„Wir haben ja schon ein geiles Hobby, oder?“

Bericht zur Jugendfahrt zur Martinswand (Inntal) 27.04. – 01.05.2018

Als Jugendfahrt mit Schwerpunkt auf Ausbildung in Mehrseillängen geplant, trat unser achtköpfiges Team am Freitagnachmittag des letzten langen Aprilwochenendes die Reise zur eindrucksvollen Martinswand im Inntal an. Mir gebührt als neues Mitglied der Koblenzer Jugendleiter nun die Ehre einen hoffentlich kurzweiligen Bericht darüber zu verfassen. Logischerweise war ich ohne Erfahrungswissen, was mich erwartet. 1 vollbepacktes Auto, 1 Hobby, 4 Tage, 8 Personen im Alter von 15 bis 52 Jahren. Wie malt man sich eine solche Fahrt aus? Eins steht fest: Bei uns wurde es anders.
Vielleicht stelle ich zunächst das Team in der Sitzformation im DAV-Taxi vor: In der Front der Allrounder Olli, dann unsere Wettkampfreferentin Janina und unsere erste Tourendame Anke. In der mittleren Reihe folgen die zwei Jugendleiter in spe und Jungspunde Enzo und Jonas sowie meine Wenigkeit. Last but not least die Geißler-Girls Dani alias Es Nr.1, gleichzeitig unsere zweite Tourendame und Jojo alias Es Nr. 2 in Reihe drei.
Die Reise kann losgehen. Wir hatten eine verkehrsintensive Fahrt Richtung Innsbruck vor uns. Trotz Stau und noch intensiveren Innentemperaturen erreichten wir unsere fantastische Unterkunft (Apart Kofler) irgendwo im Nirgendwo oberhalb vieler Serpentinen bei Oberperfuss am späten Abend unbeschadet und fast ohne Verirrungen. Dort fielen wir dann auch alsbald ins Bett, um mit frischem Elan die ersten Mehrseillängen einzuläuten.
Beginnend mit einem entschleunigten Frühstück um halb neun – wie durch Zauberhand jeden Morgen schon hergerichtet, ein Hoch auf alle Frühaufsteher dieser Welt – bereitete die Gruppe sich zum Aufbruch vor. Es ging zum Zustieg durch den Wald am Wandfuß immer nach oben. Ein letztes Mal Schatten tankend und Helme aufsetzend, besetzten wir gewissermaßen für die nächsten Tage die Wand. Der Samstag war von mehrseillängenspezifischem Einklettern geprägt. Stand, Seil ein, Seil aufnehmen, Seil aus, Nachkommen, Einstieg, Material einsammeln, Stand, Vorsteigen, Seil ausgeben, Stand, Seil ein…es ging einem schnell ins Blut über. Schon am zweiten Tag kletterten wir in Zweierseilschaften. Die Kommunikation in den Routen gestaltete sich nicht immer problemlos. Geschuldet war das vor allem der naheliegenden Autobahn und dem eigentlich erfrischenden Wind. Aufgeheitert hat wiederum die Ankunft der unhörbaren Mitteilung des eigenen Kletterpartners über den Umweg der Nachbarseilschaft. Wie gesagt, Wandbelagerung. Zusätzlich zu schönen Genussrouten, der ein oder anderen plattigen und schrofigen Quälerei und seltenen Fotos, gab es einiges zu erleben. Auch dabei waren eine selbstbewusste Gams, langwierige Abseilaktionen (unsere Frauenpower-Truppe hat den Wettbewerb im Langsamklettern in ganz neue Dimensionen verschoben) und natürlich spitzenmäßige Aussichten über das Tal, über landende Flugzeuge und hinauf zu unseren Überfliegern Janina und Enzo. Sie waren dem Himmel in der Tour „Maxl´s Krone“ an der Hauptwand näher als dem Boden. Sogar ein großer, zum Rutschen und Spielen einladender Schneehaufen auf der naheliegenden Skipiste bei Koflers hat nicht gefehlt. Von nach Atem ringenden Jugendreferenten am Boden wollen wir gar nicht erst anfangen.
An den erholsamen Abenden war es selbstverständlich noch lange nicht vorbei. Bester Küche – gekrönt von einem Tiroler Apfelstrudel frisch aus dem Ofen unserer Gastgeber – schloss sich die ein oder andere Tischrunde und motiviertes Anfeuern rockender Kölner und Koblenzer Parcourläufer im Fernsehen an.
In dieser kurzweiligen, zeitlosen Art gestalteten sich diese viereinhalb Tage. Man könnte zahlreiche weitere Anekdoten anbringen. Aber ich denke, ihr konntet einen Einblick in die tatsächlich ohne Verletzungen abgeschlossene Martinswand-Tour erhalten. Vielleicht seid ihr sogar etwas von unserer Begeisterung angesteckt worden. Mir bleibt jedenfalls nur noch einen riesigen Dank an Olli und Janina und alle sonstigen Beteiligten zu richten. Für die perfekte Organisation, ihre Geduld und omnipräsente Aufmerksamkeit und das riesige Engagement mit dem sie ihre Kletterfaszination und –erfahrung weitergeben. Außerdem natürlich an die gesamte Chaostruppe, in dieser unkomplizierten, sich unterstützenden, gut gelaunten Mentalität wart ihr tolle Begleiter. Und denkt daran: Wandern können wir, wenn wir alt sind.

Von Lisa-Marie Lösch, 3.5.18
P.S.: Danke Enzo für das passende Zitat.

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Kategorie: Jugend

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