in aller Früh auf nach Besisahar (760 m)- per klapprigem Bus natürlich, was ein Abenteuer werden sollte. Stadtauswärts mehrere Kilometer Stau, links und rechts wurde überholt! Rush-hour in Kathmandu! Je näher wir zu unserem Ausgangsort kamen, desto tropischer wurde die Landschaft. Bambus, Papaya- und Mandarinenbäume säumten die Straßen. Am späten Nachmittag hatten wir unser Ziel erreicht! Sichtlich erleichtert stiegen wir aus, ca. 250 km Strecke in acht Stunden!!
Endlich konnten wir unsere Tour zu Fuß starten. Bei nepalesischer Live-Music ging der Tag zu Ende und die erste Nacht im Zelt konnte beginnen.

Am darauf folgenden Morgen wurden wir von unserem Koch Krishna mit „Early Morning-Tea“ geweckt. Eine tolle Sache, daran kann man sich gewöhnen. Nach dem Frühstück wurde unser Gepäck, Zelte und Ausrüstung auf die Mannschaft verteilt. Träger, Küchenmannschaft, Sherpas sollten uns von nun an begleiten. Das Ziel heute hieß Ngadi (930 m).

Bei schwülem, sehr warmem Wetter und Sonnenschein wanderten wir los. Die Vegetation war geprägt von Palmen, Bananenstauden und Reisfeldern. Begleitet von manch großem bunten Schmetterling, überquerten wir Bäche mittels herrlicher Bambusbrücken und schließlich den Marsyangdi River, der noch länger unser Weggefährte sein sollte. Die Schwüle am Morgen sorgte am Nachmittag für kräftige Gewitter, sodass unser Camp überflutet war und wir in einer einfachen Lodge übernachten mussten!
Jagat (1.330 m) hieß unser nächstes Ziel. Immer am Fluss entlang wie im Dschungel. Rechts und links große Wasserfälle – einfach wunderschön. Plötzlich, kurz vor Jagat, konnten wir eine Gruppe Affen beobachten! Am Folgetag in Chamje hatten wir unseren ersten von drei Kontakten mit den Maoisten. Diskutieren half nichts- wir mussten zahlen, um den Check-point passieren zu können. Im weiteren Verlauf unserer Tour gewannen wir nun mit jedem Tag immer mehr an Höhe. Mal rechts, mal links des Flusses, durch uralte Nadelwälder kamen wir schließlich nach drei Tagen in Pisang (3.200 m) an.

Von hier aus wollten wir den Pisang Peak (6.091 m) besteigen. Im Kloster von „Upper Pisang“ holten wir uns göttlichen Beistand und die Expedition konnte beginnen. Auf zum Base Camp (4.380 m), danach zum vorgeschobenen B.C. und weiter zum High Camp. Am 30. Oktober um Punkt 13:00 Uhr standen Heike S. und Friedhelm mit zwei Sherpas auf dem Gipfel des Pisang Peak (6.091 m)!! (siehe auch gesonderten Bericht über die Besteigung)

Heike L. erkrankte im vorgeschobenen B.C. an einer fiebrigen Bronchitis und wir entschlossen uns, gemeinsam abzusteigen. Nach Trennung folgt bekanntlich auch ein Wiedersehen und so geschah es am Tag nach der Gipfelbesteigung in Hongde. Jetzt wurde gefeiert bei köstlicher, gebratener Yak-Leber und Bier.

Wieder vereint und fast genesen, hieß unser nächstes größeres Ziel der 5.416 m hohe Thorong-La Pass. Doch bis dahin war es noch weit, hatten wir doch erst 1/3 unseres Weges hinter uns. Vorbei an Braga mit seiner 500 Jahre alten Gompa nach Manang (3.540 m), der letzten größeren Ansiedlung am Marsyangdi River. Die Landschaft wurde nun immer karger und die Bevölkerung buddhistischer. In Manang gönnten wir uns zwei Tage Ruhe. Ein großer Teil der Mannschaft trennte sich nun von uns, da wir den Rest der Tour in Lodges übernachteten.

Thorong Phedi (4.450 m) war der letzte Ort vor dem Pass. Hier brachen wir am 5. November um 5:00 Uhr noch im Dunkel, allerdings bei sternenklarem Himmel und Eiseskälte auf. Nach langem kräftezehrenden Weg standen wir gemeinsam und glücklich um 9:50 Uhr am Thorong-La Pass (5.416 m). Der Pass, geschmückt mit unzähligen Gebetsfahnen, eröffnete uns einen ersten atemberaubenden Blick in die Kali Gandaki Schlucht.
Der teils steile Abstieg führte uns in den Pilgerort Muktinath, wo wir die heiligen Stätten am nächsten Tag besuchten. Rund um den Shiva Tempel fließen die heiligen Quellen und die Buddhisten verehren das ewige Feuer. Kakbeni, das Tor zu Mustang, war unser nächstes Ziel und wohl auch das beeindruckendste.

Auf dem Weg dorthin lachte uns im Süden der Dhaulagiri, ein massiger, fast völlig vereister 8.000er an. In Jharkot wurden wir Zeuge wie Männer auf einem Viehmarkt Yaks auswählten und auch gleich schlachteten! Kakbeni rückte immer näher.

Nun standen wir plötzlich in diesem Ort, der erst seit kurzer Zeit zugänglich und direkt am Kali Gandaki liegt. Der Fluss nagt an den alten Lehmmauern der Stadt, aber das alte Kloster mit seinen 700 Jahre alten Schriften, hat er bislang verschont! Vom Dach des Klosters konnten wir weit Richtung Mustang schauen. Der Ort selbst scheint im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Alte Lehmbauten, in denen die Menschen mit Vieh unter einer Decke leben und sich im Winter immer tiefer in die Räume zurückziehen. Selbst unsere Sherpas waren erstaunt über das Leben in dieser Stadt!
Nach einer geruhsamen Nacht machten wir uns auf den Weg nach Marpha. Oft gingen wir direkt im Flussbett entlang und suchten nach Fossilien. Diese uralten tiefschwarzen Versteinerungen kann man hier mit etwas Glück finden. Doch zu lange sollten wir uns damit nicht aufhalten, kommen doch um die Mittagszeit die gefürchteten Sandstürme das Tal hinaufgeblasen!
Marpha ist eine der schönsten Ansiedlungen im ganzen Tal, geprägt von engen Gassen, wo man in den vielen Läden allerlei Mitbringsel kaufen kann. Nach einer weiteren Tagesetappe bis Kalopani (2.530 m) erreichten wir Tatopani (1.200 m). Trotz Abstieg ein langer Weg, aber die Landschaft wurde wieder grüner, fast tropisch anmutend! Wir ließen uns das frische Obst schmecken. Größte Attraktion sind die heißen Quellen am Ufer des Kali Gandaki, wo wir ein entspannendes Bad nahmen, um unsere Muskeln für die nächste Etappe nach Ghorepani (2.855 m) vorzubereiten!
Hier in Tatopani wechselten wir dann über eine Hängebrücke die Flussseite und verließen das Kali Gandaki Tal. Der Weg sollte sich als „harter Brocken“ erweisen. Immer wieder mussten wir Maultierkarawanen ausweichen. Steil ging es in Serpentinen hinauf, durch herrliche Weiler, umgeben von Terrassenfeldern. Wir hatten mit Absicht unsere Route so gewählt, denn wir wollten uns den grandiosen Blick vom Poon Hill (3.250 m) während des Sonnenaufganges auf die Bergwelt mit Dhaulagiri (8.167 m), Annapurna I (8.091 m), Hiunchuli (6.441 m) und Macchapuchare (6.993 m), um nur einige zu nennen, nicht entgehen lassen!

Am nächsten Morgen stiegen wir auf, es war sehr kalt und stark bewölkt, Nebelschwaden versperrten die Sicht. Aus aller Welt treffen sich hier die Bergbegeisterten, um ein paar Fotos zu schießen. Schließlich, als fast alle Leute schon abgestiegen waren, riss die Wolkendecke auf und die Berge präsentierten sich im Morgenrot in ihrer ganzen Schönheit!
Nach einem stärkenden Frühstück ging es weiter Richtung Ghandruk (2.000 m), eines der schönsten Gurung-Dörfer in der Annapurna-Region. Durch Rhododendren-Wälder, behangen von meterlangen Flechten, ging es bergauf und bergab, an glasklaren Wasserfällen vorbei!

Zwei Tage sollten wir von hier aus noch zu Fuß unterwegs sein. Steil hinab über Steintreppen ging es 600 m hinunter in das Modi Khola Tal und auf der anderen Seite 500 m wieder hinauf. Tolka war unser Ziel, hier übernachteten wir das letzte Mal in einer Lodge.

Den darauf folgenden Tag, wir waren alle von der anstrengenden Tour gekennzeichnet, ging es nur noch bergab. Im nächsten Ort gehörte uns der erste Bus und wir fuhren mit Schulkindern in Richtung Pokhara! Ab jetzt nur noch Hotel, heiße Dusche, Einkaufsbummel in den vielen tibetischen Geschäften oder eine Ruderpartie auf dem wunderschönen Phewa See.

Phokara gehört zweifelsohne mit seiner tropischen Vegetation und der Bergkulisse zu den besuchenswertesten Zielen Nepals! Hier verabschiedeten wir uns von unserer treuen Mannschaft. Nach zwei Tagen holte uns Kami ab. An der Stadtgrenze hielten wir ein letztes Mal an und nahmen Abschied von der herrlichen Bergkulisse der Annapurna und ihrer Trabanten.

In Kathmandu ließen wir die Tour im legendären Restaurant KC’s bei einem kräftigen Steak nochmals Revue passieren. 250 km Treck, 12.000 m Auf- und Abstieg in ca. drei Wochen- was für eine grandiose Tour!

Frank Lippmann

Kategorie: Hochtourengruppe

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