7 Berghexen auf dem Friedensweg

| 10. September 2003

Während des 1. Weltkrieges verlief die Front zwischen Österreich und Italien im Bereich der Karnischen Alpen. Aus dieser Zeit stammt ein Netz von Versorgungswegen, welches aber in der folgenden Zeit verfiel und unbegehbar wurde. Diese Kriegssteige bilden die Grundlage des Karnischen Höhenweges, der in den Jahren 1975-1978 von ÖAV-Sektion Austria mit Unterstützung der „Dolomitenfreunde“ und des Bundesheeres angelegt wurde.

Am 06.09.03 war es endlich soweit. Die schon lange geplante 1. Frauentour ins Gebirge.

Wir (Christa, Leni, Vera, Karin, Renate, Erika, Inge, im Alter von 41 – 73 Jahren) starten morgens um 4.30 Uhr in Richtung Berge. Unser genaues Ziel ist Sillian im Pustertal und zwar die Leckfeldalm. Schon im Februar hatte ich div. Hütten angerufen und angeschrieben und Plätze für uns reserviert. Es konnte also nichts mehr schief gehen. Das einzige, richtige Problem das wir hatten, war „Das“ mit dem Tankdeckel. Aber das verstehen nur wir Frauen. Die Anfahrt zur Alm auf einer Forststrasse ist schon ein kleines Abenteuer. Plötzlich kommen zwei wild gestikulierende Mannsbilder auf uns zugelaufen. Ich fahre rechts ran und dann sind wir umzingelt von mindestens 50 Kühen. Sie klotzen uns durch die Scheiben an und es wird uns recht mulmig und unsere Geduld wird ganz schön strapaziert. Aber es geht vorbei und wir kommen ohne Schaden auf der Leckfeldalm ( 1900 m ) an. Karin, unser Neuzugang, packt erst mal eine Flasche Sekt und einen Kuchen aus. Auch Leni hat noch einen Kuchen gebacken und das muss noch alles vertilgt werden, bevor es losgehen soll. Wir stärken uns, ziehen die Bergsa-chen an und machen uns auf den Weg zur Sillianerhütte, die immerhin schon bei 2447 m liegt. Der schwere Rucksack drückt ganz schön und es geht auch schon gleich steil in die Höhe. Nach 1,5 Std. erreichen wir die Hütte. Eine grandiose Aussicht auf die Drei Zinnen lassen uns die Mühe schnell vergessen und macht Lust auf mehr.
Jetzt kommt so richtige Stimmung für die nächsten Tage auf. Wir beziehen nun unser Lager und es kommt Hektik auf, da wir den Lagerraum mit noch 2 Frauen und 7 Männern teilen müssen. Die haben sich so breit gemacht, dass für uns kaum Platz bleibt. Aber das wird ganz schnell geklärt. Um 20.00 Uhr sind wir so müde und nicht viel später liegen wir auf den Matratzen. Leni schläft in der Nacht ganz unruhig und ich glaube, Sie war schon im Traum am Klettern. Renate hat das nicht so gut gefallen, denn Sie lag direkt neben ihr.

2. Tag:

Um 07.30 Uhr starten wir in Richtung Obstansersee-Hütte bei traumhaftem Wetter. Der erste, richtige Gipfel mit Kreuz wird erklettert, die Hollbrückerspitze (2581 m). Einige sind der Meinung, dass nur ein Berg mit Kreuz ein richtiger Gipfel ist. Weiter geht es über Demut (2591 m), Schöntalhöhe (2635 m) und Eisenreich (2665 m). Es sind immer wieder Anstiege zu bewältigen und das geht ganz schön in die Beine. Wir steigen vom Eisenreich ab und schon bald sehen wir tief unten den See und die Hütte liegen, die dann auch bald erreicht wird. Die Hütte ist erst in diesem Jahr neu renoviert worden und wir fühlen uns hier sehr wohl. Heute haben wir ein Lager ganz für uns allein. Leni bekommt eine ganze Kammer für sich allein, falls Sie in der Nacht wieder „klettern“ will. Auch heute Abend sind wir wieder kurz nach acht im Lager verschwunden.

3. Tag:

Um 08.15 Uhr starten wir die dritte Etappe mit Endziel Porze-Hütte. Es geht hochalpin über die Pfannspitze (2678 m). Der felsige, ausgesetzte Steig über den Gipfel macht uns allen Spaß. Wir kommen am Gipfel an und es ist nichts mehr zu sehen. Dichter Nebel zieht ganz plötzlich auf und es geht ein kalter Wind. Schade, denn von hier hat man eine tolle Aussicht auf div. Berge, auf Großglockner, Großvenediger, die Tauerngruppe und vieles mehr. Ich schreibe noch einen Spruch ins Gipfelbuch und dann geht’s über einen schmalen Grad weiter in Richtung Kinigat.
Plötzlich reißt mal für einige Minuten die Nebeldecke auf und nun sehen wir erst so richtig, in welch herrlicher Bergwelt wir uns befinden. Weiter geht’s, vorbei an kleinem-u. großem Kinigat, doch leider wieder nur Nebel. Nun erreichen wir die Filmoorstandschützen-Hütte.

Die Hütte ist so klein und so voll und wir quetschen uns auch noch hinein. Mittlerweile hat starker Regen eingesetzt. Na das kann heiter werden, denn wir haben noch ca. 4 Std. zu gehen. Einige einheimische Mannsbilder wollen uns doch glatt überreden hier zu bleiben. Aber nun zeigen wir es Ihnen und setzen ganz eisern unsern Weg fort. Wir müssen wieder etliche Meter absteigen bis zum oberen Stuckensee und dann steil hinauf zum Heretriegel. Das Roß-Kar ist auch noch mal eine Herausforderung, da es steil durch eine Rinne nach unten geht und die Steine sind recht glatt. Aber auch das schaffen wir ganz gut. Der Regen lässt nun etwas nach und wir können in der Ferne die Hütte erkennen. Um 17.00 Uhr kommen wir an. Wir sind nass und glücklich. Ich melde mich beim Hüttenwirt und dieser ruft seiner Frau in der Küche zu: „Die Weibsen san do“. Das Wetter macht mir Sorgen. Morgen steht die längste und schwierigste Etappe an. Erst mal drüber schlafen und dann schauen wir mal. Viele Männer in der Hütte wollen abbrechen und der Wirt sagt mir, dass das Wetter nicht besser wird.

4. Tag:

Ich werde wach und höre schon den Regen fallen. Das bedeutet für heute, nicht Bergsteigen sondern Auto- fahren. Wir wollen und müssen zum Hochweiß-steinhaus,, möglichst bequem und nicht im Regen, denn ich schleppe seit 3 Tagen ein 600 g schweres Buch im Rucksack mit. Dieses soll ich im Auftrag unseres 1. Vorsitzenden der Hüttenwirtin Ingeborg übergeben. So wird von der Porzehütte ein Taxibus bestellt und wir fahren hinunter ins Tal nach

Obertilliach und von dort über St. Lorenzen ins Frohntal. Der Taxifahrer hat Mitleid mit uns und fährt uns ziemlich weit, über sehr schlechten Fahrweg, ins Frohntal hinein. Von hier müssen wir nur 1,5 – 2 Std. laufen, um zum Hochweisteinhaus (1868 m) zu kommen. Über die Ingridalm erreichen wir dann bald unser Ziel. Die nette Hüttenwirtin Ingeborg begrüßt uns, zeigt uns wo wir die Sachen trocknen können. Die Hütte ist sehr gemütlich und man merkt gleich, hier hat eine Frau das „Sagen“. 2 junge Männer helfen in der Gaststube. Schnell haben wir erkannt, einer ist der Sohn von Ingeborg. Der andere, Sepp heißt er, meint: “Ich bin hier nur der Buckler“. Als Trost bekommt er einen Schnaps von mir. Das Wetter hat sich kein bisschen verbessert. Es kann nur noch ein Wunder geschehen, sonst müssen wir abbrechen. Das Wunder kommt in der Nacht in Form eines kräftigen Sturmes. Um 3.00 Uhr in der Nacht springt Leni ganz aufgeregt im Zimmer umher und murmelt vor sich hin: „Die Berge sind ganz frei, wir können weiter gehen“. Gott sei Dank, eine Sorge weniger.

5. Tag:

Der Sturm hält noch an, aber wir machen uns trotzdem auf zum nächsten Ziel, die Wolayer-See-Hütte. Vom Hochweißsteinhaus steigen wir ca. 250 m auf und erreichen das Öfnerjoch. Dort bläst der Sturm uns fast weg. Eilig steigen wir auf steilem Pfad ab ins Fleons-Tal auf italienischer Seite und hier ist es nun windgeschützt. Der Sturm legt sich langsam und um die Mittagszeit, in der Nähe des Giramondo-Passes, sitzen wir nun im herrlichsten Sonnenschein und genießen die fantastische Bergwelt. Unter uns zwischen Almwiesen schauen wir auf den Lago Bordaglia und vor uns sehen wir das Biegengebirge. Wir würden gerne noch hier bleiben, doch ein heftiger Abstieg bis fast zum Talboden und nochmals ein steiler Anstieg liegen vor uns. An der oberen Wolayeralm, die aber leider schon geschlossen hat, füllen wir an einem Brunnen die Trinkflaschen noch mal auf. Hier treffen wir auch wieder diese drei netten Männer, die uns immer wieder auf dieser Tour über den Weg laufen und dann bekommen wir immer ein Stück Schokolade. Wir haben sie „unsere Schokoladenmänner“ genannt. Dann kommen wir am Wolayersee an. Ein wirklich romantisches Fleckchen Erde. Der See eingebettet in Berge, die steil aufragen und sich im Wasser spiegeln, (Seewarte 2595 m, Hohe Warte 2780 m Seekopf 2554 m). Wir können uns kaum lösen, schon fast kitschig schön. Die Hütte (1859 m) erreichen wir nun in einigen Minuten und es gibt für die nächsten 2 Nächte Vierbettzimmer. Hier gibt es auch eine warme Dusche und das Essen ist köstlich, frische Pfifferlinge mit Bandnudeln oder Klößen. Am heutigen Abend halten wir länger durch. Ich glaube wir haben uns nun an die Bergluft gewöhnt.

6. Tag:

Heute nach dem Frühstück besteigen wir den Rauchkofel (2436 m). Knappe 2 Std. und wir sitzen auf dem Gipfel in der Sonne. Anschließend wollen wir zur italienischen Hütte (Rif. Lamberthenghi) und Cappuccino trinken, heute ist ja viel Zeit. Doch das ändert sich schlagartig. Ganz in der Ferne sehen wir eine schwarze, bedrohliche Wolkenwand auf uns zukommen. Es fällt sehr schwer sich von so einem Naturschauspiel zu lösen, aber wir müssen schnellsten vom Berg. Kurz vor dem See angekommen geht es los. Hagelkörner fallen vom Himmel und ein Sturm bricht los und wir mittendrin in einem schlimmen Kältegewitter. Völlig nass erreichen wir die Hütte. An einem offenen Kamin können wir uns wärmen und der Glühwein tut dann sein Bestes. Nach 2 Std. ist der Spuk vorbei und nun geht’s wieder zurück in unser Quartier. Hier haben wir jetzt eine Winterlandschaft, denn es hat ganz kräftig geschneit. Der Wind bläst immer noch recht stark, aber nach ca. 15 Min. erreichen wir unsere Hütte. Sooo !!!!! Das wäre geschafft und bis morgen ist ja noch lange.

7. Tag:

Heute ist unsere letzte Etappe und wir müssen ca. 3,5 – 4 Std. laufen. Es ist nun 09.00 Uhr und wir starten in Richtung Valentintörl (2138 m).Es liegt noch etwas Schnee, aber es geht besser als ich vermutet habe. Bald sind wir auf der Passhöhe und ab jetzt geht es langsam nach unten, vorbei an den senkrecht aufragenden Wänden der Kellerspitzen. Das Wetter hat sich sehr verbessert und über die Obere Valentinalm sind wir bald auf einer bequemen Fahrstraße. Weiter geht’s und dann ist unser Berggasthof Untere Valentinalm erreicht. Hier stärken wir uns bei Kaiserschmarren, Apfel- u. Topfenstrudel, stellen die schweren Rücksäcke in die Zimmer und wandern gemütlich zum Plöckenhaus. Wir besuchen den Ehrenfriedhof, bestaunen Relikte aus der Kriegszeit und gehen noch zu dem kleinen Grünsee, der künstlich angelegt wurde. Im Hintergrund sehen wir den Pollinik (2331 m) hoch aufragen. Der Himmel ist so blau, einige Wattewolken schweben dahin, schön ist es. Im Plöckenhaus kehren wir noch ein und dann zurück zur Alm. Heute schlafen wir wieder in einem Bett und langsam freue ich mich doch auf zu Hause.

8. Tag:

Nach dem Frühstück holt uns ein Taxibus ab und bringt uns in 2stündiger Fahrt zur Leckfeldalm zurück. Unsere Autos stehen noch unbeschadet da. In Sillian kaufen wir Proviant für die Heimreise und nun fahren wir in Richtung Heimat.
Es war eine schöne Zeit und ich denke dass es gefallen hat, auch wenn das Wetter nicht immer so toll war. Frauen sind zäher als man denkt und von einigen Männern sind wir schon lange vor der Reise ganz schön gehänselt worden. Auf jeden Fall, wir sind alle stolz, das wir es geschafft haben.

Eure Christa

Kategorie: Wandergruppe

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