Straße, Eisenbahn und Fluss: eine Radrundfahrt an Mosel und Hunsrück

| 23. September 2018 | Keine Kommentare

Die Seitentäler der Mosel bieten dem Radfahrer diverse Möglichkeiten zum Aufstieg auf die Hunsrückhöhe. Daneben führen auch kürzere Steilstrecken direkt von der Mosel auf das Mittelgebirge. Zwei dieser Auf- bzw. Abstiege, die sich mit einem Teilstück des Schinderhannes-Radwegs und der Moseluferstraße zu einer großzügigen Rundfahrt kombinieren lassen, sollen nachfolgend vorgestellt werden; dabei seien dem Autor ein paar subjektive Anmerkungen erlaubt. Die Rundfahrt ist sportlich ambitioniert und benützt auf weite Strecken normale Autostraßen; sie dürfte daher am ehesten Rennradler und E-Biker ansprechen.

Startpunkt der Rundfahrt ist in Burgen an der unteren Mosel. Auf der Bergstraße geht es direkt steil den Hunsrück hinauf und dann auf der Landstraße über Morshausen, Beulich und Gondershausen nach Emmelshausen. Ab hier flach auf dem Schinderhannes-Radweg, einer ehemaliger Bahntrasse, bis nach Kastellaun. Dann wieder auf der Landstraße über Buch und Mörsdorf hinab ins Tal des Flaumbachs. An Kloster Maria Engelport vorbei nach Treis und schließlich auf der Moseluferstraße (Radweg) zurück zum Ausgangspunkt Burgen. Die Strecke ist insgesamt 80 Kilometer lang und bis zum höchsten Punkt (484 Meter ü. NN bei Lingerhahn) sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Die Rundfahrt ist bei zügigem Tempo in vier Stunden (ohne Pausen) zu schaffen.

In den Sommerferien 2018 habe ich endlich Zeit und passendes Wetter, um die nach intensivem Kartenstudium ausgearbeitete Strecke unter die Pedale zu nehmen. Die Anfahrt von Koblenz nach Burgen verkürze ich mit dem Auto: die hierfür zusätzlich erforderlichen 60 Kilometer Hin- und Rückfahrt hätten den Rahmen des mir Möglichen und Zuträglichen gesprengt. Ich parke also in Burgen direkt an der Mosel und hole meine bewährte Rennmaschine aus dem Kofferraum. Ein kleiner Rucksack mit dem Nötigsten genügt: Windjacke, Handy, Karte, Luftpumpe, ein paar Schokoriegel. Es ist 10:20 Uhr, los geht´s! Lange einrollen ist nicht. Die Straße durch das Baybachtal lasse ich rechts liegen und biege im Ortskern von Burgen direkt nach links in die Bergstraße ab. Der Straßenname ist Programm: steil, sehr steil geht es jetzt anhaltend den Berg hinauf. Es handelt sich um eine ruhige Nebenstraße, die asphaltiert und auch mit dem Rennrad gut zu befahren ist. In dem bewaldeten Steilhang sind auf anderthalb Kilometer Distanz 200 Höhenmeter zu überwinden, was einer Steigung von 13 Prozent entspricht. Da mein Rennrad nur zwei Kettenblätter hat, muss ich auch im kleinsten Gang ordentlich reintreten. Leicht angeschwitzt erreiche ich die Höhe. Hier oben ist das Gelände offen und die sommerlich gefärbten Getreidefelder bieten herrliche Anblicke, weit über die Mosel hinweg in die Eifel, wo sich schon die ersten Wolkentürme aufbauen. Kurz danach mündet die Nebenstraße in die Landesstraße 206, die von Brodenbach hinauf kommt. Heute ist ein Werktag und der Autoverkehr hält sich zum Glück in Grenzen. Eine Weile lang geht es in leichtem Auf und Ab, tendenziell aber weiter ansteigend durch die ruhigen Dörfer Morshausen, Beulich und Gondershausen, bis das Städtchen Emmelshausen erreicht ist. Am großen Verkehrskreisel, wo auch die Tourist-Information und das Zentrum am Park (ZAP) liegen, verlasse ich die Autostraße und biege in den hier beginnenden Schinderhannes-Radweg ein. Der Radweg benützt die Trasse einer stillgelegten Eisenbahnstrecke und weist daher auch keine ernsthaften Steigungen auf. 22 Kilometer lang verfolge ich die Bahntrasse. Der Weg ist zwar asphaltiert, aber viel Dreck unter den harten Pneus – Laub, Zweige und vor allem Kirschkerne – beeinträchtigt den Fahrspaß spürbar. Zu sehen gibt es auch nicht besonders viel, da die alte Bahnstrecke meistens von Bäumen eingesäumt ist oder durch Wald führt. Ein paar schöne Bilder kann ich dennoch einfangen: die rot leuchtenden Beeren der Ebereschen und die violetten Blüten der Weideröschen zeigen an, dass der Sommer seinen Zenit erreicht hat. Dazu die goldgelben Getreidefelder unter einem blauen Himmel mit weißen Wolkenschiffen. Das Land ist reif und ernteschwer. Um die Mittagzeit erreiche ist die ehemalige Residenzstadt Kastellaun. Die sommerliche Hitze macht sich bemerkbar und ich suche mir im alten Ortskern einen schattigen Biergarten, an dem ich eine Kleinigkeit zum Essen und Trinken bestellen kann. Eine knappe halbe Stunde verweile ich, bis bedrohlich dräuende Quellwolken zur Weiterfahrt mahnen. Um den Kastellauner Schlossberg herum geht es auf die Kreisstraße 29, die mich nach einem kurzen Anstieg nach Buch führt. Weiter geht es über die L 204 Richtung Mörsdorf. Der Himmel hat sich mittlerweile dunkel zugezogen und auf der Höhe kann ich deutlich ausmachen, wie sich über der Mosel schon die ersten Wolken geöffnet haben und ihre feuchte Fracht auf das Land ergießen. Jetzt will ich natürlich keine Zeit mehr verlieren und trete in Pedale – nass will ich nicht werden. Hinter Mörsdorf verlässt die Straße die offene Feldmark und führt in den Wald. In steilen Serpentinen schlängelt sich die Straße hinab in das Tal des Flaumbachs und ich genieße die rasante Abfahrt. So langsam und mühevoll ich heute Morgen den Burgener Berg hinaufgeklettert bin, so schnell und leicht geht es jetzt wieder hinab! Am Kloster Engelport halte ich nur kurz für ein Foto an. Hier erwischen mich tatsächlich schon ein paar Regentropfen. Die dunkle Wolke steht links vor mir und ich hoffe, dass der Schauer noch an mir vorüber zieht. Auf der leicht abfallenden Straße, die jetzt immer im Talgrund verläuft, gebe ich ordentlich Gas. Das vielfach gewundene Flaumbachtal zieht sich in die Länge und erst nach acht Kilometern erreiche ich trockenen Hauptes Treis an der Mosel. Hier hatte ich eigentlich eine zweite Pause eingeplant, aber das unsichere Wetter lässt mir keine Ruhe und ich sehe zu, dass ich mein Auto erreiche. Ab Treis geht es auf dem gekennzeichneten Radweg, der am flachen Moselufer entlang führt, die letzten acht Kilometer mit unvermindert hohem Tempo, ansonsten aber unspektakulär zurück nach Burgen. Lediglich das deutlich erhöhte Aufkommen von Radlern erfordert hier noch mal erhöhte Aufmerksamkeit. Dann ist es geschafft: Ziel erreicht, viel Neues gesehen und – nicht nass geworden! Müde und zufrieden lade ich das Rad ins Auto und mache mich auf den Heimweg. Insgesamt war die Rundtour ein forderndes, aber lohnendes Unternehmen, das ich jedem Radsportler, der die Gegend auf neuen Wegen erkunden will, nur ans Herz legen kann. Benutzte Karte: Publicpress-Radwanderkarte Vulkaneifel Mosel-Hunsrück 1 : 100 000, ISBN 978-3-89920-186-4

Peter May

1 Streckenverlauf

2 Start in Burgen an der Mosel

3 Auf der Höhe über Burgen

4 Landstraße zwischen Morshausen und Beulich

5 Auf dem Schinderhannes-Radweg

6 Eberesche und reifes Kornfeld

7 Mittagpause in Kastellaun

8 Regen kündigt sich an

9 Kloster Maria Engelport

10 Radweg am Moselufer

11 Am Ziel in Burgen

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Kategorie: Sonstige Touren

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