Berliner Höhenweg vom 26.7. – 3.8.12

| 3. Dezember 2012 | Keine Kommentare

Mit der Bahn fahren wir früh morgens nach Mayrhofen und erreichen nach kurzer Busfahrt Finkenberg (839 m). Bei strahlendem Sonnenschein steigen wir gut 1.000 m zur Gamshütte (1.921 m) auf. Am folgenden Tag akklimatisiert sich jeder auf seine Weise an die alpinen Gegebenheiten – wir unternehmen Ausflüge in die Umgebung: Gipfeltour auf die Grinbergspitze, Wanderung zur Elsalpe und genießen den sonnigen Tag an der Hütte.

Am 3. Tag starten wir um 08.00 Uhr zum langen Übergang zum Friesenberghaus. Vor uns liegen ca. 14 km mit 1.400 m. Aufstieg und 850 m. Abstieg. Nach einem ersten Aufstieg von 100 m. schlängelt sich der Weg durch latschenbesetztes Blockwerk zur bewirtschafteten Pitzen Alpe. Hier erfahren wir vom ankommenden Gewitter. Robert und Sigrid entscheiden sich für den Abstieg zur Dominikushütte und wollen von da zum Furtschaglhaus nachkommen. Nach ausgiebiger Rast gehen wir weiter und dunkle Wolken kündigen das Unheil an. Kurzer Windstille folgt heftiger Sturm. Wir legen Rucksack und Stöcke beiseite und kauern uns verteilt im Gelände dicht an den Boden, während Hagel, Regen und Gewitter über uns hinwegfegen. Wir haben Glück. Nach wenigen Minuten sind die Ausläufer des Unwetters weiter gezogen. Unser Weg verläuft nun eben bis zu den Wiesen der Kesselalpe, hinunter zum Kesselbach (1.900 m). Von hier bergauf zum Ausläufer des Ostgrates des Hohen Rifflers und durch die Rifflerrinnen in leichter Kletterei bis auf 2.420m, vorbei am Wesendlkarsee und noch einmal ansteigend hinauf bis zur Karschneide um endlich das Friesenberghaus (2.498 m) zu erblicken. Um 18.15 Uhr sind dann alle gut angekommen.

Am nächsten Tag geht es  in zwei Stunden zur Olperer Hütte (2.388 m). Die Hütte liegt aussichtsreich über dem Schlegeisspeicher , direkt unter dem massiven Olperer (3.476 m.) und ist Ausganspunkt zu diversen Gipfe-l und Rundwanderungen. Wir steigen nach kurzer Rast in Serpentinen hinunter zum Schlegeisspeicher (1.782 m), gehen entlang der Fahrstraße bis zum Zufluss an dessen Ende und weiter bis zur Abzweigung des Anstiegs zum Furtschagelhaus auf 2.295 m. Hier erwarten uns bei schönstem Wetter Robert und Sigrid. Beim Abendessen bekommen wir den Wetterbericht für den kommenden Tag zur Berliner Hütte. Regen und Gewitterneigung für den Nachmittag ist angekündigt. Marion und Sigrid beschließen abzusteigen um den Weg durch die Täler zu nehmen. Die Übrigen gehen am frühen Morgen bei leichten Regen los zum Schönbichler Horn. Über Grashänge, Schuttfelder und grobblockiges Geröll geht es stetig bergauf. Die letzten 100 Höhenmeter führen über einen ausgesetzten, mit Drahtseilen versicherten Steig zum Schönbichler Horn (3.134 m) Von hier die steile Ostflanke hinab an seilversicherten Kletterstellen und weiter in Serpentinen hinunter bis zum Zemmbach (1.870 m) und in einem leichten Schlussanstieg zur Berliner Hütte (2.042 m) Hier treffen wir wieder Marion und Sigrid, die von einer schönen Tour durch den Zemmgrund berichten.

Die Hütte ist ein eindruckvolles Zeugnis aus jener Zeit, als das deutsche Kaiserreich und dessen Hauptstadt sich mit Glanz und Gloria auch im Hochgebirge darstellen musste. (Zitat aus Stefan Herbke: Die Berliner Hütte) Mit eigenem Telefonanschluss, eigenem Postamt, Wasserkraftwerk für die elektrische Beleuchtungsanlage, elektrische Beheizung der Speisesäle und Zimmer, einer Dunkelkammer und einer Schuhmacherwerkstatt. Prunkstück der einzigen denkmalgeschützten Hütte der Alpen ist

der ca. 5 m hohe zirbengetäfelte Speisesaal mit kunstvoll geschnitzten Kronleuchtern Wir haben dort einen stimmungsvollen Abend mit Musik und Gesang erlebt. Von der ehemaligen Pracht der Gletscher Waxeggkees und Hornkees, die einmal unterhalb des Hüttenstandortes zusammenflossen, zeugen nur noch die Steinhalden der Seitenmoränen.

Am nächsten Morgen gehen Robert und Sigrid zur Olperer Hütte. Hier wollen Sie die Tage bis zur Abreise verbringen.

Von der Berliner Hütte geht es über die Böden des Schwarzensteinmoores stetig ansteigend zum schön gelegenen  Schwarzsee (2.472 m) Von dort in einigen steilen Serpentinen in das Rosskar und weiter, zuletzt steil ansteigend,  zur Mörchenscharte (2.874 m). Nach der Mörchenscharte in einem kurzen, sehr steilen Stück mit Seilversicherungen bergab und weiter in engen Serpentinen in den Floitengrund (1.834 m). Kurz vor dem Talboden sind noch einige Seilversicherungen und eine Aluleiter angebracht. Nach Durchquerung der Quellzuflüsse des Floitenbaches über Steine und eine Brücke geht es auf der anderen Talseite dann wieder bergauf zur Greizer Hütte (2.227 m). Bei Sonnenschein und Apfelstrudel genießen wir von der Terrasse den Blick über den Floitenkees hinauf zum Großen Löffler und umliegende Gipfel.

Am nächsten Morgen geht es weiter zur Kasseler Hütte. Kurz nach Aufbruch steigt Wolfram auf den Gipfel des Gigalitz (3.001 m). Wir gehen auf direktem Weg zur Lapenscharte (2.701 m) und von hier auf leichten Wegen durch zahlreiche Quellläufe zur Kasseler Hütte. Beeindruckend die seilversicherten Stellen über die tief eingeschnittene Schlucht  der Elsenklamm. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Kasseler Hütte.  In zünftiger Tracht werden wir vom Hüttenwirt begrüßt. Bei einem Enzian werden die Zimmer vergeben und das Abendessen festgelegt. Wir genießen den Nachmittag bei Sonnenschein auf der Terrasse. Vor dem Abend­essen verkündet der Hüttenwirt von der Terrasse traditionell vor versammelten Gästen den Wetterbericht mit nachvollziehbaren Erläuterungen für den kommenden Tag.

Vorausgesagt wird Gewitter und Regen am frühen Nachmittag. Von der Etappe, dem Aschaffenburger Höhenweg, wird nicht abgeraten, aber zeitiger Aufbruch, zügiges Gehen ohne große Pausen, Kondition und sicheres Gehen werden vorausgesetzt. Die Tagesetappe ist anspruchvoll durch ihre Länge (14 km) und durch die Gefährlichkeit bei nasser Witterung – steile Grashänge und weglose Felsblöcke mit starkem Flechtenbewuchs. Wegen der vielen Grate, die zu überqueren sind, wird der Weg auch Siebenschneidensteig genannt. Michael und Volker beschließen die Etappe zu gehen.

Andrea, Elisabeth, Marion, Werner und Wolfram steigen ab zum Grünen Wand Haus und fahren mit dem Taxi nach Mayrhofen. Am Stausee Stillupp steigen Andrea, Werner und Wofram aus und steigen über steile Grashänge zur Bergstation Ahornbahn auf und weiter zur Karl-von-Edel Hütte. Elisabeth und Marion fahren weiter bis Mayfrhofen. Während Elisabeth die Nacht in Mayrhofen verbringt, fährt Marion mit der Ahornbahn bergauf und geht zur Edel Hütte. Hier erwarten uns bereits Michael und Volker, die in sieben Stunden den Höhenweg gegangen sind. In ständiger Sorge vor dem sich ankündigenden Wetterumschwung waren sie heilfroh rechtzeitig auf der Hütte anzukommen. Am nächsten Morgen gehen wir bei leichtem Regen zur Bergstation der Ahornbahn, gondeln hinunter nach Mayrhofen und frühstücken in einer Bäckerei am Rande des Geschäftstrubels. Zur Rückfahrt mit dem Zug waren alle wieder beisammen.

Zurück blicken wir auf neun hochalpine Wandertage mit einer Gesamtlänge ca. 80 km, ca. 6.500 m Aufstiegen und ca. 6.600 m Abstiegen.

Text   Werner Schwoll,  Bilder  Wolfram Gebel

Kategorie: Bergsteigergruppe

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