Sellrain – wo ist das denn?

| 20. Oktober 2015 | Keine Kommentare

„Sellrain – wo ist das denn?“ wurden wir gefragt, wenn wir erzählten wohin unsere Tour im Juli 2015 ging.
Die Berge des Sellrains grenzen im Norden an das Inntal, im Osten an das Stubaital, am westlichen Horizont ragen die Gipfel der Ötztaler Alpen ‚gen Himmel und im Süden bieten die Stubaier Alpen eine prächtige Kulisse. Das landschaftlich großartige Gebiet mit seinen reizvollen Hüttenaufstiegen und imposanten Dreitausendern führt durch alpines Gelände, teils mit leichter Kletterei und seilversicherten Passagen.
Die DB brachte uns – Achim, Conny, Elisabeth, Harald, Susanne und Volker – nach Innsbruck. Weiter ging es mit dem Regionalbus in das Sellrainer Tal. Bedingt durch starke Regenfälle im Juni war ein Teil der Strecke für den Linienbus nicht befahrbar und so mussten wir in einen überfüllten kleineren Bus umsteigen. Vor dem Gh. Neuwirt erwartete uns ein reserviertes Taxi in Gestalt eines Pick-ups, das uns ein Stück im Fotscher Tal bergauf zum Bergheim Fotsch brachte. Susanne und Harald wurden auf der Fahrt über die Forststraße auf der Ladefläche mit den Rucksäcken ganz besonders durchgerüttelt, was ihnen aber offensichtlich Spaß machte.  Die restlichen 555 Hm zur Potsdamer Hütte (2.012 m) legten wir bei schwülem Wetter nach der langen Reise gerne zu Fuß zurück. Wir wählten die wunderschöne Sommerroute über einen Pfad durch herrlichen Zirbenwald und einen mit Alpenrosen bewachsenen Hang hinauf, der einen Blick auf das schöne Fotscher Tal mit seinem Bachlauf, kleinen Seen und Auen preisgab. Wir erreichten die schützende Hütte beim ersten Donnerhall, gerade rechtzeitig vor dem Gewitter.
Am nächsten Morgen stiegen wir zum Gipfel des Roten Kogel (2.832 m) auf. Dieser Weg führte uns über Serpentinen und eine kurze Steilstufe weiter durch ein von kleinen Seen durchsetztes Gelände über die Schafsalm und dann steiler zum Gipfel. Es folgte ein langer Abstieg ins Lüsental, erst über Fels, dann über saftig grüne Almen. Wir querten Bäche und gingen an kleinen Seen vorbei. Nachdem wir wie angekündigt ein Strohlager erwarteten, waren wir freudig über das Quartier im Alpengasthof Praxmar (1.687 m) überrascht. Hier wurden wir mit Köstlichkeiten aus eigener Landwirtschaft verwöhnt.
Am Sonntag führte der lange steile teils ausgesetzte Höhensteig in brütender Hitze über das Äußere Schwarzjöchl (2.654 m).  Wir machten einen kleinen Abstecher auf die Münsterhöhe, auf der Harald seinen bereits 4. Geocache fand. Auf dem gut zu besteigenden eher unscheinbaren Gipfel konnten wir uns an einem wunderbaren Panorama erfreuen. Nach einer Rast stiegen wir ab ins Westfalenhaus (2.273 m), dort bekamen wir die besten Kasspatzen die wir jemals gegessen haben.
Am Montag wählten wir bei perfektem Wetter den hochalpinen Übergang über den schneebedeckten Grünen Tatzen Ferner zur Winnebachseehütte (2.362 m) – eine Schleife in die Ötztaler Alpen. Wir gingen erst gemütlich den Dr.-Siemon-Steig, dann mühten wir uns über sehr steile rutschige Geröllfelder nach oben. Der Weg zum Joch des Hohen Seeblaskogel war anfangs mit Steinmännchen gekennzeichnet, der Übergang über den spaltenlosen Ferner musste dagegen selbst gefunden werden; dabei war Haralds GPS sehr von Nutzen. Aufgrund der guten Schneeverhältnisse wurden die mitgeführten Grödel nicht benötigt.  Auf dem Seeblaskogeljoch (2.952 m)  machten wir bei eindrucksvoller Weitsicht nach dem anstrengenden Aufstieg und der gelungenen Gletscherüberquerung ausgiebig Brotzeit. Es folgte frohen Schrittes ein langer Abstieg, erst über Fels, Steinplatten und Geröllfelder, dann entlang am Gletscherbach des Bachfallenferners, an dessen Fuß sich in den letzten Jahren ein Gletschersee gebildet hatte. Der See gewinnt von Jahr zu Jahr an Größe und zeigt eindrucksvoll den stetigen Rückgang des Gletschers. Wiederum über Wiesen, an kleinen Seen vorbei, durch Bäche, über Moränen – die Überreste des einst vorhandenen Bachfallengletschers – erreichten wir die schöne Winnebachseehütte (2.362 m), gelegen am gleichnamigen See. Vom neu ausgebauten Hüttenraum mit Panoramafenster hatten wir Sicht auf den sehr geräuschvollen Wasserfall, der sich direkt neben unserem Hüttenlager befand, sich aber nachts leider nicht abstellen ließ…. Wir alle fanden den Tag wunderschön.

Am Dienstag überquerten wir das Zwieselbachjoch (2.868 m), ein weiterer Höhepunkt der Tour, mit Blick auf den gegenüberliegenden schneebedeckten Breiten Grießkogel (3.287 m) mit seiner mächtigen Gipfelflanke. Es folgte der Abstieg: der Weg führte durch das romantische Zwieselbachtal  entlang des langsam vor sich hin plätschernden Bächleins. Die Auen luden zu einer längeren Rast ein. Heute kamen wir schon zeitig auf der liebevoll dekorierten Schweinfurter Hütte (2.034 m) an und wurden freundlich empfangen. Den Nachmittag verbrachten wir mit leckerem Kaiserschmarren und Spielen. Am Abend konnten wir lange draußen sitzen und das Bergpanorama genießen.
Am Mittwoch führte der Weg steil über einen gesicherten Steig zur Hochreichscharte (2.912 m). Conny, Harald, Susanne und Volker kletterten die 100m auf den Hochreichkopf (3.008 m). Am Gipfelkreuz wurden sie dafür mit einem überwältigendem Ausblick bis zu den Ötztaler Gletscherbergen belohnt. Nach einem langen anstrengenden Abstieg über die drahtseil- und klammergesicherte Niederreichscharte (2.729 m), einem Steig mit Kletterei im I. Grad, ging es später über Geröllfelder und anschließend im Längental über saftige Weiden mit unzähligen Bächen und Seen. Wir erreichten müde von der langen Tour die am Längentalstausee gelegene Dortmunder Hütte (1.949 m); hatten wir doch an diesem Tag 1.150 Hm bergauf und 1.200 Hm bergab bewältigt. Unsere Belohnung: Übernachtung in komfortablen 2-Bett-Zimmern.
Am nächsten Morgen führte uns die Tour auf der Inntalschleife zur Peter-Anich-Hütte. Über bunte Wiesen stiegen wir zum Bachwandkopf (2.762 m) auf. Den geplanten Abstecher zum höchsten Gipfel der nördl. Sellrainer Berge, dem Rietzer Grieskogel (2.884 m), mussten wir wegen Nebel leider aufgeben. Die Hütte, klein und fein, auf 1910m gelegen, gehört zur Sektion Innsbruck. Wir genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages in den bereitstehenden Liegestühlen und mit herrlichen Ausblicken: in der Ferne das Wettersteingebirge mit Zugspitze, gegenüber die Mieminger Kette mit der Hohen Munde, direkt unter uns das Inntal mit Telfs; in einem Seitental entdeckten wir Seefeld. Da wir die einzigen Übernachtungsgäste waren, konnten wir uns nach fürsorglicher Bewirtung im Lager ausbreiten.
Am frühen Freitagmorgen zeigte sich bei Sonnenaufgang ein ganz besonderes Naturschauspiel,  das sich im Alpenraum “Obheiter“ nennt. Wir starteten bereits um 7:15 Uhr auf den Peter-Anich-Höhensteig, der sich sehr abwechslungsreich, jedoch auch sehr lang gestalten sollte. Die Lichtungen gaben fantastische Blicke in das belebte Inntal frei. Die Betriebsamkeit und Hektik unten im Tal machten uns die Schönheit dieser Etappe in der ruhigen Natur der Berge umso bewusster. Wir überquerten mehrere Höhen, passierten in den Tälern bunte Wiesen mit weidenden Schafen, Ziegen, Haflingern und vor allem Kühen, die schon mal den schmalen Weg versperrten oder uns folgten. Susanne, die größten Respekt vor größeren Tieren hat, bemühte sich um Annäherung.  Auftanken konnten wir mittags auf der Flauringer Alm; die Sennerin servierte kalte Getränke, frischen Joghurt und natürlich eine Kostprobe vom eigenen Käse. Nach der Überschreitung des Rauen Kopfes (2.302 m) musste eine besonders beschwerliche Teilstrecke – der Schützensteig – entlang eines zugewachsenen steilen Hanges begangen werden bevor wir den Krimpenbachsattel auf 1.900 m erreichten. Nach 16 km Wegstrecke und 1.400 Hm kamen wir um 19:15 Uhr ziemlich geschafft auf der Rosskogelhütte (1.777 m) an. Laut Aussage von Manni Geier, dem Wirt der Hütte, sollte der Steig erst 2 Wochen später gepflegt werden …. Bevor wir uns pflegen durften gab es aber erst einmal etwas zu essen. Welch eine Überraschung: frische Forellen und frische Pfifferlinge! Bei diesen besonderen Leckereien erholten wir uns in gemütlicher Runde bald. Die Hütte liegt am Rande des Rosskogels (2.646 m) und bietet einen grandiosen Ausblick auf das Lichtermeer von Innsbruck, den Flughafen und auf das Karwendelgebirge.
Die Muren hatten in den letzten Tagen große Zerstörungen verursacht, so dass wir am Samstag die geplante Besteigung des Rosskogels, das „alpine Wahrzeichen“ der Stadt Innsbruck und den Abstieg ins Sellrainer Tal rechts liegen ließen und wanderten statt dessen gemütlich zur Bergstation Stieglreith. Nach einer Erfrischung auf der Terrasse brachte uns die Gondel ins Tal nach Oberperfuss. Mit dem Linienbus ging es zurück nach Innsbruck. Während eines gewaltigen Gewitterregens saßen wir gemütlich in einem Café in Bahnhofnähe und genossen einen riesigen, von Achim spendierten Eisbecher.
Dank besten Wetters, der sehr guten Vorbereitung durch Volker, der fröhlichen Stimmung in der Gruppe und schmackhafter Verpflegung durften wir eine wunderschöne, erlebnisreiche und sicherlich unvergessene Woche erleben.

Text: Conny Schuld-Ringel und Elisabeth Szurma

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Kategorie: Aktuell, Bergsteigergruppe, Gruppen

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