Zwischen Pfälzerwald und Rhein – eine Bike-Tour entlang der Deutschen Weinstraße

| 17. August 2017 | Keine Kommentare

 

Wieder einmal hat mich das Fernweh gepackt. Raus in die Welt, neue Landschaften entdecken und für ein paar Tage dem Alltagstrott entfliehen! Diesmal will ich die Pfalz erkunden, und zwar auf dem Radweg „Deutsche Weinstraße“. Die geplante Strecke führt über rund 100 Kilometer von Schweigen-Rechtenbach nach Bockenheim, immer am Fuß des Pfälzer Waldes entlang durch das große Weinbaugebiet der Vorderpfalz. Der Plan ist einfach: zuerst mit dem Auto, das Fahrrad im Kofferraum, von Koblenz nach Grünstadt zum dortigen Bahnhof, dann mit dem Zug nach Wissembourg kurz hinter der französischen Grenze. Die eigentliche Radstrecke würde mich in zwei Tagen (mit einer Übernachtung in Neustadt) mit der Sonne im Rücken zurück zum Auto bringen. Im Juli 2017 habe ich ein paar Tage Zeit, das Wetter passt und eine Unterkunft ist dank Internet schnell klar gemacht. Es kann losgehen!

 

Wie geplant komme ich kurz vor Mittag im elsässischen Wissembourg an. Anders als sonst habe ich dies mal nicht das Rennrad dabei, sondern mein neues Canyon-Citybike; ich will nicht hetzen, sondern mir Zeit lassen, die Landschaft genießen und möglichst viel auf ruhigen Wirtschaftswegen fahren. Das wenige Notwendige, vor allem eine gute Landkarte (Wander-, Rad- und Freizeitkarte Deutsche Weinstraße 1 : 40 000 aus dem Pietruska-Verlag), habe ich in einem kleinen Rucksack verstaut. Vom Bahnhof radle ich los in Richtung Norden, über die heute nicht mehr wahrnehmbare deutsch-französische Staatsgrenze nach Schweigen, wo das bekannte Weintor steht, der offizielle Ausgangspunkt der Deutschen Weinstraße.

Das Weintor in Schweigen-Rechtenbach – offizieller Beginn der Deutschen Weinstraße

Ursprünglich als touristische Auto-Route konzipiert, kann die Deutsche Weinstraße heute auf Nebenwegen auch wandernd oder per Fahrrad bereist werden. Die Radroute ist gut ausgeschildert und führt meistens neben der Autostraße durch die Weinberge und Felder. Nur ab und zu muss man in den Dörfern die Hauptstraße mit dem Autoverkehr teilen. Die Streckenführung abseits der Straße hat allerdings ihren Preis: Zum einen ist der Belag auf weiten Strecken unangenehm holprig – Betonplatten, ruppiger Asphalt, sogar Kopfsteinpflaster. Mein steifes Velo gibt meinem Hinterteil diesbezüglich deutliche Signale – hier wäre ein gefedertes MTB eindeutig die bessere Wahl gewesen! Zum anderen gibt es auf dem Radweg, anders als auf der ausgebauten Landstraße, keinen Höhenausgleich; die Wirtschaftswege passen sich exakt dem Gelände an. Jeder auch noch so kleine Buckel wird mitgenommen und davon gibt es, glaubt es mir, viele! Die Topografie ist dergestalt, dass die zahlreichen Wasserläufe, die im Pfälzer Wald entspringen, geradewegs nach Osten zum Rhein fließen. Der Radweg aber verläuft in Nord-Süd-Richtung, so dass jeder Fluss, jeder Bach, jeder Wassergraben überquert werden muss. Die zwangsläufigen Anstiege sind zwar nicht lang, aber durchaus knackig! In der Summe ergibt sich so ein anspruchsvolles Profil mit gut 1.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg. Wer auf ein E-Bike oder Pedelec verzichten will, sollte schon etwas Kondition mitbringen, um die Tour wirklich genießen zu können.

Rand des Pfälzer Waldes bei Klingenmünster

In den Weinbergen bei Eschbach

Dies alles sind aber letztendlich Nebensächlichkeiten. Wer empfänglich ist für die Reize der durchmessenen Landschaft, wird für die Mühe mehr als entschädigt. Der Anblick der hohen, walddunklen Bergköpfe zur Linken und des lichtgrünen Rebenmeers mit den bunt eingestreuten Winzerdörfern zur Rechten ist einfach wunderschön! Wenn die Luft so klar ist wie heute, kann man auf der anderen Seite des mächtigen Rheingrabens deutlich die Höhenzüge von Schwarzwald und Odenwald erkennen. Der Radweg „Deutsche Weinstraße“ ist gleichermaßen für den Naturfreund wie auch für den Kulturliebhaber lohnend. In den malerischen Dörfern finden sich viele gut erhaltene alte Häuser, Kirchen und Winzerhöfe. Hier ein plätschernder Dorfbrunnen aus dem Jahr 1581 (Leinsweiler), dort ein altes Feldkreuz aus dem Jahr 1431 (Deidesheim).

Dorfbrunnen in Leinsweiler

 

Blick auf die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben

Trotz allem Modernen kann man allenorts die lange Geschichte dieser uralten Kulturlandschaft spüren. Wie viele Geschlechter mögen hier schon mühsam das Land bebaut haben, um den begehrten Rebensaft zu gewinnen? Weitere kulturelle Sehenswürdigkeiten am Wegesrand sind die Villa Ludwigshöhe, heute ein Kunstmuseum, oder das Hambacher Schloss, bekannt durch das Fest der Deutschen Demokraten im Jahr 1832.

Blick auf das Hambacher Schloss

Bemaltes Weinfass in Hambach: „Zug auf das Schloss Hambach am 27. May 1832“

Beide Ziele müssen allerdings durch einen Schlenker abseits der Hauptroute und zusätzliche Höhenmeter erkauft werden. Sportlich ambitionierte Biker können in Maikammer links von der Weinstraße abzweigen und den nahen Gipfel der 673 Meter hohen Kalmit erreichen – den höchsten Berg des Pfälzer Waldes. Dafür sind auf sechs Straßenkilometern rund 500 Höhenmeter zu bewältigen, ein Pensum, welches eine eigene Tour rechtfertigen würde und auf das ich heute gerne verzichten kann. Der auffallend hohen Anzahl von Rennradfahrern nach zu urteilen, die hier unterwegs sind, ist es jedenfalls ein begehrtes Ziel. Selbstverständlich gibt es entlang der Radroute überall verführerische Angebote der pfälzischen Ess- und Trinkkultur – denen ich aber aus sportlichen Gründen bis zum Abendessen entsagen muss. Der Tag schreitet voran auf meiner ersten Etappe. Die Sonne am weiß-blauen Cirrus-Himmel neigt sich langsam nach Westen, das Licht wird golden. Ich mache viele kleine Stopps, mal für ein Foto, mal für einen Blick auf die Karte, auch mal für ein kühles Bier, um den Durst zu stillen.

Radweg bei Birkweiler

Im „Rebstöckel“ in Neustadt-Diedesfeld

Das alles kostet Zeit, so dass ich mein Tagesziel erst nach sechs Stunden im Sattel am frühen Abend erreiche. In Diedesfeld, gleich unter dem Hambacher Schloss bei Neustadt gelegen, finde ich im Gästehaus Rebstöckel eine ebenso komfortable wie malerische Unterkunft für die Nacht. Nach der Anstrengung auf dem Veloziped ist es eine Wohltat, eine erfrischende Dusche zu nehmen und mich anschließend an Pfälzer Spezialitäten zu laben: Wildschweinbratwurst, Elsässer Flammkuchen und dazu ein gut gekühlter Rosé. Ein Genuss! Ich unternehme noch einen kleinen Spaziergang durch den heimeligen Ort und seine Weingärten, dann kann ich mich endlich satt und zufrieden auf mein behagliches Nachtlager fallen lassen.

 

Frühstück gibt es erst ab acht, so dass ich in Ruhe ausschlafen kann. Das Wetter ist nicht mehr ganz so schön wie gestern, aber mit Sonne und dichteren Wolkenfeldern im Wechsel sowie angenehmen Temperaturen ganz ok. Gegen neun Uhr nehme ich die zweite Etappe des Radwegs in Angriff. Gleich hinter Neustadt kommt das anstrengendste Stück der gesamten Route, ein längerer, ziemlich steiler Aufstieg zum Rand der Haardt, wie der östliche Steilabbruch des Pfälzer Waldes hier genannt wird. Dafür ist der Ausblick von hier oben auf die weite, im Morgenlicht glänzende Rheinebene einfach phänomenal! Kurz danach folgt hinter Deidesheim ein besonders schönes Wegstück durch uralte Weinbergsfluren.

Dorfstraße in Gimmeldingen am Haardtrand

Bildstock bei Deidesheim

Weitere Winzerdörfer mit klangvollen Namen wie Wachenheim und Bad Dürkheim mit seinem Riesen-Weinfass werden passiert. In Weisenheim am Berg ist das größte Stück des Weges bereits geschafft und ich gönne mir eine ausgiebige Trinkpause im Café Solo. In Grünstadt angekommen, wo mein Auto geparkt ist, ist die Tour aber noch nicht ganz zu Ende. Wenn schon, dann möchte ich auch das  ganz offizielle Ende der Deutschen Weinstraße in Bockenheim aus eigener Kraft erreichen. Am dortigen Weintor mache ich das obligatorische Beweisfoto und rolle, nicht ohne eine gewisse Genugtuung zu verspüren, zurück zum Auto. Hier geht meine Tour nach weiteren sechs Stunden auf dem Rad zu Ende. Mein Fazit: mit geeignetem Sportgerät und einem Mindestmaß an körperlicher Fitness ist der Radweg „Deutsche Weinstraße“ genussreich und absolut empfehlenswert. Probiert es selbst aus!

Am Ende der Weinstraße in Bockenheim

Ungefährer Routenverlauf von Wissembourg nach Bockenheim

Peter May

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Kategorie: Allgemein, Klettergruppe

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