Von Engeln und Teufeln – eine Bergtour im Ahrtal

| 17. März 2016 | Keine Kommentare

Das kleine Eifelflüsschen Ahr hat sich bei Altenahr tief in den devonischen Schieferuntergrund eingesägt und dabei steile, durchaus alpin anmutende Felsformationen geschaffen. Zwei besonders beeindruckende Felsgrate sind das Teufelsloch und die benachbarte Engelsley, beide im Naturschutzgebiet „Langfigtal“ gelegen.

Die Idee zu einer Wander-, oder besser gesagt Klettertour über diese Grate hinweg stammt ursprünglich von Peter Retterath, der diese Tour bereits von ein paar Jahren gemacht und in schwärmerischen Tönen davon erzählt hatte. Die Tour wollte ich schon länger mit meiner Frau und meinem nun 9-jährigen Sohn unternehmen. Nach einigem Stöbern im Internet – das world wide web weiß ja inzwischen alles – kommen Zweifel auf, ob wir der Tour denn gewachsen sind: ungesicherte Kletterei im I. – II. Grad, schwierige Wegfindung, brüchiger Fels. Nun, es ist alles gut gegangen, aber der Reihe nach:

Am 7. Juni 2015 machen wir drei uns an einem schönen Sonntag bei bestem Wanderwetter auf den Weg. Start- und Zielpunkt der Rundtour ist am Bahnhof in Altenahr. Gleich nach der Unterquerung der Bahngleise geht es auf einem gut ausgetretenen Pfad steil bergan. Vorbei am Schwarzen Kreuz und dem Aussichtspunkt „Eifelblick“ folgt der Weg dem nach Süden ansteigenden Felsgrat. Auf die an sich mögliche Überkletterung der Felsen verzichten wir, da der genaue Verlauf unklar ist und riskant erscheint. Ohne Probleme geht es über den markierten Weg, zum Schluss sogar über Treppenstufen zum ersten Höhepunkt der Tour. Das Teufelsloch ist ein natürlich entstandenes, gut mannshohes Felsenfenster, das vom Tal aus deutlich zu sehen ist. Man kann hindurchschlüpfen, es gibt eine Bank zum Rasten und Schauen. Als echte Gipfelstürmer steigen wir dem Teufel noch kurz aufs felsige Haupt, eine kurze, unschwierige Kraxelei. Dann wandern wir weiter dem schmaler werdenden Gratweg entlang. Sogar ein paar verwegene Mountainbiker, die ihre teuren Räder über den Grat mehr tragen als fahren, begegnen uns hier. Später geht es auf einem breiten Forstweg in weitem Bogen um die Ahrschleife, bis ein Pfad uns wieder steil hinab zum Fluss führt. Dank einer soliden Betonbrücke können wir den Fluss, der nach dem Gewitterregen der vorletzten Nacht ordentlich Wasser führt, problemlos überqueren.

Nach gut anderthalb Stunden fühlen wir uns noch fit genug, um eine weitere Gipfeltour anzugehen. Ein kurzes Stück nach der Brücke zweigt vom Uferweg gegenüber von zwei Sitzbänken rechts aufwärts eine nicht markierte Steigspur ab. Hier wird es tatsächlich alpin. Man muss gut aufpassen, um die richtige Spur nicht zu verfehlen. Weiter oben kommen Felsen und mehrere Stellen, die kletternd überwunden werden müssen. Zum Glück sind Boden und Felsen trocken. Wie auf einem richtigen alpinen Steig bewegt man sich anhaltend in potenziellem Absturzgelände. Die Felsen sind aber nicht senkrecht, es gibt genug gute Tritte und Griffe und die Ausgesetztheit hält sich in Grenzen. Für uns ist es eine anregende Turnerei. Das vorsichtshalber eingepackte Sicherungsseil kann im Rucksack bleiben. An einigen Stellen kann man die Grat-Felsen auch seitlich umgehen. Man muss aber ständig konzentriert bleiben, ein Ausrutscher oder Stolperer kann fatale Folgen haben. Zunächst erreichen wir den eher unspektakulären Engelsley-Südgipfel (290 m), es folgt ein kurzer Abstieg und dann geht es, immer hübsch auf dem Grat entlang, auf den Nordgipfel (280 m) mit dem weithin sichtbaren eisernen Gipfelkreuz. Sogar ein richtiges Gipfelbuch gibt es, in das wir uns als gestandene Alpinisten natürlich eintragen. Die Aussicht ist großartig und wir sind fast allein hier oben.

Nach einer kurzen Rast geht es nordwärts den luftigen Grat hinab. Hin und wieder bestätigt uns ein roter Farbklecks, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind. Bald müssen wir uns entscheiden: entweder rechts steil abwärts direkt hinunter ins Tal oder geradeaus weiter über den Felsgrat. Da wir die senkrechte Felswand, die so spektakulär von Straße, Bahn und Radweg untertunnelt wird, näher betrachten wollen, gehen wir weiter den Grat entlang. Natur und Menschenhand haben hier eine einmalige Szenerie geschaffen: das vielfach gewundene, canyonartige Ahrtal und die zwischen die felsigen Berghänge gezwängten Häuser, Straßen und Bahngleise. Das Ahrtal ist hier so eng und verwinkelt, dass Bahn und Straße die weitläufige Flussschlinge abgeschnitten und stattdessen den kürzesten Weg direkt durch den Berg gesucht haben. Das unberührte Langfigtal ist dadurch zu einem Natur- und Wanderparadies geworden. Unten im Tal braust der sonntägliche Ausflugsverkehr, wir stehen hier oben direkt über dem Tunneleingang, hoch über der Stadt und den Menschen, und genießen den Ausblick. Nach der Einsattelung des Grates über der Straße folgt ein letzter, steiler Anstieg zur Burg Are, die am Ende des begehbaren Grates auf einer Felskuppe thront. Zum Schluss unserer alpinen Wanderung steigen wir einfach über das Eisengeländer der Burgmauer und sind unvermittelt zurück in der Zivilisation. Ein paar Treppenstufen bringen uns zur höchsten Stelle der Burgruine. Der Aussichtspavillon bietet einen weiteren, lohnenden Rundblick. Die Beine sind mittlerweile ordentlich müde geworden, wir schlendern durch die laute Stadt zurück zum Auto und zum ersehnten Ausklang bei leckerem Eis und kühlen Getränken.

Gut vier Stunden Gehzeit, drei Kilometer Strecke und 600 Höhenmeter liegen hinter uns, als wir am Ausgangspunkt zurück sind. Wir sind froh, die für Mittelgebirgsverhältnisse ziemlich anspruchsvolle Kraxelei inmitten einer wilden Natur gut gemeistert zu haben. Wieder einmal konnten wir beeindruckt feststellen: das Abenteuer liegt oft direkt vor der Haustür.

 

Peter May

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Kategorie: Klettergruppe

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