Wein, Wald und Wiesen: Unterwegs auf dem Ruwer-Hunsrück-Radweg

| 23. September 2018 | Keine Kommentare

Auf der Suche nach neuen, lohnenden Radtourenzielen stieß ich in einem Prospekt auf den Ruwer-Hunsrück-Radweg, der erst im Jahr 2009 auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse eröffnet worden ist. Die Strecke führt über eine Länge von 50 Kilometern aus dem Tal der Mosel auf den Hunsrück hinauf und überwindet dabei zwischen Ruwer und Hermeskeil einen Höhenunterschied von 400 Metern. Angenehm moderate Steigung, eindeutiger Streckenverlauf und kein Autoverkehr sind Pluspunkte, die mir die Entscheidung für die Tour leicht machten – zumal der westliche Hunsrück noch ein weißer Fleck auf meiner imaginären Radwanderkarte ist. An einem schönen Sommertag im Juli 2018 packe ich mein Rennrad in den Kofferraum und fahre die wenigen Autobahnkilometer von Koblenz bis kurz vor Trier. Am ehemaligen Bahnhof in Ruwer stelle ich das Auto ab, dann geht es mit dem Velo los. Ein Blick auf die Uhr: es ist halb Elf. Handy, Karte, Flickzeug, Luftpumpe, ein paar Energierigel und zwei Trinkflaschen habe ich dabei – mehr brauche ich nicht. Leicht und schnell ist die Devise. Am heutigen Montag sind nur wenige Radfahrer und Spaziergänger auf der Strecke unterwegs. Die sanfte Steigung von im Mittel nur 1 Prozent ist kaum spürbar und lässt mich ohne große Anstrengung zügig vorankommen. Das untere Ruwertal ist offen und bietet schöne Ausblicke auf Weinberge und Ortschaften. Später jedoch, etwa ab Waldrach, führt der Radweg ganz überwiegend durch Wald bzw. ist die ehemalige Bahntrasse von Bäumen eingesäumt. Das macht – und das ist der einzige, rein subjektive Kritikpunkt dieses Berichtes – das Pedalieren auf die Dauer doch ein wenig langweilig. Dafür spenden die Bäume an diesem sonnigen Tag aber auch willkommenen Schatten. Im Übrigen ist der Radweg auf voller Länge durchgehend asphaltiert und der erst zehn Jahre alte Belag in einem tadellosen Zustand, so dass das flotte Radeln einfach Spaß macht. Bei Zerf knickt die ehemalige Bahnlinie scharf nach Osten um, alsbald werden Kell und Reinsfeld passiert. Hier öffnet sich das enge Ruwertal und gibt den Blick frei auf flache Moorwiesen und dunkel bewaldete Höhenzüge. Es ist eine herbe Landschaft, trotz Sommer und Sonnenschein. Ich lege nur einen kurzen Stopp für einen Riegel und ein paar Fotos ein und erreiche schon nach zweieinhalb Stunden die kleine Kreisstadt Hermeskeil, inmitten des Schwarzwälder Hochwaldes gelegen, den Endpunkt des Ruwer-Hochwald-Radwegs. Es ist Mittagzeit und ich gönne mir in der historischen Ortsmitte eine kleine Mahlzeit und ein erfrischend kühles Bier. Dann mache ich mich gleich wieder auf den Rückweg. Es wäre an sich logisch und ein Leichtes, den Radweg gemütlich auf derselben Strecke wieder zurück nach Ruwer zu rollen, eine reine Ausdaueraufgabe. Da der Radweg aber, wie gesagt, sowohl landschaftlich als auch vom Profil her eher monoton ist, habe ich mir eine Alternative überlegt, die auch den Alpinisten in mir herausfordert: in Reinsfeld verlasse ich den Radweg, um auf der Landstraße über den Rösterkopf, mit 708 Metern Meereshöhe die höchste Erhebung des Osburger Hochwaldes, via Holzerath und Schöndorf wieder das Ruwer-Tal zu erreichen. Hierdurch kann ich zudem den weiten Ruwer-Knick abschneiden und noch mal 10 Kilometer Strecke sparen. Freilich erkaufe ich mir den „Gipfelsieg“ mit 200 zusätzlichen, steilen und anstrengenden Höhenmetern. Auf dem flachen Rösterkopf angekommen suche ich vergeblich nach einer eindeutigen Gipfelmarke – kein Schild, kein Vermessungszeichen, kein Kreuz. Nur der hohe Fernmeldeturm zeigt inmitten des weitläufigen Waldes die Erhabenheit dieser Stelle an. Egal, das zweite Ziel des Tages ist erreicht und die größten Mühen liegen hinter mir. Was jetzt folgt, ist eine rasante und Adrenalin-geladene Abfahrt. Die Landstraße hat ordentlich Gefälle, ist aber breit und hat einen guten Belag. Ich lege den größten Gang ein, trete in die Kurbel und lasse es dann richtig rollen. Mit bis zu 70 Sachen brause ich den Berg hinunter, hoch konzentriert, um ja keinen Steuer- oder Bremsfehler zu machen. Selbstverständlich muss ich auch und gerade bei dieser Geschwindigkeit immer den Autoverkehr und etwaige Hindernisse im Blick halten. Es geht alles gut und bereits nach wenigen, spannenden Minuten habe ich knapp 500 Höhenmeter pulverisiert und bin wieder am Radweg im Ruwertal angekommen. Nach dieser sportlichen Einlage, die der Radtour ihre besondere Note verleiht, ist wieder gemächliches Radwandern angesagt. Konditionell gibt es auf den letzten 15 Kilometern keinerlei Probleme. Über die schon bekannte Strecke geht es über Sommerau mit seiner malerischen Burgruine, Waldrach, Kasel und Mertesdorf zurück nach Ruwer. Fünf Stunden nach meinem Start am Vormittag bin ich wieder am Auto. Der Tacho zeigt 88 Streckenkilometer an und mit der Extratour auf den Rösterkopf waren es heute rund 700 Höhenmeter. Ich bin zufrieden, es war nicht zu viel und nicht zu wenig; es hat Spaß gemacht und ich habe eine neue Gegend kennen gelernt. Resümierend komme ich zu dem Schluss, dass der Ruwer-Hochwald-Radweg zumindest für denjenigen, der das reine Radfahren genießen möchte, ein reizvolles und lohnendes Tourenziel ist. Davon abgesehen gibt es, wie auf der offiziellen Internetseite www.ruwer-hochwald-radweg.de nachzulesen ist, entlang der Strecke zahlreiche Möglichkeiten für kulturelle und kulinarische Erkundungen. Aber das ist ein anderes Thema…

Peter May

1 Streckenverlauf

2 Mein Lakes-Rennrad

3 Ruwer-Hochwald-Radweg bei Kell am See

4 Unterwegs auf dem Ruwer-Hochwald-Radweg

5 Auf dem Rösterkopf (708 m)

6 Info-Tafel in Ruwer

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Kategorie: Sonstige Touren

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