Watzmann-Ostwand, Berchtesgadener Weg

| 8. Oktober 2012 | 2 Kommentare

Im einführenden Teil des Führers von Franz Rasp wird gleich zu Beginn die Frage gestellt, warum gerade diese Wand so populär ist. Neben der Tatsache, dass Sie eine der höchsten Felswände der Alpen ist, wird ebenfalls angemerkt, dass auf keine Wand der Alpen so gezielt hingewiesen wird und so ist es nicht verwunderlich, dass diese Tour auch auf unserer Wunschliste stand.

Eine Durchsteigung der Wand auf dem Berchtesgadener Weg, sozusagen dem Normalweg durch die Wand, stand schon mehrfach auf dem Sommerprogramm, kam aber aus diversen Gründen nie zu Stande. Diesen Herbst bekam ich recht spontan einen Anruf von Torsten und Martin, die die Tour als Saisonabschluss in Angriff nehmen wollten. Ein kurzer Anruf bei Frank und unser Viermann-Team für die Wand war komplett.

Als Termin hatten wir uns das Wochenende um den 22 September ausgesucht und obwohl das Wetter wechselhaft gemeldet war, entschieden wir uns dafür einen Versuch zu starten. In St. Bartholomä angekommen, bezogen wir das bei Bergsteigern hinreichend bekannte Ostwandlager und entschieden uns um sechs Uhr des nächsten Tages aufzubrechen. Der Tage begrüßte uns leider sofort mit etwas leichtem Regen und so schien unsere Tour bereits morgens zum Scheitern verurteilt. Wir entschlossen uns den Weg zur Eiskapelle anzutreten und zumindest den Weg im unteren Teil der Wand zu erkunden, um uns bei einem weiteren Versuch besser orientieren zu können.

Das genaue Führerstudium machte sich bezahlt und wir fanden ohne größere Probleme den Weg vorbei an der Eiskapelle, über diverse Schrofen und Felsstufen zum Schuttkar. Das Wetter schien sich zu stabilisieren und ein Abgleich mit dem Wetterbericht ließ ab Mittag besseres Wetter erwarten, so entschieden wir uns, den Aufstieg fortzusetzen. Ab dem Schuttkar beginnt die eigentliche Kletterei, die jedoch nie den dritten Grad übersteigt und einen genussvoll die Wand höher und höher steigen lässt. Schnell erreichten wir, durch die von der Eiskapelle heraufziehende Rinne, über den ersten und zweiten Sporn hinweg die erste Schlüsselstelle der Wand, die Platten unterhalb der Wasserfallwand. Da die Platten aufgrund des Niederschlags am Morgen etwas nass waren, entschlossen wir uns zum ersten Mal das Seil auszupacken. Trotz der Nässe war der Fels gut griffig und wir erreichten schnell über vier Ringhaken hinweg, das Ende der Platten.

Am oberen Ende der Platten darf nicht dem logischen Weg nach links gefolgt werden, sondern es muss eine Querung nach rechts erfolgen, bis man den Weiterweg durch die Rampe erreicht. Beim Erreichen der Rampe machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem viel beschriebenen Steinschlag in der Wand, der sich hier durch sekündlich vorbeisurrende Steingeschosse äußerte. Zum Glück besserte sich dies am rechten Rand der Rampe und der Aufstieg konnte wesentlich entspannter fortgesetzt werden. Am Ende der Rampe forderte noch einmal eine unangenehme Stelle, direkt an der großen Biwakhöhle,  den Einsatz des Seils. Kurz darauf erreichten wir den Grund der Gipfelschlucht.

Auch hier gingen die viel beschriebenen Orientierungsschwierigkeiten irgendwie an uns vorbei. Über mehrere Aufschwünge und eine kurze Rinne erreichten wir die Biwakschachtel auf 2300m. Ab der Gipfelschlucht findet man diverse grüne Markierungspunkte, die auch in mehreren Tourenberichten beschrieben werden. Diese treffen annähernd den optimalen Weg durch die Schlucht. Man sollte sich jedoch nicht darauf verlassen in regelmäßigen Abständen eine solche Markierung anzutreffen. An der Biwakschachtel gönnten wir uns eine kurze Rast und trugen uns ins Biwakbuch ein. Die Schachtel an sich, ist mit acht Schlafsäcken, gut ausgestattet. Wir konnten Ihrem Scharm jedoch widerstehen und machten uns an das letzte Stück der Wand.

Unmittelbar nach Verlassen der Schachtel stießen wir auf die ersten Schneereste von den Niederschlägen der Vorwoche, welche uns bis zum Erreichen des Südgipfels noch erhalten bleiben sollten. Zügig erreichten wir die Ausstiegskamine, in denen wir wieder auf einige nasse Kletterpassagen trafen. Diese forderten nochmals unsere volle Konzentration. Hier fanden wir auch einige alte geschlagene Haken, die wohl von Durchsteigungen bei ernsthafteren Verhältnissen stammten. Am Ende der Kamine gilt es, eine letzte schwach ausgeprägte Rinne zu ersteigen, bevor man an die letzte Schlüsselstelle in Form des Gipfelwändchens gelangt. Auch hier war trockener Fels leider Fehlanzeige und so packten wir ein letztes Mal das Seil aus. Wir überwanden das kurze 8m hohe senkrechte Wandstück und nach einigen letzten Aufschwüngen und Kaminen standen wir endlich nach zehn Stunden Ostwand auf dem Watzmanngrat. Hier begrüßte uns gleich der starke Wind, den der Wetterbericht uns vorhergesagt hatte und der uns in der Wand bisher erspart geblieben war. Vom Erreichen des Grates ist es nur ein Katzensprung bis zum Südgipfel, der sich bei dem Wind jedoch als sehr ungemütlich erwies. So schossen wir ein kurzes Gipfelbild und machten uns an den Abstieg über den Watzmanngrat, zum Watzmannhaus. Der Führer beschreibt die Begehung des Watzmanngrates, als  Krönung einer Watzmann-Ostwand-Durchsteigung und so ließen wir es uns nicht nehmen, unserer Durchsteigung dieses Sahnehäubchen ebenfalls noch zu verpassen.

Nach vierzehn Stunden Watzmann intensiv erreichten wir wohlverdient unsere Nachtresidenz in Form des Watzmannhauses. Leider wurde hier unsere Auffassung vom Sinn einer Berghütte, etwas anders interpretiert. Es drängte sich der Verdacht auf, dass Rotwein trinkende Tal-Touristen beliebtere Gäste sind, als ungewaschene Bergsteiger! Aber zum Glück gibt es alpenweit viele Beispiele für wirkliche Hütten-Gastfreundlichkeit.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass die Ostwand nach wie vor, ein lohnendes Tourenziel ist, welches dem Interessierten viel Klettergenuss in einer großartigen Umgebung zu bieten hat. Trotz der moderaten Schwierigkeiten sollte die Tour besonders Aufgrund Ihrer Länge nicht unterschätzt werden und es sollte gerade für den Fall nicht ganz optimaler Verhältnisse etwas Reserve nach oben vorhanden sein.

Tour und Text: Frank Lippmann, Thorsten Ringel , Martin Heuser, Alexander Werle

Kategorie: Hochtourengruppe

Kommentare (2)

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  1. Johann Grill sagt:

    Keeederbacheerrr!

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