Zwei „Nullen“ am Nollen – Mönch (4107 m)

| 27. Juni 2014 | Ein Kommentar

Bereits Anfang des Jahres war klar, dass es an Pfingsten ins Eis geht, wenn es das Wetter und die Verhältnisse zulassen. Über die Berner sind wir uns schnell einig, nur noch nicht über das genaue Ziel. Letztendlich, gibt der verfügbare Zeitrahmen von drei Tagen den Ausschlag, denn die meisten unserer Wunschziele haben weite Zuwege und sind in dieser Zeit nicht wirklich machbar. So fällt unsere Wahl, auf die Nollen-Route am Mönch (4107 m).

Noch im Dunkeln, treffen wir uns in Grindelwand, auf dem Parkplatz der Jungfraubahn. Um uns besser zu akklimatisieren, verzichten wir auf die Benutzung der Bahnen und machen uns im Schein unserer Stirnlampen, auf den Weg zur „Kleinen Scheidegg“. Dort kommen wir lange vor der ersten Bahn an und können einen ersten Blick, auf die geplante Route nehmen. Im unteren Wandteil, bis zur Guggihütte, scheint noch viel Schnee zu liegen. Oberhalb und unterhalb des Nollen, scheint es blank zu sein. Der Nollen selbst, sieht von unserem Standort sehr steil aus und es wird uns bewusst, dass Nollen eine irrtümlich, verniedlichende Umschreibung für den Begriff „Nordwestbollwerk“ ist.

Unser Plan mit dem frühen Aufbruch geht auf, denn der Firn im Hüttenzustieg, ist noch gut zu dieser Zeit und erst die letzte Querung zur Hütte, ist sulzig und unangenehm. Die Guggihütte selbst ist ein sehr schöner Adlerhorst, der auf einem scharfen Grat direkt oberhalb imposanter Gletscherbrüche thront. Es ist noch früh am Tag und so haben wir viel Zeit, unseren Flüssigkeitshaushalt ins Lot zu bringen und Schlafdefizite auszugleichen. Wir sind nicht die einzigen, die das schöne Wetter nutzen und so wird es bis Abend, mit fünf Seilschaften, fast noch eng.

Nach einem kleinen Frühstück, machen wir uns um halb vier, als erste Seilschaft auf die Socken. Wir wollen gerne, als erste an der Schlüsselstelle sein, um Eisschlag aus dem Weg zu gehen. Leider war die Nacht zu warm und so ist der Sulz vom Vortag nicht gefroren. Trotzdem setzt Martin souverän eine Spur, bis zum Mönchplateau. Da uns die anderen Seilschaften eingeholt haben, übergeben wir dankend das Spuren, an die anderen Aspiranten. Der anfangs flache Firn steilt schnell auf und wir nähern uns den blanken Stellen unterhalb des Nollen. Wir entscheiden uns bis unterhalb des Nollen am laufenden Seil aufzusteigen und trotzdem das Eis bis 60° steil ist, kommen wir sehr gut voran.

An der Schlüsselstelle herrscht Stau. Die Dreierseilschaft aus Südtirol, befindet sich bereits im Steilstück und wir müssen warten. Schnell merken wir, dass unser Standplatz geschickt gewählt ist, denn wir befinden uns etwas rechts der Schlüsselstelle und unsere Kollegen direkt unterhalb der Steilstufe sind dem Eisschlag voll ausgesetzt. Ich überlasse Martin den ersten Aufschwung, der mit Sicherheit die angekündigten 80° aufweist, denn er musste an dieser Stelle schon umkehren und hatte dementsprechend noch eine Rechnung offen. Freundlicherweise steigt er nicht komplett durch und so darf ich auch noch ein Stück der Schlüsselstelle vorsteigen. Dem Eisschlag am Stand entgangen, platzt mir selbst beim einschlagen des Eisgeräts eine Eisschuppe ab und landet direkt in meinem Gesicht. Zum Glück bleibt nur ein kleiner Schnitt und Martin kommentiert das Ganze mit: „Geiles Nordwandgesicht…hätte ich auch gerne!“

Noch zwei blanke Seillängen und wir können unsere Waden wieder etwas schonen. Wir stehen nun unterhalb der Gipfelflanke, die uns direkt auf den Gipfelgrat führt. Es bleibt nur kurz etwas flacher, bis die Wand wieder deutlich steiler wird. Wir haben jedoch perfekte Verhältnisse und so steigen wir seilfrei dem Gipfel entgegen. Ich merke langsam die Höhe und so heißt es noch einmal Zähne zusammenbeißen, bis der Grat endlich erreicht ist. Der letzte Aufschwung zum Gipfel, bietet keine technischen Schwierigkeiten mehr und so stehen wir nach etwa sieben Stunden am Gipfel.

Der Normalweg ist gut frequentiert und so haben wir Glück, dass wir den Gipfel eine Weile für uns haben. Schnell bringen wir den Abstieg über den Normalweg hinter uns, welcher uns mit etwas leichter Kletterei Schritt für Schritt näher an den Zirkus des Jungfraujochs bringt. Wir gönnen uns noch ein Gipfelbier auf der Mönchjochshütte und kurz denken wir daran die Jungfrau für den nächsten Tag noch anzugehen. Doch die Verhältnisse sind eher noch für eine Skitour geeignet und so entscheiden wir uns für die Bahn ins Tal.

Der Rummel dort passt nicht wirklich in unser Weltbild der letzten Tage und so sind wir froh ab der „Kleinen Scheidegg“ wieder zu Fuß unterwegs zu sein. Das Wetter ist nach wie vor traumhaft und so liegen wir bei Einbruch der Nacht unter freiem Himmel zu Füssen der Eiger Nordwand, auf dem Campingplatz in Grindelwald. Martin spendiert noch ein warmes Bier aus dem Auto, das trotzdem hervorragend schmeckt. Der Mond wirft sein Licht auf die Landschaft und wir können uns ein breites, zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Ein genialer Saisonstart ist gelungen und neue Pläne werden bereits geschmiedet.

Alexander Werle & Martin Heuser

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Kategorie: Aktuell, Hochtourengruppe

Kommentare (1)

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  1. De Meester Diederik sagt:

    Gut gemacht!!

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