Skitour Karneval 2011

| 22. Mai 2011

Während wir im vergangenen Jahr wegen der Wetter- und Lawinensituation am Abend vor der Skitour noch alles umschmeißen mussten, was Tourenziel und Teilnehmerzahl anbelangt, so könnte man den Beginn dieser Tour fast als langweilig bezeichnen- Tourenziel und Teilnehmer standen seit einem halben Jahr fest und stabiler Hochdruckeinfluß bescherte uns über Karneval wolkenlosen blauen Himmel bei Lawinenwarnstufe 2 bis3 – somit konnten wir unser Ziel Rotondohütte (2.571m) in den Gotthardbergen am Alpenhauptkamm gut gelaunt ansteuern.

Teilnehmer Albatros und Hochtourengruppe:
Werner Klee, Horst Wündsch, Helga Pellenz, Jörg Kaiser, Gerhard Stein, Thomas Wickord, Friedhelm Hulley, Heike Schuster-Hulley

Aufgrund des langen Anstieges zur Hütte am Folgetag trafen wir uns schon am Schwerdonnerstagabend im „Dörfli“, dem kleinsten Dörfchen der Schweiz, wo in einem erstaunlicherweise fast gemütlichen Bunkerraum genächtigt wurde. Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir nach Realp, dem Ausgangspunkt des Hüttenaufstieges.

Man folgt von Realp der Furkareuss bis zur Mündung des Witenwasserentales, ab hier geht´s in diesem taleinwärts bis Oberstafel. Durch ein Moränental südwestlich hinauf erreichten wir schließlich nach
9 km und 1050 Hm die traumhaft gelegene Rotondohütte.

Am ersten Tag mussten wir ersteinmal die Gegend erkunden und so bestiegen wir drei von der Hütte aus gut erreichbare Gipfel, von denen uns jeder einen anderen Ausblick auf die herrliche Bergkulisse bot.

Das Gross Leckihorn (3.068m) /WS+ ist ein beliebter Skiberg am Übergang vom Witenwasseren- zum Muttengletscher. Wir folgten der SE-Abdachung des Rottälligrates Richtung Leckipass, stiegen über die Flanke zum Skidepot und über den Nordrücken schließlich zu Fuß zum Gipfel auf. Die anschließende Pulverschneeabfahrt war ein Traum. Über den Leckipass querten wir zum Rottällipass. Vom Skidepot aus führte uns ein 48- 50° steiler Anstieg zuletzt über ein kurzes, recht ausgesetztes Gratstück zum 2.988 m hohen Stellibodenhorn/S- mit einem grandiosen Blick auf die Berner Alpen.

Jetzt nahmen wir den leicht zu erreichenden SE- Gipfel des Rottällihorns (2.913m) natürlich auch noch mit, bevor wir die knapp 500 Hm Pulverschneeabfahrt zur Hütte zurück und Kaffee und Kuchen auf der Hüttenterrasse genossen.

rotondo5.jpgBereits von Andermatt aus sieht man den Pizzo Lucendro als weiße Pyramide, umso beeindruckender ist sein Anblick von der Rotondohütte aus. Auf diesen Berg muß man einfach hinauf- das war allen klar und so stand unser Tourenziel für den nächsten Tag einstimmig fest.

Auf 300 Hm Abfahrt in den Talabschluß des Witenwasserentals folgten 700 Hm Aufstieg. Dieser führte zunächst 550 Hm steil durch den herrlichen NW-Hang des Pizzo Lucendro zur unbenannten Lücke bei etwa 2.800m hinauf, hierbei erreichen die letzten 60 Hm eine Steilheit von 45°. Jenseits des Ghiacciaio di Lucendro führte die Tour uns südlich zum Skidepot auf dem E-Grat und über den steilen Schneegrat zum Gipfel (2962,7m)/SS-. Was folgt sind -….genau – 700 Hm Pulverschneeabfahrt durch die NW-Flanke, nur getrübt durch den schweißtreibenden Gegenanstieg von 300 Hm in der brütenden Hitze der Mittagssonne.

Während am Rosenmontag die einen lieber noch ein paar tolle Pulverschneeabfahrten genießen wollten und so die Gipfel von Hüenerstock und Chli Leckihorn anvisierten, zog es Friedhelm, Jörg und mich zum Witenwasserenstock mit seiner beeindruckenden steilen felsigen Flanke und dem schmalen ausgesetzten Blockgrat.

Meist wird nur der Ostgipfel (3.025m) bestiegen, eine Wasserscheide, welche das Adriatische Meer, das Mittelländische Meer und die Nordsee speist. Von der Rotondohütte hält man ab der Mitte des Witenwasserengletschers in gerader Linie auf den Verbindungsgrat zwischen Witenwasserenstock und Hüenerstock zu, wo das Skidepot errichtet wird. Beeindruckend war neben der Wechte vor uns vor allem der Ausblick: südlich des Alpenhauptkammes lag unter uns ein Wolkenmeer, aus dem nur die Spitzen der südlichen Berggipfel herausschauten. Die Wolken stießen wie das Wasser eines Stausees gegen die Staumauer „unserer“ Berge, ohne „hinüberzu-schwappen“- im Norden war keine Wolke zu sehen.

Fünfeinhalb Stunden brauchten wir für den Grat über den Ostgipfel bis zum Hauptgipfel und zurück…Insbesondere im unteren Bereich war der von einem Harschdeckel bedeckte lockere „Schwimmschnee“ unangenehm. So folgten wir nicht der Flanke, sondern stiegen direkt über schneebedeckte Granitplatten auf den Grat, dem wir bis zum Gipfel folgten. Nach den letzten Höhenmetern im III° standen wir auf der ausgesetzten Gratschneide des Gipfels – belohnt mit einem tollen 360° Panorama.

Zurück auf der Hütte erfuhren wir vom Hüttenwirt, dass wir soeben die dritte Begehung des Witenwasserenstockes in diesem Jahr durchgeführt hatten – dafür gab´s nach dem Abendessen nochmal eine Runde Kuchen extra….

Am folgenden Morgen ging´s wieder ins Tal zurück – neben tollen Tourentagen, fantastischen Aussichten und Gipfeln werden uns viele Erlebnisse und Erkenntnisse in Erinnerung bleiben: Helga war begeistert von der alpinen Hüttenkatze, die sich von tiefem Schnee nicht beeindrucken ließ.

Gerhard klärte uns über die gesundheitsfördernde Wirkung von chinesischen Wildaprikosenkernen auf, die wir daraufhin alle täglich brav zu uns nahmen – schaden kann´s ja nicht.

Werner war so begeistert von der Rotkrautsuppe, dass wir vom Hüttenwirt alle eine Broschüre über Suppenrezepte auf Schweizer Hütten geschenkt bekamen – musste auch noch in den Rucksack…

Jörg war begeistert, wie gut seine Frontalzacken der Steigeisen auf den steilen Platten des schweizerischen Granit hielten – war das mit dem Eintritt in die „Hochtourengruppe“ ernst gemeint ???
Mit steigendem Durchschnittsalter der Gruppe steigt signifikant der Ibuprofen-Bedarf, so dass bereits ab dem zweiten Tag eine Rationierung stattfinden musste – Namen werden nicht genannt, aber die Zielorgane waren ebenso zahlreich wie die Konsumenten: Nacken, Rücken, Knie…

Auf der Talabfahrt nach Realp genossen wir natürlich -…..Sonnenschein und Pulverschnee….

Heike Schuster-Hulley

Kategorie: Albatros, Hochtourengruppe

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