Zwei Väter der Familiengruppe im Wilden Kaiser

| 20. August 2016 | Keine Kommentare

Oft schon geplant, doch immer kam etwas dazwischen – Klettern ohne Familie, also einfach mal so zu zweit. Mitte August dann endlich ein verlängertes freies Wochenende. Regendurchnässt und in völliger Dunkelheit erreichten wir die Gruttenhütte, bezogen unser einfaches Plätzchen im 25iger Lager und erwachten bei strahlendem Sonnenschein. Nach einem kräftigen Frühstück stiegen wir zum Kopftörlgrat hinauf. Recht unterhaltsam mit etlichen Begleitern aus Kufstein, München und Zwickau kletterten wir zunächst seilfrei. Nasse Stellen mahnten uns dann zur Sicherung. Etwas spannender wurde das Klettern an den letzten Türmen. Glücklich erreichten wir den Gipfel der Ellmauer Halt, bekamen als Dank für die Hilfe bei der Wegführung ein Stück Kuchen von Sylvia geschenkt und stolperten über den Gamsängersteig wieder hinab zur Hütte. Endlich eine Waschung am Waschbecken mit herrlich kaltem Wasser.

Eigentlich wollten wir am Sonntag zunächst zur Christaturmkante. Doch Stimmen über die inzwischen völlig blankgeschliffenen Porzellangriffe dort brachten uns davon ab. Als Geheimtipp wurde uns stattdessen der direkte Nordgrat am Bauernpredigtstuhl empfohlen. Angeblich tolle Kletterstellen und einsame Lage. Ole mühte sich etliche Meter im Einstiegskamin hoch, doch dann zwang ihn die Nässe zum kalkulierten Rückzug. Was nun – um die Ecke grüßte die mit jungen Kletterern reich bevölkerte Rittlerkante zu uns hinunter. Hatte ich diese Tour nicht schon 1980 mit Hannes in flottem Tempo und 1981 mit Claudius mit Gildeneinstiegsvariante sogar im Neuschnee begangen? Tja, gut 35 Jahre her, eigentlich eine kleine Ewigkeit.

Damals gehörten der Nasenquergang in der Totenkirchl-West, Fleischbank-Südostverschneidung, Schüle-Diem am Predigtstuhl und die Rebitschrisse am Fleischbankpfeiler zum Programm. Meine Kletterfähigkeiten hatten mangels Übung seitdem erheblich nachgelassen. Aber – Ole war zum Glück gut drauf. Er spreizte und klemmte die schweren ausgenagelten Längen bis 20 Meter unter den Gipfel im Vorstieg hinauf – doch dann war für uns erneut Ende. Es war zu spät, wir müde und mein bereits vom Fußballspiel beim „Kindergeburtstags-Hallensoccern“ lädiertes Knie machte nach einer unglücklichen Verdrehung in einem ausgesetzten Körperriss endgültig nicht mehr mit.

So hieß es Abseilen über die Tour. Zunächst lief alles perfekt. Plötzlich ein großer Schreck – an einer leicht überhängenden Abseillänge verhakte sich der Verknüpfungsknoten beider 50m Seile beim Abziehen irgendwo an einer Kante oder einem Riss. Wir wendeten alle Schüttel-, Zieh- und Rütteltricks an, doch vergeblich. Ein Hinauf mit Prusikknoten kam nicht in Betracht. Also retteten wir uns irgendwie mit dem fixierten längeren Seilende bis knapp über den Wandfuß und somit wieder fast zum Einstieg der Route. Wir waren erleichtert, wenn auch für mich der weitere Abstieg mit schmerzendem Knie zur Hütte und am folgenden Tag ins Tal alles andere als eine Wohltat war. Hier erwies sich Ole erneut als guter Freund. Er übernahm das meiste Gewicht der Säcke und begleitete mich im Schneckentempo.

So saßen wir schließlich am späten Montagvormittag auf der Wochenbrunner Alm in der Nähe des Autos, ließen die drei anstrengenden Tage vor unseren inneren Augen vorbeiziehen und freuten uns wieder auf das komfortable Leben zuhause bei Frau und 2x drei Kindern.
Thomas Hoppen

Text: Thomas Hoppen und Ole Pötter

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Kategorie: Allgemein, Familiengruppe

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